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Wo ist jemand, wenn er fällt, der nicht gern wieder aufstünde? Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme? Warum will denn dies Volk […] irregehen für und für? Sie halten so fest am falschen Gottesdienst, dass sie nicht umkehren wollen. Ich sehe und höre, dass sie nicht die Wahrheit reden. Es gibt niemand, dem seine Bosheit leid wäre und der spräche: Was hab ich doch getan! Sie laufen alle ihren Lauf [und wollen] das Recht […] nicht wissen. Wie könnt ihr sagen: »Wir sind weise und haben das Gesetz […] bei uns«? Ist’s doch lauter Lüge, was die Schreiber daraus machen.
„[T]he nuclear risk […] is […] small compared to other accident risks.” (Reactor Safety Study; U.S. Nuclear Regulatory Commission October 1975; S. 102)

Das Erinnern an die Katastrophe suggeriert, dass man aus der Vergangenheit gelernt hat…

„ Die japanischen Einsatzkräfte haben die Situation im AKW Fukushima-1 unter Kontrolle gebracht, berichtet ein Sprecher der Internationalen Atomenergieorganisation IAEO […].” (Meldung der Russischen Agentur für internationale Informationen RIA Novosti am 13.03.2011)
Die Weisen müssen zuschanden, erschreckt und gefangen werden; denn was können sie Weises lehren, wenn sie [die Lehre] verwerfen? Darum will ich ihre Frauen den Fremden geben und ihre Äcker denen, durch die sie verjagt werden. Denn sie gieren alle, Klein und Groß, nach unrechtem Gewinn; Priester und Propheten gehen mit Lüge um und heilen den Schaden [des] Volks nur obenhin, indem sie sagen: »Friede! Friede!«, und ist doch nicht Friede. Sie werden mit Schande dastehen, weil sie solche Gräuel getrieben haben; aber sie wollen sich nicht schämen und wissen nichts von Scham. Darum sollen sie fallen unter den Fallenden, und wenn […] sie heim[ge]such[t] werde[n], sollen sie stürzen […]. [U]nter ihnen [soll] Lese [ge]halten [werden], sodass keine Trauben am Weinstock und keine Feigen am Feigenbaum übrig bleiben, ja, auch die Blätter abfallen sollen; und was […] ihnen gegeben [wurde], das soll ihnen genommen werden.
»Wozu wollen wir noch da sitzen? Sammelt euch und lasst uns in die festen Städte ziehen, dass wir dort umkommen. Denn [es] wird uns umkommen lassen und uns tränken mit einem giftigen Trank, weil wir so gesündigt haben [?]. Wir hofften, es sollte Friede werden, aber es kommt nichts Gutes; wir hofften, wir sollten heil werden, aber siehe, es ist Schrecken da [und Krieg und Zerstörung]. Sie […] werden das Land auffressen mit allem, was darin ist, die Stadt samt allen, die darin wohnen. […] Die Ernte ist vergangen, der Sommer ist dahin und uns ist keine Hilfe gekommen!« […]
Stress [gilt als] biologische Erklärung für […] Unfruchtbarkeit […]: [Es] verteilt sich das Blut so, dass sich die Gefäße überall dort, wo es nicht lebenswichtig ist, zusammenziehen – auch in den Fortpflanzungsorganen. (Aus: Shafy, Samiha: Wenn die Hirnmasse schrumpft. Spiegel Wissen, Heft 1/2011: Das überforderte Ich. Stress – Burnout – Depression. S. 28 ff.)
Ist denn [kein Balsam] in Gilead oder ist kein Arzt da? […] Ach dass ich Wasser genug hätte in meinem Haupte und meine Augen Tränenquellen wären, dass ich Tag und Nacht beweinen könnte die Erschlagenen meines Volks! (Jeremia 8,4-23; Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luther in der revidierten Fassung von 1984. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

 

Nein, stellt der Zuschauer der Schultheater-Inszenierung von Margaret Atwoods Roman „The Handmaid’s Tale“ schnell fest, es gibt keinen Balsam in Gilead. In dieser postapokalyptischen Gesellschaft führen Staat und Bürger unter dem Vorwand, aus ihren katastrophalen Fehlern gelernt zu haben und es nun besser (vor allem besser als alle anderen) zu machen, faktisch ihre Fehler fort und ihre vorgeblichen Bemühungen ad absurdum. Ihre Welt ist nicht – und das ist ja das Wesen einer Dystopie – eine bessere Welt, sondern eine Mängelwirtschaft, die die eigentlichen Ursachen der bereits erlebten Katastrophe verkennt oder ignoriert und so unweigerlich erneut auf die Katastrophe zusteuert.

Dementsprechend fällt es dem Zuschauer auch schwer, sich einzufühlen, einzutauchen in eine Vision, sich zu versenken in ein Berieseltwerden durch eine gefällige Handlung. Davon ist diese Schultheaterinszenierung weit entfernt – und will es auch sein: Zu befremdend wirken – eben als Verfremdungseffekte – beispielsweise die Ansprachen einzelner Charaktere an das Publikum, die Verständnis wenigstens von dieser Seite sich zu wünschen scheinen, da es ihnen von ihrer Umwelt verweigert wurde und wird. Gemäß ihrer Indoktrination sollte man erwarten, dass sie den Blick gen Himmel richten, „als wenn [dort] wär / Ein Ohr zu hören [ihre] Klage, / Ein Herz […], / Sich des Bedrängten zu erbarmen“, wie Goethe einst in seinem Prometheus-Gedicht schrieb. Wie dieser jedoch ahnen sie wohl, da sie es tagtäglich am eigenen Leibe spüren, dass von dort keine Hilfe zu erwarten ist, und richten ihre Hoffnung neu aus und sich an das Publikum, hoffen, das immerhin soll und kann man spüren, dass sich das Publikum mit ihnen solidarisiert, und versuchen, dazu wenigstens diese vierte Wand durchbrechen, wenigstens diese eine der vielen Wände, Grenzen, Regeln, die sie in ihrer Selbstverwirklichung als Menschen beschränken – doch sie können es nicht. Einerseits sind sie zu sehr gefangen in den Doktrinen ihrer Gesellschaft, andererseits wirkt ebendiese Gesellschaft so absurd, dass man sich als Zuschauer nicht hineinfühlen will, nur um dann umso deutlicher im Verlaufe des Stückes ahnen und schließlich begreifen und sich eingestehen zu müssen, wie realistisch ein solches Gesellschaftsbild doch ist, und sich dunkel zu erinnern, wie real gar manche Aspekte dieser Gesellschaft an verschiedenen Orten der Welt auch heute (noch und schon und wieder) sind (wie die eingestreuten Zitate exemplarisch belegen mögen).
Regelmäßig suggerieren gleichwohl die Gilead News – Die Regierung mit Gott für dich, die das Volk unter- und bei der Stange halten, dass alles in Ordnung und ganz normal ist, und wären diese Nachrichten nicht inhaltlich völlig absurd, man wäre geneigt, ihnen zu glauben, so sympathisch und charismatisch sind die beiden „News Presenter“, die mehr beziehungsweise weit anderes präsentieren als bloße News, sondern vielmehr Brot und Spiele und Opium für das Volk?

Können diese Augen lügen…? Die „Gilead News – Die Regierung mit Gott für dich“ sind doch SO überzeugend…!

In einer Gesellschaft, deren Überleben bedroht ist, verschieben sich die Perspektiven vom Sozialen hin zum vermeintlichen Sachzwang. Und worin die sich daraus resultierenden Aufgaben bestehen, dazu lassen sich für ein Gemeinwesen wie Gilead schnell renommierte Fürsprecher:

Der wesentliche Wert der Frau liegt in ihrer Gebärfähigkeit und in ihrem hauswirtschaftlichen Nutzen. (Thomas von Aquin, dem sogenannten „Kirchenvater“, zugeschrieben…)
Die größte Ehre, die das Weib hat, ist allzumal, daß die Männer durch sie geboren werden. (Martin Luther zugeschrieben…)

Gebären ist die soziale Pflicht der Frau. Wer sie erfüllen kann, hat dieses Privileg der Gemeinschaft in Dienst zu stellen. Wer sie NICHT erfüllen kann, muss (er)dulden, dass das Privileg der Elternschaft an Bedienstete abgetreten werden muss…

Wenn die Mitglieder der herrschenden Klasse, infolge des psychosozialen Stresses und der gesundheitlichen Belastung infolge der Umweltverschmutzung, nicht mehr für den Erhalt des Gemeinwesens sorgen können, dann, so folgert man in Gilead, müssen jene wenigen, die noch fruchtbar sind, ihren physische Potenz und ganz banal ihren Körper in den Dienst der Allgemeinheit stellen.
Auch hierfür Fürsprecher zu finden, ist nicht schwer:

Will die Frau nicht, so komm‘ die Magd! (wiederum Martin Luther zugeschrieben…)
Als Rahel sah, dass sie Jakob keine Kinder gebar, wurde sie eifersüchtig auf ihre Schwester. Sie sagte zu Jakob: Verschaff mir Söhne! Wenn nicht, sterbe ich. Da wurde Jakob zornig auf Rahel und sagte: Nehme ich etwa die Stelle Gottes ein, der dir die Leibesfrucht versagt? Sie antwortete: Da ist meine Magd Bilha. Geh zu ihr! Sie soll auf meine Knie gebären, dann komme auch ich durch sie zu Kindern. Sie gab ihm also ihre Magd Bilha zur Frau und Jakob ging zu ihr. Bilha wurde schwanger und gebar Jakob einen Sohn. Rahel sagte: Gott hat mir Recht verschafft; er hat auch meine Stimme gehört und mir einen Sohn geschenkt. (1. Mose 30,1-6; Einheitsübersetzung, Kath. Bibelanstalt, Stuttgart 1980)

Ungläubige, Skeptiker und Oppositionelle, Individualisten und Abweichler kann ein Staat wie Gilead nicht dulden – ihre die Gemeinschaft zersetzende Lebensweise und Ansichten werden mit dem Tode bestraft – offiziell oder inoffiziell, unmittelbar oder mittelbar, in jedem Falle aber unausweichlich…
Auch das lässt sich leicht belegen:

Wenn jemand die Ehe bricht mit der Frau seines Nächsten, so sollen beide des Todes sterben, Ehebrecher und Ehebrecherin, weil er mit der Frau seines Nächsten die Ehe gebrochen hat. Wenn ein Mann bei einer Frau liegt, die eine leibeigne Magd ist und einem Mann […] bestimmt […], so soll das bestraft werden. Wer [der Obrigkeit] lästert, der soll des Todes sterben […]. (3. Mose 20,10; 3. Mose 19,20; 3. Mose 24,16)

Wer nicht seine soziale Pflicht erfüllt, wird gelyncht, hingerichtet oder verbannt ? als Liquidatoren zur Beseitigung atomaren Mülls in den verstrahlten Gebieten… – Abschreckung durch tödliche Gewalt als Erziehungsmittel gehört in Gilead zur Normalität…

Die Bürger von Gilead, insbesondere jene der unteren Klassen, am plastischsten auf der Bühne verkörpert durch die Mägde, sind (trotz aller Risiken) gewiss nicht frei von Sturm- und Drang-Gefühlen, man spürt, wie es unter der Oberfläche brodelt, und hin und wieder bricht es sich ekstatisch Bahn, sei es in einer orgiastischen Feier der fleischlichen Triebe, sei es im Züchtigen oder gar im Zerfleischen der Geächteten.

Lieblos und insofern unmenschlich ist die Gesellschaft von Gilead. Liebe ist hier nicht mehr als nur ein (vergessenes!) Wort, und wenn man sich dem Triebe oder der Liebe hingeben will, kann das nur im Verborgenen geschehen.

Wer nicht „spurt“, wird in die Spur gebracht; mit allen Mitteln wird der Forderung nach Erfüllung der sozialen Pflichten und Einhaltung der Konventionen Nachdruck verliehen, und Gewalt erzeugt dabei – wie so oft – Gegengewalt, so dass hier Männer gegen Frauen und Frauen gegen Männer Gewalt ausüben, ohne dass sie dabei oder vielmehr dadurch einen politischen Umsturz zu provozieren in der Lage wären..

Es gelingt den Figuren nicht, ihren Unmut, ihre Angst und ihren Zorn zu kanalisieren, zu fokussieren auf den Wiederstand, auf die Auflehnung, auf die eigene Emanzipation, wie sie Goethes Prometheus für sich beansprucht. Wie sie aber gespielt werden in ihrem Empfinden der Ausweglosigkeit, in ihrer Verzweiflung, wie ihre Lage inszeniert ist, welche Atmosphäre das Bild von Gilead vermittelt, das auf der Bühne gestaltet ist, all das reißt immerhin den Zuschauer mit oder doch zumindest aus seiner Alltagslethargie heraus.
Man wünscht sich, man wünscht es den auf der Bühne agierenden Charakteren, dass es diesen gelingen möge, aus dieser be- und unterdrückenden Situation auszubrechen. Der Protagonistin Offred, die man gar nicht durchgängig als die eine Protagonistin erkennt, da auch zahlreiche Nebenfiguren ausdifferenziert dargestellt werden und an ihrer aller Schicksal zumindest die Neugier geweckt wird, scheint zum Ausgang des Stücks auch einen Ausgang aus der vermeintlichen Ausweglosigkeit zu weisen. Ohne die Unterstützung anderer, ohne eine Dienstbarmachung und Beugung der Regeln und Institutionen, ohne die Sprachlosigkeit und Ohnmacht der vermeintlichen Herren gegenüber der Machtdemonstration der staatlichen Gewalt müsste sie bleiben, zurückbleiben in der Knechtschaft durch die Regeln und die Herrschaften.

Ein Polizeitrupp führt Offred mit sich von der Bühne in die Vagheit des Bühnenhintergrunds und einer unsicheren Zukunft… – ein beunruhigender Anblick zum Abschluss des Stückes…

Ihr Weg ist der der privaten Liebe und der Solidarität zwischen Liebenden und Freunden ? ein humaner Weg, motiviert durch einen kleinen Funken Hoffnung, irreal aber doch gegenüber dem Druck der Realität behauptet und dadurch realisiert. Ein schales, ein flaues Gefühl bleibt zurück, wenn man Offred mit ihrem Geliebten und seinen Mannen von der Bühne schreiten sieht, ist man sich doch nicht sicher, wer hier einer Täuschung erliegt: die Herrschaft der Täuschung der zum Guten missbrauchten Exekutive oder Offred der Täuschung der als Verhaftung getarnten Rettung oder Offred und Geliebter, der sie ent- wie abführende Vertreter der Exekutive, gemeinsam der Täuschung, dieser Gesellschaft entkommen oder sie gar verändern zu können.

Nicht bei allen kam dieses Stück an – denn: gefällig war es nicht. Ein ungutes Gefühl, ein bedrückendes, mulmiges, bleibt zurück, während man, von der Inszenierung, von Spiel und Kostüm und Licht überwältigt, in seinem Stuhl zurückbleibt, ohne eine beruhigende Klärung oder Erklärung der Ereignisse.
Das Stück weckte Diskussionen, und wenn Theater das erreicht, zumal wenn, wie hier, die Diskussionen auch auf inhaltlicher Ebene geführt werden, dann hat es etwas erreicht. Eines steht hier unzweifelhaft fest: Wer es gesehen hat, konnte sich dieser Darbietung nicht entziehen. Man konnte leicht vergessen, dass es Schülertheater war, so professionell wirkten Spiel und Inszenierung. Der Leiter, Rainer Tyszkiewicz, hat hierfür Impulse geliefert, die Erarbeitung des Stückes und seiner Umsetzung auf der Bühne leisteten im Wesentlichen die Schüler seines Darstellendes-Spiel-Kurses (Q2) selbst.
Eine beeindruckende Leistung, die einen gespannt macht auf künftige Inszenierungen, und die bei den Schultheatertagen im Mouson-Turm in Frankfurt auch noch ein größeres Publikum erreichen konnte, wo sie sich nicht scheuen musste, an Inszenierungen der Konkurrenz gemessen zu werden.

 

 

 

(Text und Bild: Blu, unter der Verwendung zweier Bilder von Tys)

Tausend Wege

Ich frage mich, wie kann es sein, was alles nur passiert
Die Menschen denken nicht mehr nach
Und sehen nur sich selbst
Erkennen nicht, was denn noch zählt
Und wo es die Grenze liegt

Tausend Menschen streifen nun
An meinem Weg vorbei
Doch zu verstehen, so scheint mir,
scheint niemand, dass man träumt

Doch nie darf ich vergessen,
dass es nicht immer ist, wie’s scheint
Und dass oft kälteste Fassaden
Nur Versteck sind, alles täuscht
Dass sich Sicht auch manchmal trübt
Und manch ein Urteil unrecht fällt

Doch manch einer ist anders
Schenkt Achtung jedem Mensch
Und füllt ganz selbstlos viele Herzen
Mit Glück und Freud und Träumerei
Wie jener Mann einst, der verschenkte
Gerne Birnen, um zu zeigen
Dass er Herz hat, mehr als andre
Und so gerne Lachen hört

Schenke jedem Mensch ein Lächeln, eine kleine Herzenstat
Denn Liebe zu verschenken rettet manchem einen Tag

Hannah Mayer

 

Der hessische Birnbaum vor Schloss Ribbeck, von der Leibnizschule gepflanzt.

Am Tag der Deutschen Einheit wurde Hessens Theodor-Fontane-Birnbaum im Dorf Ribbeck im Havelland von Abiturienten und Lehrern der Leibnizschule Offenbach – einer Club-of-Rome-Schule – gepflanzt.

Damit hat das Bundesland seinen Beitrag zum Deutschen Birnbaumgarten vor Schloss Ribbeck in der Mark Brandenburg geleistet, wo das beliebteste Gedicht Deutschlands zu neuem Leben erweckt wird: „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, e i n  Birnbaum in seinem Garten stand…“ hieß es bei Fontane, jetzt steht hier nicht nur einer, sondern es wurden bereits neun Birnbäume gepflanzt.

Der erste Baum ist von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzek (SPD) im September 2008 gesetzt worden. Insgesamt werden sechzehn Bäume an das Gedicht erinnern, mit dem Fontane (1819-1898) das märkische Dorf, die Familie derer von Ribbeck zu Ribbeck und die Birnbäume des Havellandes weithin bekannt gemacht hat. Das Schloss der Familie befindet sich heute im Besitz des Landkreises Havelland und wurde nach seiner denkmalgerechten Sanierung 2009 als kulturtouristisches Zentrum wiedereröffnet.

Birnbaumpflanzung in Ribbeck durch SchülerInnen und LehrerInnen der Leibnizschule und Regierungsvertreter

Die neunte Birnbaumpflanzung vom Land Hessen begleiteten Dr. Schröder, Landrat vom Havelland, Herr Fleischmann, Bürgermeister von Nauen und Herr Bader, nach dessen Idee der Birnbaumgarten eingerichtet worden ist. Die Hessische Landesregierung in Berlin war durch Herrn Harald Schmitt vertreten.

In ihrer Rede betonte Frau Dr. Irina Buche, die Lehrerin der Leibnizschule, von der die Initiative zur Pflanzung am 3. Oktober ausgegangen ist, die Bedeutung des Baumes für die gute Nachbarschaft zwischen Ost und West. Sie machte auf das Programm der Europäischen Union vom November 2008 zur kostenlosen Verteilung von Obst an Schulen aufmerksam. Zusätzlich solle man in Deutschlands Schulhöfen, aber auch in Frankreich, England, Spanien usw. Birnbäume pflanzen, von denen sich Kinder im Herbst ihr Frühstück selber pflücken könnten. So dass es auf den Höfen nicht nur wispert „Wiste ´ne Beer, dann komm man röver…“, sondern auch „Queréis peras? Vous voulez des poires?“ „Come over, you´ll get some pears!“

Herr Schmitt bezog sich in seinem Vortrag ebenfalls auf das Schulobstprogramm der EU. Der Bundesrat habe den Weg dafür frei gemacht und bald würde man an Hessens Schulen kostenlos Obst verteilen. Ein Teil des im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie angelaufenen Projektes „Agrobiodiversität – Artenvielfalt“ sind Streuobstwiesen, auf denen regionaltypische alte Sorten wie Amanlis-Butterbirne erhalten werden.

Kulturprogramm auf Schloss Ribbeck – für LeibnizschülerInnen und von Leibnizschülerinnen

Rund um Hessens Birnbaum haben die SchülerInnen der Leibnizschule verschiedenste kulturelle Aktivitäten entfaltet: Das begann mit Plakaten zum Club-of-Rome und zu Streuobstwiesen. Im Schloss spielte Raffaela Milner auf dem Bösendorfer Flügel Stücke von Beethoven, Mozart und Schubert, Hannah Mayer trug ihr Gedicht „Tausend Wege“ vor.

Höhepunkt war die Ankunft von Friedrich-Carl von Ribbeck, dessen Familie im Dorf seit 1374 ansässig ist. Unter seiner Regie begann der Wettstreit ums Birnensaftpressen zwischen den LeibnizschülerInnen und denen vom Nauener Goethe-Gymnasium. Dabei ging es nicht nur um die Anzahl der Flaschen, auch die kulinarische Güte des Birnensaftes wurde geprüft.

Birnensaftwettpressen unter der Regie des heutigen Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Die Jury hat die Gäste aus Hessen zum Sieger gekürt! Der Preis – Birnensaft, na klar! – ist von den SchülerInnen inzwischen gewinnbringend verkauft worden: Aus dem Erlös wollen sie die Abi-Party mitfinanzieren. Und sie haben für künftige Generationen vorgesorgt: Die vom Naturpark Hoher Vogelsberg für Ribbeck ausgewählte alte Sorte „Amanlis Butterbirne“ wächst jetzt auch auf dem Schulhof der Leibnizschule…

Schüler der Leibnizschule als Sieger des Birnensaftwettpressens auf Schloss Ribbeck

Verkauf des Birnensaftes zur Vorfinanzierung der Abiparty 2010

Schüler pflanzen mit Hilfe Herrn Kellnhofers den zweiten in Ribbeck angezogenen hessischen Birnbaum der hessischen Sorte Amanlis Butterbirne auf dem Schulgelände der Leibnizschule

Schüler pflanzen mit Hilfe Herrn Kellnhofers den zweiten in Ribbeck angezogenen hessischen Birnbaum der hessischen Sorte Amanlis Butterbirne auf dem Schulgelände der Leibnizschule

Und zum Abschluss: Noch ein paar Reiseimpressionen von der Fahrt nach Ribbeck und in die weitere Umgebung…:

Die relative Nähe Ribbecks zu Berlin veranlasste uns dazu, auch der Hauptstadt einen Besuch abzustatten, die ja in den Romanen Fontanes auch eine gewichtige Rolle spielt und auch sonst sehr geschichtsträchtig ist – nicht zuletzt fast auf den Tag genau 20 Jahre vor unserem Besuch

Den Berlinaufenthalt nutzen wir auch für einen Besuch im Reichtstagsgebäude – inklusive Gesprächs mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin der Offenbacher Abgeordneten Uta Zapf und einer Führung im Plenarsaal

Der abendlich-nächtliche Rückweg aus Berlin zu unserem Domzil in Friesack war geprägt von Unwägbarkeiten und einer abenteuerlichen Nachtwanderung… 🙂

In Friesack gab es nicht viel zu unternehmen, so dass man die Abende gemütlich bei geselligem Spiel ausklingen ließ. Das Oberstufenausbildungszentrum belebten wir mit unserer für die dort wohnenden Schüler ungewohnt multikulturellen Gruppe und brachten ein wenig globales Flair in dieses stille Dorf…

Erneut auf Fontanes Spuren wandelten wir, als wir seiner Geburtsstadt Neuruppin eine Stippvisite abstatteten

Einen würdigen Abschluss unserer Reise bildete die Besichtigung des vom „Alten Fritz“ (Friedrich II. (dem Großen)) erbauten Schlosses Sanssouci samt zugehörigem Park

Die aus LeibnizschülerInnen und -lehrerInnen bestehende hessische Birnbaum-Delegation vor dem Schloss Sanssouci

Alles in allem haben wir – dank Frau Dr. Buche – eine Reise erlebt, deren Höhepunkt, die Birnbaumpflanzung auf Schloss Ribbeck (mit allem „drum und dran“), ein wirklich einmaliges Ereignis war, das wir sicherlich nie vergessen werden…

 

 

 

(Text: maßgeblich Buc, außerdem Blu; Gedicht: Hannah Mayer
 / Bilder: Blu, K. Schneider-Grimm, Simon Knapp, Anne Loesche, Mike Smyk, Hannah Mayer)