Die Entwicklung antidemokratischer Tendenzen sowie die Etablierung von autoritären Regimen und Formen autokratischer Herrschaft bei gleichzeitigem Anstieg politisch-religiös motiviertem und völkisch-nationalistischem Extremismus stellen Demokratien auf eine Bewährungsprobe. Schule ist der zentrale Ort für primärpräventive Bildungsarbeit. Zu den Zielen der Prävention gehören die Stärkung der Persönlichkeit sowie das Erlernen von Ambiguitätstoleranz.
Der 7. Oktober 2023 ist eine Zäsur in der Nachgeschichte der Shoah! Seit dem barbarischen Terrorangriff der Hamas befindet sich Israel im Krieg. Die Reaktionen auf diesen gewalttätigen Konflikt sind unterschiedlich, aber immer sehr emotional und ideologisch aufgeladen. Solidaritätsbekundungen für Israel oder für Palästinenserinnen und Palästinenser – gegenseitige Genozidvorwürfe: all das spaltet auch die deutsche Gesellschaft. Während die Hamas den Konflikt religionisiert und auf Social Media an die Solidarität der muslimischen User appelliert, finden im Hintergrund Verhandlungen zur Freilassung der Geiseln und Diskussionen über die Zeit danach statt. Ebendiese Komplexität und Dynamik des Nahost-Konflikts überfordert den Schulalltag vieler Lehrkräfte.
→ Wie können wir in der Migrationsgesellschaft über diesen Krieg, den Konflikt und das Leid aller Opfer sprechen, ohne einander zu verletzen?
→ Wie gehen wir im Kontext von Schule mit diesem Konflikt und den Emotionen um?
Diese Fragen zu beantworten und die Lernenden darin zu unterstützen, sich ebenfalls ihnen zu stellen, ist – insbesondere in der aktuellen Situation – auch für die Lehrkräfte nicht leicht. Ausgebildet sind sie für die Bewältigung derartiger Themen nicht.
Um daran zu arbeiten, fanden sich einige interessierte Lehrkräfte zusammen zu einem kollegialen Austausch zu diesem Thema unter der Leitung von Frau Dr. Kanbiçak vom Jüdischen Museum Frankfurt, die dort zuständig ist für das Projekt „»AntiAnti – Museum Goes School« – Extremismusprävention durch kulturelle Bildung“.




Nach einem kurzen historischen Abriss des Nahost-Konflikts sind wir gemeinsam den o.g. Fragen in einem intensiven Erfahrungsaustausch nachgegangen, haben mögliche Ursachen der Wahrnehmungsdifferenzen des Konflikts wie z.B. „Opferkonkurrenz“ kennengelernt und darauf basierend mögliche Standards für einen empathischen und respektvollen Umgang mit dem Nahost-Konflikt in der Schule formuliert. Aufgrund der multiperspektivistischen Komplexität des Konflikts und seiner social-medial unterfütterten Aufforderung, sich zu positionieren bzw. Feindbilder zu generieren, wurde uns die schwierige sowie diffuse Handhabbarkeit bewusst. „Die Kompetenz der Kompetenzlosigkeit“, so Fr. Dr. Kanbiçak, sei angesichts der Problematik eine legitime Haltung, die insbesondere Lehrkräften den Druck nimmt, auf jede Frage eine Antwort und für jedes Problem eine Lösung anbieten zu müssen. Viel wertvoller sei es, gemeinsam als Schulgemeinde mit Unterstützung externer Partner und in Kooperation eine antirassistische Haltung in der Schule zu empowern, für Inter- und Transkulturalität zu sensibilisieren, bestehenden Ethnozentrismus abzubauen bzw. zumindest den eigenen zu erkennen, interkulturelle Kompetenzen zu erwerben, das Demokratiebewusstsein zu stärken, um Schule als Ort der Sicherheit, Wertschätzung, Völkerverständigung und Toleranz noch stärker zu fördern.
(Bild und Text: Smd / red. Bearb. v. Bild & Text: Blu)

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