Unser Schulteich ist seit vielen Jahren eine Oase für viele Pflanzen und Tiere, die es zu erhalten gilt. Nachdem allerdings der seinerzeit unter Herrn Schablitzkis Leitung angelegte Folienteich in den letzten Jahren stets leck gewesen war und ihn zu flicken nicht hatte gelingen wollen, wurde 2008 der Entschluss gefasst ihn neu anzulegen – und zwar diesmal als Beckenteich.

Verantwortlich dafür wurde – mit der Übernahme des WPU-Biologie-Kurses, der traditionell für die Pflege des Teiches zuständig war – Herr Blume samt den Schülern des besagten WPU- (bzw. inzwischen nur noch WU-) Kurses.

Zunächst waren die wild wuchernden Pflanzen zurückzuschneiden und der alte Folienteich zu entfernen, was sie als sehr aufwendig erwies, da die Folie eine sehr große Fläche abdeckte und teilweise gar mehrschichtig war. Trotz aller Schwierigkeiten mussten diese ersten Arbeitsschritte beendet werden, bevor der Frühling und damit die Laichperiode der den Teich bewohnenden Amphibien einsetzte.

Die Frösche und Molche, Libellen- und Wasserkäferlarven, Schnecken und Egel, die bei dieser Arbeit gefangen wurden, wurden zwischenzeitlich in den kleinen Teich im C-Teil umgesiedelt, aus dem sie nach der Neuanlage des Teiches wieder herausgefangen werden sollten…

Das erste Teichbecken, das im wesentlichen von den Eltern finanziert wurde, wurde von freiwilligen Kollegen vom LKW zum Teichgelände transportiert – es war sperrig und schwer, aber alle waren glücklich, als es endlich vor Ort angekommen war…

Die Teichgrube per Hand auszuheben, hätte zu lange gedauert; man war unter Zeitdruck, denn die Grasfrösche standen vor dem Ablaichen, und kaum stand das Teichbecken auf dem Gelände, fanden sich schon die ersten Erdkrötenpaare ein, die in Bodenlücken unter dem Becken Schutz vor der Austrockung durch die wärmer werdene Sonne suchten. Also ließen wir die Grube ausbaggern, um den Teich so schnell wie möglich „einzubetten“. Eingegraben werden musste er allerdings dann doch per Hand, wofür vier Schüler freiwillig die ersten Tage ihrer Osterferien opferten. Christian K. (damals Jahrgangsstufe 12) sowie die Achtklässler Bogdan L. und vor allem Julius F. und Felix W. wurden für diesen besonderen Eifer am Ende des Schuljahres auch mit einer Ehrung bedacht (wir berichteten).

Da zwar das Volumen des ersten Beckens mit 1400 l schon sehr beachtlich war, die Teichfläche aber weit hinter der des ursprünglichen Folienteiches zurückblieb, wurde gegen Ende des Schuljahres noch ein zweites, kleineres Becken auf dem Gelände eingegraben. Auch dabei halfen die Schüler des WU-Kurses mit.

An der Neuanlage des Teiches waren der WPU-Bio-Kurs sowie freiwillige Schüler und LehrerkollegInnen beteiligt

In der Projektwoche 2009 wurden die Arbeiten von Fünft- bis Achtklässlern im Rahmen eines Teichgestaltungs-Projektes weitergeführt, das drei Schüler aus der Klasse 6e initiiert hatten: Kevin und Lukas Weberstaedt sowie Benedikt Niedenthal.

Man begann, den kleinen Teich einzugraben, erneut Unkraut zurechtzustutzen, vor allem aber ging es bei dem Projekt darum, für eine übbige Flora zu sorgen. So wurden Teichpflanzen angeschafft sowie von Lehrern, Eltern und Nachbarn gespendet, um das Gelände, das mit dem Entfernen des Folienteiches und dem Ausheben der Teichgruben etwas kahl geworden war, wieder neu zu begrünen. Außerdem wurde mit Teichfolie eine Übergangszone zwischen den beiden Becken angelegt, die nach und nach verlanden und so zu einem Sumpfareal werden soll, das die Becken verbindet.

Des weiteren wurde Gras angepflanzt und ein kleiner Steinhügel errichtet, der mit etwas Glück Eidechsen anlocken soll – bislang dient er nur den Molchen als Rückzugsgebiet, wie schon beobachtet werden konnte…

Beachtlich bei diesem Projekt war, dass die Teilnehmer über einen ungebremsten Arbeitseifer verfügten, der sich auch davon nicht trüben ließ, dass es fast unablässig regnete. Die Schüler und vor allem die Schülerinnen wateten unerschrocken durch den Matsch und gruben teilweise mit bloßen Händen im Schlamm, um Pflanzen einzusetzen oder den Teich einzufassen… Das Engagement der Kursteilnehmer war wirklich beispielhaft-  und wurde belohnt, denn am Ende der Sommerferien empfing sie eine sattgrün in voller Blüte stehende Teichlandschaft!

Für die weitere Gestaltung des Teichgeländes war ein von ein paar Sechstklässlern initiiertes ProWo-Projekt verantwortlich

Die ersten neuen Bewohner unseres Teiches fanden sich bereits ein, als die Teichwanne noch auf dem Trockenen stand: Zwei Erdkrötenpaare harrten der Wiederherstellung ihres Laichgewässers. Wir setzten sie in den erst halbvollen Teich, um sie vor dem Austrocknen zu bewahren, und kaum fanden sie sich im Wasser wieder, sponnen sie auch schon die ersten Laichschnüre um die provisorisch eingesetzten Pflanzen.

Diesem ersten Krötenpaar folgte noch etwa zwei Dutzend weitere Erdkröten nach – die wir gesehen haben. Die Dunkelziffer liegt vermutlich deutlich höher…

Zu den Kröten gesellten sich alsbald die 111(!) Grasfrösche, die wir in einem Ausweichteich als Zwischenunterkunft untergebracht hatten und sämtlich(!) wiederfangen und rückübersiedeln konnten. Dazu kamen noch mindestens 15 weitere Frösche, die noch während der Befüllung des Beckens auf dem Teichgelände auftauchten. Auch sie laichten bald ab, und so sorgten unsere Froschlurche für reichlich Nachwuchs, und bald wimmelte der Teich von Hunderten wenn nicht gar Tausenden Frosch- und Krötenkaulquappen, die sich prächtig entwickelten.

Wenige Wochen später hüpften winzige Erdkröten und hier und da ein paar Miniaturgrasfrösche auf dem Gelände umher… Wenn sie nächstes Jahr an diesen ihren Geburtsteich zurückkehren, werden sie neue Froschlurchgenerationen gründen…

Die Erdkröten und Grasfrösche nahmen den Teich unmittelbar nach seiner „Einbettung“ gut an und vermehrten sich prächtig…

Neben den Fröschen und Kröten bewohnen als weitere Vertreter der Wirbeltiere auch ein paar Schwanzlurche unseren Teich: Bereits bei der Demontage des Folienteiches hatten wir ein halbes Dutzend Bergmolche gefunden und im Ausweichteich „zwischengeparkt“, zu ihnen gesellte sich nach der Neuanlage des Teiches mindestens ein weiteres Dutzend, dazu wurde zumindest ein Teich- oder Fadenmolche gesichtet.

Herr Lührs hat einmal mit geübtem Blick den Teich „gescannt“ und unsere Bergmolchpopulation auf über 40 geschätzt!

Auch die Molche haben inzwischen für Nachwuchs gesorgt, ihre Larven wachsen derzeit in beiden Teichbecken heran…

Bergmolche und Teich- oder Fadenmolche bewohnen unseren Teich und haben ebenfalls schon für Nachwuchs gesorgt

Als langjährige Gäste an unserem Teich hat sich auch nach der Neugestaltung regelmäßig ein Stockentenpaar eingefunden, das vermutlich auch die üppig wuchernde sogenannte „Entengrütze“ eingeschleppt hat, die Kleine Wasserlinse…

Auch die Enten haben den Teich nach der Neugestaltung gut angenommen.

Regelmäßige Gäste unseres Teiches waren und sind Stockenten, die hier paarweise auftreten und sich schnell an das veränderte Areal gewöhnt zu haben scheinen

Neben der Kleinen Wasserlinse haben wir und haben sich an unserem Teich natürlich auch noch weitere Pflanzen angesiedelt. Am auffälligsten sind bislang die Gelbe Schwertlilie, der Wassersalat (auch Muschelpflanze genannt), der Zungenhahnenfuß und das Herzblättrige Hechtkraut; wir werden das Spektrum aber noch nach und nach erweitern…

Iris, Wassersalat, Hahnenfuß und Hechtkraut sind nur wenige Beispiele unserer bunten Teichbeflanzung…

Die vielfältigste Tiergruppe, die unseren Teich belebt, ist die der Arthropoden, der Gliederfüßer, zu der Kleinkrebse wie Wasserflöhe und Hüpferlinge ebenso zählen wie Spinnen und vor allem Insekten.

Die ersten Vertreter, die sich an diesem Gewässer einstellten, waren die Wasserläufer, denen es bei uns so gut gefiel, dass sie auch gleich für Nachwuchs sorgten. Teichläufer, ihre nahen Verwandten, kamen nur unwesentlich später nach.

Als dritte Art der typische Teichwanzen gesellten sich wenig später auch die Rückenschwimmer zu ihren „Vettern“.

Die Gelbe Schwertlilie oder Sumpf-Schwertlilie, Iris pseudacorus, lockte die Iris-Blattwespe an, deren raupenähnliche Larven bald darauf in großer Zahl die langen schwertförmigen Blätter anfraßen.

Ebenfalls an der Iris siedelten sich Blattläuse an, deren gefährlichster Fressfeind, die Marienkäferlarve, aber auch nicht lange auf sich warten ließ…

Regelmäßig zum Trinken kommen die Hornissen, die irgendwo auf dem Schulgelände „wohnen“, und oft kann man am Teichrand auch verschiedene kleinere Wespenarten beim Trinken oder Jagen beobachten.

Neben den Insekten zieht unser Teich auch Spinnen an, vor allem aber ist er eine Wohnstatt für Wasserflöhe und ähnliche Krebstiere geworden, die sich rasend vermehrt haben und sich bei warmen Wetter in riesigen Schwärmen knapp unter der Wasseroberfläche in der Sonne tummeln…

Eine Vielzahl von Arthropoden (Gliederfüßern) bevölkert unseren Teich: Krebse, Spinnen und vor allem zahlreiche Insekten…

Als auffälligste und schillerndste Vertreter der Insekten, der artenreichsten Gruppe der Arthropoden haben sich bereits zahlreiche Libellenarten an unserem Teich eingefunden, darunter Frühe Adonislibellen, Azurjungfern, Binsenjungfern, Vierfleck und Prachtlibelle. Sie haben, kaum angekommen, für Nachwuchs gesorgt, und ihre Larven bereichern die Artenvielfalt unseres Teiches somit auch unter Wasser. Die ersten Libellen sind gar an unserem Teich bereits aus ihrer letzten Larvenhaut geschlüpft und haben sich in die Lüfte erhoben.

Die artenreichen Libellen an unserem Teich sind eine besondere Augenweide – man muss bloß einen Blick dafür haben, denn oft sind diese filigranen Insekten gar nicht so leicht zu entdecken

Der Teich mit seiner bunten Flora und Fauna bietet den oftmals naturfern aufgewachsenen Stadtkindern eine Lebensfülle, die neu für sie ist und neugierig macht. Auch die Lebewesen, die dieses Areal bewohnen, erhalten durch die Erhaltung des Schulteiches ein sicheres Refugium, während ihre natürlichen Lebensräume immer weiter schwinden…

Und nicht zuletzt lässt sich der Schulteich natürlich auch für den Biologieunterricht nutzen, und sei es, um etwa die Entwicklung von Wasserschneckenembryonen im Ei zu verfolgen…

Schüler betrachten fasziniert Wasserschneckenembryonen in ihren Eiern in verschiedenen Entwicklungsstadien…

Es freut uns, dass es gelungen ist, dieses gut etablierte Ökosystem durch und zugleich trotz Umgestaltung zu bewahren. Der Schulteich ist eine Oase, die quasi mitten im sonst von Beton dominierten Gebäudekomplex des Neubaus liegt und zu diesem mit ihrem frischen Grün einen starken Kontrast bildet und Abwechslung bietet und so hoffentlich auch für die SchülerInnen belebend wirkt.

Noch sind nicht alle Arbeiten abgeschlossen, die Begrünung soll noch fortschreiten und Informationstafeln sollen darüber aufklären, was sich über und unter der Wasseroberfläche abspielt. Dank solch engagierter SchülerInnen, wie sie sich unter den WU-Kurs- und den Teichprojekt-Teilnehmern fanden, können wir mit Zuversicht versprechen: Wir werden dafür sorgen, dass dieses Areal als „Hot Spot“ der Biodiversität auf unserem Schulgelände auch weiterhin erhalten bleiben wird..

 

 

 

(Blu im August 2009)