Tausend Wege

Ich frage mich, wie kann es sein, was alles nur passiert
Die Menschen denken nicht mehr nach
Und sehen nur sich selbst
Erkennen nicht, was denn noch zählt
Und wo es die Grenze liegt

Tausend Menschen streifen nun
An meinem Weg vorbei
Doch zu verstehen, so scheint mir,
scheint niemand, dass man träumt

Doch nie darf ich vergessen,
dass es nicht immer ist, wie’s scheint
Und dass oft kälteste Fassaden
Nur Versteck sind, alles täuscht
Dass sich Sicht auch manchmal trübt
Und manch ein Urteil unrecht fällt

Doch manch einer ist anders
Schenkt Achtung jedem Mensch
Und füllt ganz selbstlos viele Herzen
Mit Glück und Freud und Träumerei
Wie jener Mann einst, der verschenkte
Gerne Birnen, um zu zeigen
Dass er Herz hat, mehr als andre
Und so gerne Lachen hört

Schenke jedem Mensch ein Lächeln, eine kleine Herzenstat
Denn Liebe zu verschenken rettet manchem einen Tag

Hannah Mayer

 

Der hessische Birnbaum vor Schloss Ribbeck, von der Leibnizschule gepflanzt.

Am Tag der Deutschen Einheit wurde Hessens Theodor-Fontane-Birnbaum im Dorf Ribbeck im Havelland von Abiturienten und Lehrern der Leibnizschule Offenbach – einer Club-of-Rome-Schule – gepflanzt.

Damit hat das Bundesland seinen Beitrag zum Deutschen Birnbaumgarten vor Schloss Ribbeck in der Mark Brandenburg geleistet, wo das beliebteste Gedicht Deutschlands zu neuem Leben erweckt wird: „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, e i n  Birnbaum in seinem Garten stand…“ hieß es bei Fontane, jetzt steht hier nicht nur einer, sondern es wurden bereits neun Birnbäume gepflanzt.

Der erste Baum ist von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzek (SPD) im September 2008 gesetzt worden. Insgesamt werden sechzehn Bäume an das Gedicht erinnern, mit dem Fontane (1819-1898) das märkische Dorf, die Familie derer von Ribbeck zu Ribbeck und die Birnbäume des Havellandes weithin bekannt gemacht hat. Das Schloss der Familie befindet sich heute im Besitz des Landkreises Havelland und wurde nach seiner denkmalgerechten Sanierung 2009 als kulturtouristisches Zentrum wiedereröffnet.

Birnbaumpflanzung in Ribbeck durch SchülerInnen und LehrerInnen der Leibnizschule und Regierungsvertreter

Die neunte Birnbaumpflanzung vom Land Hessen begleiteten Dr. Schröder, Landrat vom Havelland, Herr Fleischmann, Bürgermeister von Nauen und Herr Bader, nach dessen Idee der Birnbaumgarten eingerichtet worden ist. Die Hessische Landesregierung in Berlin war durch Herrn Harald Schmitt vertreten.

In ihrer Rede betonte Frau Dr. Irina Buche, die Lehrerin der Leibnizschule, von der die Initiative zur Pflanzung am 3. Oktober ausgegangen ist, die Bedeutung des Baumes für die gute Nachbarschaft zwischen Ost und West. Sie machte auf das Programm der Europäischen Union vom November 2008 zur kostenlosen Verteilung von Obst an Schulen aufmerksam. Zusätzlich solle man in Deutschlands Schulhöfen, aber auch in Frankreich, England, Spanien usw. Birnbäume pflanzen, von denen sich Kinder im Herbst ihr Frühstück selber pflücken könnten. So dass es auf den Höfen nicht nur wispert „Wiste ´ne Beer, dann komm man röver…“, sondern auch „Queréis peras? Vous voulez des poires?“ „Come over, you´ll get some pears!“

Herr Schmitt bezog sich in seinem Vortrag ebenfalls auf das Schulobstprogramm der EU. Der Bundesrat habe den Weg dafür frei gemacht und bald würde man an Hessens Schulen kostenlos Obst verteilen. Ein Teil des im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie angelaufenen Projektes „Agrobiodiversität – Artenvielfalt“ sind Streuobstwiesen, auf denen regionaltypische alte Sorten wie Amanlis-Butterbirne erhalten werden.

Kulturprogramm auf Schloss Ribbeck – für LeibnizschülerInnen und von Leibnizschülerinnen

Rund um Hessens Birnbaum haben die SchülerInnen der Leibnizschule verschiedenste kulturelle Aktivitäten entfaltet: Das begann mit Plakaten zum Club-of-Rome und zu Streuobstwiesen. Im Schloss spielte Raffaela Milner auf dem Bösendorfer Flügel Stücke von Beethoven, Mozart und Schubert, Hannah Mayer trug ihr Gedicht „Tausend Wege“ vor.

Höhepunkt war die Ankunft von Friedrich-Carl von Ribbeck, dessen Familie im Dorf seit 1374 ansässig ist. Unter seiner Regie begann der Wettstreit ums Birnensaftpressen zwischen den LeibnizschülerInnen und denen vom Nauener Goethe-Gymnasium. Dabei ging es nicht nur um die Anzahl der Flaschen, auch die kulinarische Güte des Birnensaftes wurde geprüft.

Birnensaftwettpressen unter der Regie des heutigen Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Die Jury hat die Gäste aus Hessen zum Sieger gekürt! Der Preis – Birnensaft, na klar! – ist von den SchülerInnen inzwischen gewinnbringend verkauft worden: Aus dem Erlös wollen sie die Abi-Party mitfinanzieren. Und sie haben für künftige Generationen vorgesorgt: Die vom Naturpark Hoher Vogelsberg für Ribbeck ausgewählte alte Sorte „Amanlis Butterbirne“ wächst jetzt auch auf dem Schulhof der Leibnizschule…

Schüler der Leibnizschule als Sieger des Birnensaftwettpressens auf Schloss Ribbeck

Verkauf des Birnensaftes zur Vorfinanzierung der Abiparty 2010

Schüler pflanzen mit Hilfe Herrn Kellnhofers den zweiten in Ribbeck angezogenen hessischen Birnbaum der hessischen Sorte Amanlis Butterbirne auf dem Schulgelände der Leibnizschule

Schüler pflanzen mit Hilfe Herrn Kellnhofers den zweiten in Ribbeck angezogenen hessischen Birnbaum der hessischen Sorte Amanlis Butterbirne auf dem Schulgelände der Leibnizschule

Und zum Abschluss: Noch ein paar Reiseimpressionen von der Fahrt nach Ribbeck und in die weitere Umgebung…:

Die relative Nähe Ribbecks zu Berlin veranlasste uns dazu, auch der Hauptstadt einen Besuch abzustatten, die ja in den Romanen Fontanes auch eine gewichtige Rolle spielt und auch sonst sehr geschichtsträchtig ist – nicht zuletzt fast auf den Tag genau 20 Jahre vor unserem Besuch

Den Berlinaufenthalt nutzen wir auch für einen Besuch im Reichtstagsgebäude – inklusive Gesprächs mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin der Offenbacher Abgeordneten Uta Zapf und einer Führung im Plenarsaal

Der abendlich-nächtliche Rückweg aus Berlin zu unserem Domzil in Friesack war geprägt von Unwägbarkeiten und einer abenteuerlichen Nachtwanderung… 🙂

In Friesack gab es nicht viel zu unternehmen, so dass man die Abende gemütlich bei geselligem Spiel ausklingen ließ. Das Oberstufenausbildungszentrum belebten wir mit unserer für die dort wohnenden Schüler ungewohnt multikulturellen Gruppe und brachten ein wenig globales Flair in dieses stille Dorf…

Erneut auf Fontanes Spuren wandelten wir, als wir seiner Geburtsstadt Neuruppin eine Stippvisite abstatteten

Einen würdigen Abschluss unserer Reise bildete die Besichtigung des vom „Alten Fritz“ (Friedrich II. (dem Großen)) erbauten Schlosses Sanssouci samt zugehörigem Park

Die aus LeibnizschülerInnen und -lehrerInnen bestehende hessische Birnbaum-Delegation vor dem Schloss Sanssouci

Alles in allem haben wir – dank Frau Dr. Buche – eine Reise erlebt, deren Höhepunkt, die Birnbaumpflanzung auf Schloss Ribbeck (mit allem „drum und dran“), ein wirklich einmaliges Ereignis war, das wir sicherlich nie vergessen werden…

 

 

 

(Text: maßgeblich Buc, außerdem Blu; Gedicht: Hannah Mayer
 / Bilder: Blu, K. Schneider-Grimm, Simon Knapp, Anne Loesche, Mike Smyk, Hannah Mayer)