Obwohl die ursprünglichen Initiatoren der Musical-AG und der Technik-AG inzwischen andere Aufgaben übernommen haben, lebt diese AGs fort – lebendig wie eh und je, dank Kolleginnen und Kollegen wie Frau Löw, Herrn Heller und Frau Seck, die dafür sorgen, dass alle zwei Jahre eine in ihrer darstellerischen, gesanglichen und technischen Inszenierung beeindruckendes Vorstellung in der Leibnizschule auf die Bretter, die die Welt bedeuten, gebracht wird.
Diesmal war es das nach dem Autor der zugrundeliegenden Geschichten Theodor Seuss Geisel alias „Dr. Seuss“ benannte Seussical, das vor allem auf dem 1954 erschienenen Kinderbuch „Horton hört ein Hu“ („Horton Hears a Who!“) basiert.
Da die Vorlage ein Kinderbuch ist, war es nicht verwunderlich, dass viele Besucher – darunter auch viele Mitglieder des Lehrkörpers – mit ihren Kindern die Vorstellung besuchten – und diese hingen gebannt an den Lippen der großartigen Singenden und Darstellenden, allen voran Noah Probre als Hauptfigur Horton, an dem es aus Sicht der Erwachsenen nicht das Geringste und auch aus Kindersicht lediglich der Umstand zu beanstanden war, dass er nicht als Elefant zu erkennen war. Dieser Horton zog schon im Moment seines Erscheinens mit seiner Bühnenpräsenz das Auditorium in seinen Bann und hielt das hohe und regelrecht professionell erscheinende Niveau, mit dem er die Bühne betrat, bis zum Ende der Vorstellung spielend durch.
Auch weitere Darstellungsleistungen, etwa die von Laura Steinmann als Jojo, von Hannah Summer Christ als The Cat with the Hat und von Luiza Fornauf als Gertrud waren äußerst beeindruckend, und auch der Rest des Ensembles trug mit großem Eifer und Können zum Gelingen der Vorstellung und des Abends bei.

Blick durch die Lupe auf die Hus – Man sollte schon des Öfteren mal genauer hinschauen, bevor man vorschnell Urteile über Andere fällt!
Um Toleranz ging es, darum, dass man jeden so sein lassen solle, wie er ist bzw. sein möchte, und sei es ein Elefant, der auf einem Baum in einem Nest sitzt und ein Ei ausbrütet.

Gertrud bestaunt den Elefanten auf einem Baum in einem Nest als Zirkusattraktion – es möge, wie es die Toleranz von uns fordert und wie es Friedrich II., genannt der Große, im Jahre 1740 formulierte, „ein jeder nach seiner Fasson selig werden“.
Um die Freiheit des Denkens und der Fantasie ging es – nicht zuletzt auch im Prozess gegen Horton, der behauptet, auf einem Staubkorn eine Minitaurwelt namens Hu entdeckt zu haben. Für Kundige schwebte der Gehalt dieses Prozesses zwischen der Verurteilung des Sokrates für die angebliche Verführung der Jugend allein dadurch, dass er sie zum Denken animiert, und dem Höhlengleichnis, in dem Platon seinen Lehrer Sokrates das Problem veranschaulichen lässt, dass jene, die starr an ihrem Weltbild kleben, abweichende Wahrheiten nur schwer zu vermitteln sind, sowie dem Prozess gegen Galileo, der widerrufen soll, was er doch als beweisbare Tatsache erkannt hat.

Horton am Pranger der Zweifler an Feinsinnigkeit und Fantasie – ein bisschen wie bei Sokrates, der der „Verführung der Jugend“ bezichtigt wurde, weil er sie zum Denken anregte – und damit auch zum Kritisieren von Misständen in der Gesellschaft… – und vielfach sicherlich auch im eigenen Elternhaus…
Darum auch ging es, dass man manchmal durch zu starke Fokussierung auf eine Sache – wie im Falle Hortons die Welt der Hus – durch einen Tunnelblick verpasst, was um einen herum geschieht – in Hortons Falle das Buhlen des Vogels Gertrud um seine Aufmerksamkeit und Liebe.

Der ach so feinsinnige Horton hat nur Ohren für die ALLERkleinsten, aber für die ihn liebende Gertrud nicht – auch er ist nicht perfekt…
Um Offenheit für neue Erkenntnisse ging es und um die Gefahr, die von Vorurteilen und dem ausgeht, was Kant die „selbstverschuldete Unmündigkeit“ nennt.
Und all das verpackt in eine fantasievolle Geschichte für Kinder. Und als solche geht sie am Ende selbstverständlich für alle gut aus und versöhnt das Publikum mit den Tücken der Realität an einem Abend, an dem man Weltflucht betreiben konnte durch das Eintauchen in die fantasievolle Welt des Dr. Seuss und des fantastischen Ensembles.

Ein Rundblick ins Publikum mit vielen Kindern: »Papa, ich habe zwar nicht jedes Wort verstanden, aber ich habe es sehr genossen. Ich fand es sehr schön!«
Wie oft in Musicals und anderen Formen des Singspiels – durchaus auch in professionellen – verstand man vielleicht nicht immer jedes Wort, aber doch erfreulich viel der Sprache und des Spiels – die Darstellenden der Hauptrollen sangen sämtlich außergewöhnlich akkurat sowohl in stimmlicher als auch sprachlicher Hinsicht, und unter vielem anderen dies, das Bühnenbild, die Ausstattung und die Bühnen- und Lichttechnik sorgten dafür, dass man zwei Stunden in der Hitze des Geschehens fast die des Klimas vergaß und in jedem Fall, dass es eigentlich keine Aufführung von Profis war.
Wir lüpfen also – Chapeau – unseren (gestreiften) Hut vor dieser großartigen Ensembleleistung samt zahlreichen grandiosen Einzelleistungen und den Coaching-Fähigkeiten von Herrn Heller, Frau Seck und Frau Löw und warten mit Spannung darauf, wie die AGs dieses Niveau in den nächsten Jahren noch toppen wollen.

Die Verantwortlichen hier dem Event und seinem Erfolg: Frau Seck & Frau Löw
(Text und Bilder samt red. Bearb.: Blu, 1 Bild Scoe)





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