Seit dem „Leibniz-Jahr” 2016, in dem der 370. Geburstag und der 300. Todestag jenes als Universalgenie geltende Wissenschaftler, nach dem sich unsere Schule 1947 benannte, nicht zuletzt durch einen eigenen Leibniz-Tag gefeiert wurde, organisiert die Leibnizschule Offenbach gemeinsam mit der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt unter dem Projektnamen „Brückenschlagen“ einen Wissenschaftstag für die Oberstufe – nun also im Jahr 2025 bereits im 10. Jahr. Initiiert von Rainer Gläsel von der Uni Frankfurt, ist das Projekt, wie sein Untertitel verrät, bestrebt, „Wissenschaft in die Schulen“ zu bringen. Das steht einerseits im Dienste der Studien- und Berufsorientierung für die baldigen Schulabgänger, aber auch dazu, neue Impulse für den Unterricht zu setzen, indem aktuelle Forschungsergebnisse den Lernenden und Lehrenden in der Schule vermittelt werden.

Schulleiter Herr Neeb (l.) und FB-II-Leiterin Frau Juchelka (2. v. r.) begrüßen die Referenten des Eröffnungsvortrags, die Professoren Steinhilber (2. v. l.) und Dingermann (r.).
Den Auftakt machte für alle Lernenden der Jahrgangsstufe Q1 in diesem Jahr der Einführungsvortrag von Prof. Dr. Theo Dingermann aus dem Institut für Pharmazeutische Biologie und Prof. Dr. Dieter Steinhilber vom Institut für Pharmazeutische Chemie: Amy Winehouse – Wenn Alkohol zum tödlichen Problem wird. Anhand der Biographie und des tragischen Endes der berühmten Sängerin und Songwriterin wurden die Tücke der Droge Alkohol, ihr vielfach unterschätztes Suchtpotenzial und ihre verheerende Wirkung auf den Körper, nicht zuletzt auf das Gehirn, anschaulich gemacht – auf medizinischer, chemischer und neurologischer Ebene.

Nachdem sein Kollege Prof. Dr. Steinhilber das tragische Schicksal der Sängerin Amy Winehouse referiert hatte, überraschte Prof. Dr. Dingermann die Lernenden mit aktuellen Zahlen über den Alkoholkonsum in Deutschland, wie man hier auf der Präsentationsfolie lesen kann.
Im Anschluss an diesen Vortrag goutierte jede und jeder der Lernenden noch einen zweiten, den man sich aus einer thematisch vielfältigen Liste auswählen konnte:
Wer von der theoretischen Auseinandersetzung mit Drogen noch nicht genug hatte, ließ sich von Dr. Mario Wurglics, der wie Professor Dingermann am Institiut für Pharmazeutische Biologie forscht und lehrt, informieren über Cannabis – Wunderpflanze oder Heilmittel?
- Dr. Wurglics informierte nicht bloß über Cannabis, sondern verglich es zur besseren Einschätzung mit anderen Substanzen, etwa hinsichtlich Abhängigkeit, medizinischer und sozialer Schäden,…
- …womit er die Zuhörenden fesselte und kontinuierlich zu aktiver Beteiligung motivierte.
Krimi-Fans kamen bei Prof. Dr. Richard Zehner vom Institut für Rechtsmedizin auf ihre Kosten, der über einen der wichtigsten Arbeitsbereiche moderner Kriminalbiologie – Forensische DNA-Analyse – informierte und exemplarisch aufzeigte, wo die Chancen, aber auch die Fallstricke dieser Methode der Täterermittlung liegen.
- Prof. Dr. Zehner überraschte sein Publikum mit Einblicken in die forensische Praxis, die zu der Erkenntnis führten, dass die Zuordnung von DNA-Spuren gar nicht immer so leicht ist, wie es die Krimiserien glauben machen,…
- …und führt das anhand praktischer Beispiele fort, wobei er die Lernenden so mitnahm, als wären sie aktiver Teil der Ermittlungen.
Klimabewusste Lernende unserer „Club of Rome“-Schule gewannen bei Prof. Dr. Andreas Engel vom Institut für Atmosphäre und Umwelt tiefere Einblicke aus der Klimaforschung in die Herausforderung Klimawandel – Grundlagen, Folgen, Maßnahmen. Man erhielt etwa einen Überblick über den Kohlenstoffkreislauf und Ursachen und Intensitäten seiner von Menschen verursachten Störungen, aber auch Ausblicke, welche Maßnahmen man gegen die Erderwärmung, die die Lebensgrundlage eines großen Teils der Lebewesen auf der Erde – inklusive des Menschen – bedroht, ergreifen kann bzw. könnte und sollte.
- Prof. Dr. Engel erläuterte und verglich die Quellen von Kohlenstoff ebenso wie mögliche Bindungsprozesse und verwies deutlich auf die katastrophale Differenz zwischen Ausstoß und Bindung, die zu einer klimaschädlichen Konzentrationserhöhung von CO2 in der Atmosphäre führt,…
- …wobei er anhand der Einschnitte in der Konzentrationssteigerungskurve im Umfeld konkreter einschneidender Ereignisse wie etwa der Lockdowns während der Corona-Pandemie deutlich zeigen konnte, dass der Klimawandel in seinem derzeitigen Tenpo eindeutig durch menschliche Aktivität bzw. Inaktiviät beeinflusst wird, was einerseits deutlich zeigt, dass der Klimawandel menschengemacht ist, aber auch, dass wir ihn theoretisch auch bremsen könnten.
Für physikalisch interessierte Lernende bot sich der Vortrag von Dr. Christian Müntz vom Institut für Kernphysik an, der sich bei dieser Gelegenheit selbst als ehemaliger Leibnizschüler „outete“ und damit ganz konkret eine mögliche spätere Berufschance verkörperte. Er stellte den aktuellen Stand der Spitzentechnologie in der kernphysikalischen Forschung vor. Dabei ging er ganz grundsätzlich von der Frage aus, was man eigentlich unter Physik verstehe, und propagierte gegenüber der typisch kapitalistischen verwertungsorientierten Frage „Wozu“ mehr die Frage „Warum“ als Grundlage von Forschung, die ein Grundinteresse des neugierigen Homo sapiens bedient und vor allem die sogenannte Grundlagenforschung motiviert.
Konkret thematisiert wurden dann Teilchenbeschleuniger, Maßstabsunterschiede und die Möglichkeiten sowie die Grenzen der Vergleichbarkeit zwischen der makroskopischen Welt des Universums und der mikroskopischen Welt bis hin zu den Theorien zum Aufbau der Atomkerne von Protonen, Neutronen und Elektronen bis hinab zu den Quarks. Konkret verglichen wurde das Aufeinandertreffen von Atomkernen mit der Kollision von Neutronensternen, die überraschende Ähnlichkeiten aufweisen.
Anhand seines eigenen Werdegangs thematisierte Dr. Müntz zudem Zukunftsaussichten für das Fach Physik und motivierende Beispiele, sich für ein Physikstudium zu entscheiden.
- Dr. Müntz ging von der auch bei unseren Schülern wie auch in der Gesamtgesellschaft verbreiteten Skepsis gegenüber der Frage aus, warum man sich mit Physik beschäftigen oder gar das Fach studieren solle, und zeigte als Pro-Argumente anschauliche Praxis-Beispiele aus dem Alltag,…
- …aber auch solche aus dem fachlichen Bereich, bei denen sich Grundlagenforschung und technologische Entwicklung die Hand reichen, um sie gegenseitig zu beflügeln, was durchaus häufig auch gesellschaftsrelevant ist, indem so erst bahnbrechende Erfindungen und Ernwicklungen (etwa auf dem Gebiet der Informationstechnik,. oder der Energiegewinnung) möglich sind.
Alles in allem war es auch in diesem Jahr ein vielfältiges und anspruchsvolles Programm an Vorträgen, die uns geboten wurden, und mag hoffentlich der bzw. dem ein oder anderen unserer Lernenden neue Perspektiven auf die Frage eröffnet haben, welche Studienoptionen sich nach dem Abitur anbieten.
Wir danken allen Referenten für Ihr Engagement, und die Lernenden der EP können sich schon in gespannter Erwartung auf den nächsten Wissenschaftstag 2026 freuen!
(Bilder: Blu & Wlf / Text: Blu, unter Verwendung von zusätzlichen Informationen von Wof / red. Bearb. von Text und Bild: Blu)









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