Ganz Deutschland fieberte mit dem Wal Timmy – aber weniger aufsehenerregende Schicksale findet man leicht auch vor der eigenen Haustür – oder auf dem Schulhof.
So etwa eine Rabenkrähe bzw. Aaskrähe (Corvus corone), die sich – offensichtlich verletzt, am Rande des Schulhofes unter ein Gebüsch gekauert hatte und keine Anstalten machte fortzufliegen.
Am 20. März 2026 machten ein paar Schüler Herrn Blume auf das Tier aufmerksam, als er gerade Pausenaufsicht hatte. Eine Nachfrage im Kollegium ergab, dass das Tier schon mindestens seit dem Vortag dort gesessen hatte und man offensichtlich vergeblich gehofft hatte, es werde sich erholen und davonfliegen.
Nun sind Krähen durchaus wehrhafte Tiere, aber ein am Boden kauernder Vogel kann durchaus zum Opfer einer Katze werden. Zudem haben Parasiten wie etwa Zecken einen erleichterten Zugang zu ihrem Opfer. Und auch die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sind so nur eingeschränkt möglich, so dass zu befürchten war, dass der Vogel mehr und mehr geschwächt sein würde, je länger es dort kauerte. Es war also klar: dem Tier sollte geholfen werden.
Dankenswerterweise erklärte sich Herr Dr. Gerd Dettweiler vom NABU Kreis Offenbach auf telefonische Anfrage bereit, das Tier in der Leibnizschule abzuholen und zur Wildtierhilfe zu bringen, wenn es denn gefangen und in einem Karton mit Luftlöchern bis zu seiner Ankunft gehalten werden könne.
Also nIcht lange gefackelt: zum Glück für die Krähe lassen immer wieder Lernende Kleidung im Schulgebäude liegen und vergessen auch danach noch, sie wieder abzuholen. So fand sich schnell etwas, das man dem Tier über den Kopf werfen konnte, da sich Vögel dann – im Dunkeln – in der Regel beruhigen. Sie dann zu fangen, war an sich kein Problem mehr, nur das dichte Dornengestrüpp musste noch überwunden werden. Und da eine Lehrerin gerade an diesem Tag eine größere Lieferung von Lernmaterialien erhalten hatte, war auch schnell ein hinreichend großer Karton gefunden, in den man die Krähe setzen konnte.
So harrte sie aus – sorgsam bewacht von Frau Wolff – in der Mediathek, bis Herr Dr. Dettweiler das Tier abholte. Während dieser Frist bewegte sich die Krähe immer wieder mit an der Pappe scharrenden Federn im Karton, zeigte also deutliche Vitalitätszeichen, die Hoffnung machten, dass sie sich wieder „berappeln“ würde.
Noch am selben Abend erreichte Herrn Blume dann die folgende beruhigende Nachricht Herrn Dr. Dettweilers inklusive eines Fotos:
„Guten Abend, Herr Blume,
der Vogel ist nun gut versorgt. Bild in der Voliere anbei.
Wir vermuten, dass er eine Kollision mit einem Auto hatte. Hämatome im Brustbereich deuten darauf hin. Flügel und Beine sind ok, also nicht gebrochen. Tier ist gut genährt. [Der Vogel] macht Schonhaltung und will nicht fliegen, weil ihm vermutlich alles weh tut. Nach 3-4 Tagen sollte er aber fit genug sein für seine Auswilderung.“
Also alles gut ausgegangen.
Wir danken den Schülern für ihre aufmerksame Beobachtung, Frau Meyer-Tarhan fürs schnelle Bringen der benötigten Utensilien für den Vogelfang, Frau Wollf fürs Vogelhüten und vor allem natürlich Herrn Dr. Dettweiler für seinen Einsatz.
Und wir hoffen, der Krähe möge es noch lange gutgehen!
(Bilder: Blu & Dr. Gerd Dettweiler / Text sowie red. Bearb. von Text und Bild: Blu)


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