„Liebe Kolleginnen und Kollegen, lange genug musstet ihr das kratzende Geräusch meiner Bleistifte ertragen ;-)“ – mit diesen Worten in seiner ans Kollegium gerichtete Einladung zu seiner anlässlich seiner Pensionierung veranstalteten schulinternen „Finissage“ leitete Alexander Dequis seinen Abschied von der Leibnizschule ein – und betrieb damit selbstverständlich Understatement, denn seine Kunst ist, selbst da, wo sie nur skizzenhaft bleibt – kein bloßes Bleistiftgekratze. Und hätte er in den Konferenzen seinen Brennofen, Materialien und hiunreichend Platz zur Verfügung, hätte er dem Kollegium sicherlich auch gerne auf andere Weise eingeheizt, so aber entstanden – ganz unaufdringlich und selbst die Umsitzenden sicherlich kaum hörbar – zahllose Zeichnungen, die beeinflusst sind von den Themen und Diskussionen in Konferenzen und anderen Lehrerpflichten außerhalb des Unterrichts.
Während der Projektwoche 2025 präsentierte der Künstler und Kunstlehrer ebenjene
„Gesammelte[n] Werke aus Konferenzen, Aufsichten, Freistunden…“
Über Jahre hinweg dokumentierte und kommentierte Dequis Sinn und Unsinn von Schulpolitik, Schulorganisation, Konferenzmarathons und Unterrichtskonzepten – mal zynisch, mal ironisch, immer selbstironisch, aber in jedem Falle kritisch – und betätigte sich so als artistischer Chronist des Lehreralltags. Die Essenz dieser Tätigkeit konnte man – neben anderen in seinen hier zugänglich gemachten Skizzenmappen versteckten Schätzen – in seiner finalen schulinternen Ausstellung bestaunen und bewundern.
Mit seinen Zeichnungen hielt Dequis dem Schulleben Repräsentationen seines eigenen Gesichts, verzerrt etwa in Momenten des Schreckens, der Verwunderung, des Ärgers, der Verzweiflung, des Fatalismus oder des Wahnsinns entgegen – und der Schuladministration zugleich den Spiegel vor. Der Abgleich der kolorierten Fratzen mit dem sie umgebenden Text führt einen auf die Spur jener Ungereimtheiten deutscher Schulpolitik und -praxis, die dem Küsntler aufgestoßen sind und ihn jeweils beschäftigten.
Viele Kolleginnen und Kollegen und zahlreiche Schülerinnen und Schüler – aus aktuellen und vergangenen Tagen – gaben sich in seiner Ausstellung ein Stelldichein und nutzten die Gelegenheit, das ein oder andere Original zu erwerben – für eine Spende an „Ärzte ohne Grenzen“. Immerhin 800 € kamen auf diesem Wege für die gemeinnützige Organisation zusammen – und es wäre viel mehr gewesen, hätte Dequis nicht großzügiogerweise die Höhe der Spende freigestellt, sondern kunstmarkttypische Preise verlangt. Aber da ist ihm die Nähe zu den Schülerinnen und Schülern (mit ihrem knappen Geldbeutel) lieber, da ihm die künstlerische Vermittlung und der Austausch mit den zahlreichen Talenten unter unseren Lernenden immer das Wichtigste war.
Bleiben wird uns nicht nur die Erinnerung an ihn, sondern auch durch ihn initiierte und inspirierte Kunst von Lernenden an zahlreichen Wänden der Schule, und dazu gehört auch der entlang der Kunstgeschichte führende Zeitstrahl, den er mit Lernenden gemeinsam über mehrere Jahre anfertigte und der in der diesjährigen ProWo – und das war ihm ein wichtiges Anliegen – fertiggestellt wurde.
Bleiben wird auch das künstlerische Schaffen all jener, die er in all den Jahren seiner Tätigkeit inspiriert und gefördert hat.
Und bleiben wird natürlich auch sein eigenes künstlerisches Schaffen, das in unterschiedlichsten Ausstellungen in Galerien und auch (etwa in Form eines in der von ihm bevorzugten Raku-Technik gebrannten Gefäßes im Keramik-Museum in Berlin) im Museum bewundert werden konnte und kann und das man über seinen Instagram-Account weiter verfolgen kann:
instagram.com/dq.kunst
Wir wünschen ihm für den Ruhestand alles Gute, Gesundheit und vor allem viel Muße und Inspiration zur Fortsetzung und Weiterentwicklung seiner Kunst und hoffen, noch viel und Vielfältiges davon zu sehen zu bekommen!
(Bild und Text inkl. red. Bearb.: Blu)






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