Schulinterner Erzählwettbewerb

Das ganz große Ding…

Eigentlich stand am Anfang nur die Idee, der Schulschließung/ Corona-Auszeit/ Homeschooling-Phase etwas Kreatives, Klassenübergreifendes, Fantasievolles und Positives entgegenzusetzen… aber dann wurde es doch ein größeres Ding als gedacht.

Zweiundzwanzig Klassen (von 5 bis 9) beteiligten sich an dem schulinternen Erzählwettbewerb, die zweiundzwanzig besten Geschichten wurden von den Deutschlehrkräften ermittelt und von kleinen Juryteams gelesen und bewertet. Und zweiundzwanzigmal konnten wir lesen, wie viel Fantasie und Kreativität vielleicht gerade in solch einer Zeit freigesetzt werden kann. Es wurden viele Maschinen erfunden, Desinfektionsroboter, Plastik-aus-dem-Meer-Fischer, eine Maschine, die „huggt“, also Umarmungen spendet, wo eigentlich keine möglich sind. Und vor allem Zeitmaschinen. Gar nicht dumm, mit solch einer Maschine in die Zukunft zu reisen und mit dem Impfstoff wieder zu kommen. In anderen Geschichten geht es um Musik, Rituale, Legosteine, das Verwandeln eines ganzen Hauses… die Jurys waren begeistert über die Vielfalt und die fantasievolle Ausgestaltung der Vorgaben.

Berühmt wird die Veröffentlichung auf unserer Homepage die AutorInnen wohl nicht machen, aber immerhin konnten wir dank der großzügigen Unterstützung der Elternschaft die ersten drei Plätze mit einem Buchgutschein belohnen und wir hoffen natürlich, dass viele Leserinnen und Leser den Weg in diese Schmökerecke finden. Sollte mal wieder Langeweile einkehren, dann findet man hier eine Seite mit zahlreichen wundervollen Geschichten zum Lachen und zum Nachdenken. Viel Spaß beim Lesen und Vorlesen der Geschichten.

(Sim)

UNGLAUBLICH, ABER WAHR

Von Lea Daboosh (5b)

 

Dieses Mal sollte es das große Ding werden. Die Idee dazu kam mir während der Corona-Auszeit.

Es war Mitte März 2020, da brach auf der ganzen Welt das neuartige Corona-Virus aus. Um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, wurden Schulen, Restaurants, Läden und Friseursalons geschlossen. Man musste zu jeder Person 1,5 m Abstand halten, durfte niemanden besuchen und in Gebäuden und beim Einkaufen war es Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Ich selber verbrachte die Zeit ausschließlich zu Hause in Offenbach mit meiner Familie. Zu dieser gehören meine Eltern, mein 20-jähriger Bruder und meine einjährigen Zwillingsgeschwister, ein Junge und ein Mädchen, sowie meine Kaninchen und Hunde. Ich selber bin 11 Jahre alt. Heute war einer dieser mittlerweile schon gewöhnlichen „Zuhause-Tage“. Jeden Tag dasselbe: Frühstücken, Homeschooling, Mittagessen, Lernen und Zeitvertreiben.

Da mir heute besonders langweilig war, räumte ich mein Zimmer blitzeblank auf. Beim Aufräumen entdeckte ich meine alte ,,Orts –Wunsch–Maschine“, die ich vor langer Zeit konstruiert hatte. Diese sollte den Wünschenden innerhalb von ein paar Sekunden an den Ort seiner Wahl bringen. Leider scheiterte bisher jeder Versuch. Mein größter Erfolg war, dass ich unvermittelt im Badezimmer landete, obwohl ich in Amerika hätte sein wollen. Ich schraubte eine ganze Weile hochkonzentriert an der Maschine herum, denn dieses Mal sollte es klappen. Während ich Drähte fixierte, träumte ich von meinem Fantasieort, an dem ich viel lieber wäre als in Offenbach, wo sich kaum jemand in der Öffentlichkeit aufhielt. Nach langer Zeit gab ich enttäuscht auf, weil nichts passierte. Ich saß immer noch in meinem Zimmer. ,,Mist!“, fluchte ich. Frustriert stellte ich fest, dass es wieder nicht geklappt hatte. Also beschloss ich, raus zu gehen, um frische Luft zu schnappen und vielleicht etwas zu finden oder zu sehen, das mich von meiner Enttäuschung ablenkte. Ich drückte die Türklinke meines Zimmers runter. Völlig überwältigt blieb ich wie angewurzelt im Türrahmen stehen. Das was ich sah, war nicht der Flur. Ich kniff mir in den Arm, um sicher zu gehen, dass ich nicht träumte. Doch das tat ich nicht, ich war hellwach. Mein Herz schlug vor Freude Purzelbäume.

Vor mir lag ein glasklares türkisfarbenes Meer. ,,Wow“, rief ich entzückt. Sofort zog ich meine Schuhe aus und lief über den weichen Sand. Pop-Musik und Meeresrauschen drangen in meine Ohren. Am Strand lagen wunderschöne Muscheln. Ich lief weiter und blickte mich neugierig um. Auf meiner rechten Seite war ein pompöser Hafen, in dem traumhafte Boote aller Art lagen. Mitten im Meer standen tolle Hütten aus Holz auf langen Pfählen, in denen man wohnen, aber auch Urlaub machen konnte. Sie hatten Badewannen mit direktem Zugang zum Meer. Hinter mir standen ebenfalls schicke Hütten mit Ausblick auf die Küste. Links standen riesige Traumhäuser. Es gab eine Vielzahl von Ananas-Sträuchern und Palmen. Es duftete nach Hyazinthen, die unter jeder Palme einen Kreis bildeten. Das Meer hatte eine angenehme, nicht zu kalte und nicht zu warme Temperatur. Ich schwamm entspannt im salzigem Wasser, bis auf einmal eine Schar Delfine neben mir her schwamm. Mir wurde ganz warm ums Herz. Wir spielten und beobachteten farbenfrohe Fische, kleine, große, dicke und dünne. Als ich aus dem Wasser kam, hörte ich plötzlich lautes Bellen. Von allen Seiten kamen Hunde angerannt und wollten, dass ich mit ihnen spielte. Das tat ich voller Begeisterung. Ich streichelte ihr warmes Fell. Es schien mir noch weicher als die Babyhaut meiner kleinen Zwillingsgeschwister. Es gab viele hölzerne Stege, die vom Strand bis ins Meer führten. Überall waren viele nette Menschen aus aller Welt. Es gab zwar nicht allzu viele Restaurants, aber dafür wurde das Essen in diesen mit viel Liebe zubereitet. Die Auswahl der Speisen war sehr groß. Der Geruch des leckeren Essens kroch mir in die Nase. Besonders schön war, dass ein paar Restaurants Sitzmöglichkeiten unterhalb des Meeresspiegels anboten. Beim Essen konnte man dadurch Fische und andere Meeresbewohner beobachten. Natürlich wurde man nicht nass. Auch die Cocktails waren sehr schön dekoriert. An jeder Ecke gab es außerdem eine Eisdiele mit selbstgemachtem Eis und frischen Eiswaffeln. Zu hören waren Kinderstimmen, fröhliches Gelächter und Stimmengewirr. Dieser Ort war schön, schöner als alles, was ich je gesehen hatte, nein, er war der schönste Ort des Universums. ,,Das wird mir niemand glauben“, schoss es mir durch den Kopf.

Als ich abends noch ein bisschen an den Traumhäusern entlang schlenderte, sah ich ein Haus, das als Eingang meine Zimmertür hatte. Neugierig drückte ich die Türklinke runter und stand plötzlich Mitten in meinem Zimmer. Ich schloss meine Augen und öffnete sie wieder, um sicher zu stellen, dass ich mir das nicht einbildete. Nachdem ich mich gesammelt hatte, lief ich eilig zu meinen Eltern in die Küche und erzählte ihnen alles, was geschehen war. Mein großer Bruder hatte zugehört und lachte spöttisch: „Dad, ich glaube, du musst mit ihr zum Arzt fahren.“ In mir brodelte es vor Wut. Ich wollte etwas erwidern, aber als ein kleines Stimmchen in mir sagte: „Beweis es ihnen! Nimm sie mit und zeig, was du gesehen und gemacht hast“, ließ ich es bleiben. Ich stand entschlossen auf, nahm meine Schwester auf den Arm und setzte mich an meinen Schreibtisch vor die Maschine. Erwartungsvoll dachte ich an den Ort von eben. Meine Familie, die mir neugierig gefolgt war, schaute mir skeptisch zu. Ich öffnete die Tür und der traumhafte Ort lag tatsächlich wieder vor mir. Ich zeigte meiner Familie alles. Wir schwammen, lachten, aßen und waren glücklich wie nie zuvor. Kurz vor Sonnenuntergang liefen wir zu dem Haus mit meiner Zimmertür und waren einen Augenblick später wieder zu Hause. Am nächsten Morgen kamen Freunde vorbei. Natürlich mit Abstand. Ich wiederholte auch mit ihnen das Gleiche, was ich gestern zwei Mal getan hatte. Wieder in Offenbach angekommen, sprach der Besuch das Erlebnis völlig begeistert herum. Und nach einigen Tagen war meine Erfindung in aller Munde. Vor der Tür standen sogar Reporter. Es machte mich sehr stolz, diese einzigartige Maschine konstruiert zu haben. Ich wollte schon immer etwas Besonderes können, denn jemand, der außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt, ist bewundernswert. Und ich besaß die Tauglichkeit, Orts-Wunsch-Maschinen zu bauen. Daher gründeten meine Familie und ich eine Firma, die diese herstellte. Mit meinen Erfindungen verdienten wir Unmengen an Geld, auch alle Mitarbeiter wurden gerecht bezahlt. Viel wichtiger für mich aber war, dass ich Menschen mit dem Kauf meiner Maschinen glücklich machen konnte.

Selbst mein Bruder war sehr stolz auf mich, ich glaube sogar, ein bisschen neidisch. Er ärgerte mich auch nicht mehr so oft. Es war unglaublich und hat mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht.

 

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DAS GANZ GROSSE DING

Von Fabian Leger (5d)

 

Dieses Mal sollte es das ganz große Ding werden. Die Idee dazu kam mir während der Corona-Auszeit: Ich wollte etwas ganz Tolles mit meinen Lego-Steinen bauen. Und Christian, mein bester Freund, sollte mir dabei helfen. Als Erstes räumte ich mein Zimmer auf, damit ich viel Platz hatte. Tatsächlich schob ich vieles einfach unter mein Bett. Dann schellte es.

„Christian ist da!“, dachte ich. Es konnte losgehen. Ich besaß ganz viel Lego von Harry Potter. Mit meinem Freund baute ich alles auf: Die große Halle im Schloss Hogwarts, Hagrids Hütte, die peitschende Weide, Ron Weasleys Auto und das Grab von Voldemort. Irgendwie fanden wir Hagrids Hund Fluffy nicht. „Egal“, dachte ich, „es geht auch mal ohne ihn.“ Wir hatten ganz schön lange gebraucht. Doch das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Leider musste Christian dann doch nach Hause gehen. Zufrieden und müde fiel ich in mein Bett.

Plötzlich hörte ich ein Geräusch. Was war das? Da! Nochmal! Ängstlich öffnete ich erst das eine, dann das andere Auge und sah mich in meinem Zimmer um. Erleichtert stellte ich fest, dass alles so war, wie es sein sollte. Ich drehte mich um und versuchte wieder einzuschlafen. Dann hörte ich wieder ein Geräusch. In meinem Lego-Haus blinkte ein Licht auf und es war Getuschel zu hören. Erschrocken dachte ich: „Das kann nicht sein!“ Mit weichen Knien nahm ich meinen Zauberstab vom Nachttisch und ging auf das Licht zu. Plötzlich begann alles um mich herum zu kribbeln. Zögernd und neugierig ging ich weiter. Umso näher ich dem Licht kam, desto kleiner wurde ich. Als ich am Schloss angekommen war, stellte ich erschrocken fest, dass ich so groß war wie ein Lego-Männchen. Völlig unerwartet kamen aus dem Schloss die Lego-Figuren Hermine, Harry und Ron gelaufen. Ganz aufgeregt fragten sie mich: „Hast du Hagrids Hund Fluffy gesehen? Er hat schreckliche Angst vor Gewitter und heute Abend ist ein Unwetter vorhergesagt. Wir müssen ihn finden!“

„Fluffy? Den habe ich schon lange nicht mehr gesehen“, antwortete ich verblüfft. „Ich kann beim Suchen helfen!“, bot ich an. Und schon ging es los. Ich schnappte mir den nächsten Besen und machte mich auf den Weg, um Fluffy zu finden. „Cool! Fliegen fühlt sich noch viel besser an, als ich es mir vorgestellt habe“, dachte ich. Als Erstes flog ich unter mein Bett. Leider war er da nicht. Als ich wieder unter meinem Bett hervorkam, sagte ich leise kichernd zu mir: „Ganz schön staubig da unten!“ Wo konnte ich als nächstes suchen? Auf dem Kleiderschrank? Oben auf meinem Schrank stieg ich vom Besen und ging vorsichtig zu Fuß weiter. Doch kein Fluffy in Sicht. Langsam wurde die Zeit knapp. Leise flüsterte ich: „Wo kannst du nur sein?“ Von meinem Kleiderschrank aus hatte ich einen guten Überblick über mein Zimmer. Ich sah den ersten Blitz zucken. Plötzlich hörte ich einen Donner. Es wurde immer dunkler. So langsam bekam ich Angst. Laut rief ich: „Fluffy?“ Keine Antwort. Der Nachttisch. Dort hatte ich noch nicht gesucht.

„Ist das dunkel. Ich kann kaum die Hand vor meinen Augen sehen“, dachte ich verzweifelt. „Lumos!“, rief ich. Da saß er! „Ich habe ihn gefunden!“, schrie ich. Der Donner wurde immer lauter. Jetzt schnell zurück nach Hogwarts. Mit dem zitternden Hund im Arm kam ich, kurz bevor das Gewitter losging, am Schloss an. Schnell brachte ich ihn zu Hagrid. Der war so glücklich, dass er kein Wort hervorbrachte. In Hogwarts gaben sie mir einen Orden, weil ich Fluffy zurückgebracht hatte. Ich bekam den Schnellsten-Finder-der-Welt-Orden. Grinsend blieb ich noch ein bisschen zum Essen dort. Dann war es leider Zeit, zurück in mein Bett zu gehen. Wieder begann alles zu kribbeln. Bei jedem Schritt wurde ich wieder ein bisschen größer. Als ich endlich in meinem weichen Bett lag, ging ich nochmal alles durch, was ich erlebt hatte.

Ich hatte mir so sehr gewünscht, zaubern und fliegen zu können. Jetzt konnte ich es. Ich war so stolz, weil ich einen Orden für den schnellsten Finder der Welt bekommen hatte. Alle meine Lego-Männchen kannten mich nun. Über Hagrids überglückliches Gesicht merkte ich gar nicht, dass ich zufrieden eingeschlafen war. Ob ich das nächste Mal Christian mitnehmen kann? Es war unglaublich und hat mich quasi über Nacht zu einer Berühmtheit gemacht.

Diese Geschichte wurde von der Jury auf den 3. Platz der Jgst. 5 gewählt.

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DAS CORONA-COMMANDO

Von Annalisa Cunto (5h)

 

Dieses Mal sollte es das große Ding werden. Die Idee dazu kam mir während der Corona-Auszeit, wobei dieser Begriff eigentlich nicht mehr existiert und kein Mensch ihn heute kennt. Es gab aber eine Corona-Auszeit, glaubt mir…Mein Name ist A.C. (mehr darf ich nicht verraten), für euch bin ich Alpha und bis zum 10. Mai 2020 war ich ein ganz normales 11-jähriges Mädchen. Seit mittlerweile fünf Monaten wütete auf der ganzen Welt eine große Pandemie. Das Coronavirus hielt die Menschheit in Atem und mit über vier Millionen Infizierten und 300.000 Todesfällen wusste niemand mehr eine Lösung. Die Wirtschaft war weltweit eingebrochen und Chaos herrschte überall. Es war also die Corona-Auszeit. Ich war auch an jenem 10. Mai zu Hause, hatte gerade die Abendnachrichten über Corona mitverfolgt, als es bei uns an der Tür klingelte…

21. April 2020 „Alpha! Kommst du bitte, das Frühstück ist fertig!“, rief meine Mutter. „Jaaa, Mama, ich komme gleich“, gab ich zurück. Mit meinem Smartphone in der Hand ging ich zu Tisch, wollte aber unbedingt mein Level in meinem Lieblingsspiel noch beenden. „Kein Handy am Tisch, Alpha!“, rief mein kleiner Bruder. Ich konnte meinen Blick vom Handy aber nicht lösen. Ich war gerade dabei, das Raumschiff sicher zu landen, als meine Mutter mir das Telefon aus der Hand riss. „Du weißt doch, dass unsere Nachbarin später zu uns kommt, sie will unsere Meerschweinchen sehen“, sagte meine Mutter, „Spielen kannst du auch später!“

(Es waren etwa 3 Wochen, seit ich das Spiel angefangen hatte. Es hieß „Starship Rescue Team“, ein Online-Simulationsspiel, das ich als Demo bei einem anderen Spiel gesehen hatte, am ersten April – das Datum konnte ich mir gut merken. Ich hatte es sofort installiert und gespielt! Ich war nach ein paar Tagen echt gut darin geworden und war eine gefragte Spiel-Gefährtin. Am liebsten aber spielte ich mit D.Y., mein bester Team-Mate. Er war echt gut! Vielleicht sogar ein Tick besser als ich! Wir wussten unsere echten Namen nicht, das war aber nicht so wichtig. Im Chat tauschten wir uns über die Lage aus. Ich hatte die Idee, wir könnten mit unserem Rescue Team etwas gegen Corona unternehmen, irgendwohin reisen, helfen, wir spielten, dass wir unser Spiel dazu nutzten, um die Welt von Corona zu befreien und wurden ein immer besseres Team!)

Schnell lief ich auch zur Tür, da war die Nachbarin auch schon. Sie war vor Kurzem ins Haus eingezogen. Ihr Sohn war dabei. Als ich ihn nach seinem Namen fragte, antwortete er: „Mein Name ist D.“… Er kam rein und als er bei mir im Zimmer war, da erzählte er mir, dass er seit drei Wochen ein tolles Spiel spiele und als er mir seinen Avatar zeigte, da sah ich es: Er war mein D.Y.! Ich konnte es nicht fassen, dass mein bester Team-Kamerad mir gegenüberstand. Seine Mutter stamme aus China, und sie sei alleinerziehend, erzählte er weiter. Ab diesem Tag, dem 21. April, spielten wir mit noch mehr Freude, er bei sich, ich bei mir zu Hause. Wir waren so gut, dass wir kaum noch Gegner hatten in dem Spiel. Seine Oma war im Februar aufgrund einer Corona-lnfektion verstorben, das machte ihn traurig. Sie hatte in Wuhan gelebt.

10. Mai 2020 Der 10. Mai 2020 war ein schöner Muttertag gewesen, ich hatte ein schönes Wochenende verbracht und es war nichts Besonderes passiert, bis gegen 20:00 Uhr mein Vater aufgestanden war und an der Tür stand, wo es geklingelt hatte…

Die Schwarze Limousine mit verdunkelten Fenstern fuhr schnell in Richtung Flughafen. Ich saß hinten, zwischen meiner Mutter und meinem Team-Gefährten D.Y. Ich zitterte und konnte es immer noch nicht glauben, was sich gerade ereignet hatte. Die zwei elegant gekleideten Männer sahen aus wie aus einem Spionage-Film, kräftig aber höflich und nett. „Wohnt hier eine gewisse A.C.?“, fragten sie meinen Vater. Eine Etage tiefer die gleiche Frage: „Wohnt hier ein gewisser D.Y.?“ Die zwei von unten fragten, ob wir alle zusammensitzen könnten, um etwas Wichtiges zu besprechen, es würde nicht lange dauern, das Flugzeug wäre schon startbereit.

So erfuhr ich, dass „Starship Rescue Team“ von der Regierung entwickelt worden war. Das Spiel sollte herausfinden, wer gewisse Fähigkeiten besitze, um etwas Besonderes zu tun! D.Y. und ich waren das beste Team gewesen. Die Vereinten Nationen und die Weltgesundheitsorganisation hätten ein Projekt entwickelt, erzählten sie uns weiter, man würde die Corona-Uhr zurückdrehen und die Pandemie vor der Verbreitung eindämmen, das Mithilfe einer Zeitmaschine!!! „Was?!?“, sagten wir alle zusammen. Es sei ein Geheimprojekt, man habe keine andere Möglichkeit. „Die Tests haben ergeben, dass Kinder diesen Zeitsprung am besten verkraften, bei Erwachsenen gab es einige Probleme“, erzählte derjenige, der anscheinend das Sagen hatte. „Zwei Erwachsene werden dennoch mit dabei sein“, sagte ein anderer von ihnen. „Der Präsident der WHO und ein Agent zum Schutz der Reisenden in China.“ Ich sollte der Pilot sein, D.Y. mein erster Offizier. D.Y.’s Mutter willigte ein. „Mein Alpha darf nur mit, wenn ich dabei bin!“, rief meine Mutter. Wer jetzt denkt: „Was? Hat sie nicht gehört? Für Erwachsene kann es gefährlich sein!“, der kennt meine Mutter nicht…

Vom Flughafen flogen wir etwa eine Stunde zu einem verlassenen Feld mit einer Lagerhalle. Der Präsident der WHO war dort. Die Regierungsvertreter mussten sich kurz zusammenschließen, ob sie meine Mutter mitreisen lassen dürften. Schließlich stimmten sie zu, es galt, keine Zeit zu verlieren – im wahrsten Sinne des Wortes. Die sogenannte „Zeitmaschine“ war eine große Kapsel mit vier Liegeplätzen, ziemlich eng und mit vielen Knöpfen, die genauso aussahen, wie die im Simulationsspiel. Wir erfuhren, dass am morgigen 11. Mai die Präsidentenwahl der WHO stattfinden sollte. Sollte der aktuelle Präsident nicht wiedergewählt werden, war es nicht sicher, ob sein Nachfolger zu so einer Expedition bereit wäre! Als die Lücken geschlossen wurden, hielt mich meine Mutter so fest, dass ich Schmerzen in der Hand bekam. D.Y. und ich machten das, was wir wochenlang im Spiel gemacht hatten. Es fing alles an zu vibrieren, die Kapsel wurde erst komplett dunkel, nach ein paar Sekunden aber sah ich ein Licht, so stark, dass ich Angst hatte zu erblinden. Die Landung war mein Teil, auch wenn es keine echte Landung war. Ich musste Knöpfe und Hebel so tätigen, wie im Spiel, dass die Maschine im richtigen Moment stoppte. Als auf dem Display das Ziel angezeigt wurde, stoppte ich die Motoren.

20. Dezember 2019. Wie es geplant war, befanden wir uns im deutschen Konsulat in Wuhan. Wir waren im Keller und zeigten die Dokumente, die wir vor dem Start bekommen hatten. Jemand vom Konsulat führte uns ins Zentrum von Wuhan. Wir versuchten wie Touristen auszusehen und nicht sonderlich aufzufallen. Der WHO-Präsident war auf einmal ziemlich angespannt, als wir ihn fragten, sagte er; „Wir sind da! Das ist das Labor, in dem der erste Corona-Fall aufgenommen wurde!“. Der Präsident gab an, in Thailand für eine Konferenz gewesen zu sein und dort von einem besonderen Fall gehört zu haben, von einem Infizierten mit einer bisher unbekannten Krankheit. Er fragte, ob er sich den Fall und die Unterlagen anschauen dürfe. Der Konsul hatte schon die nötigen Papiere mit den Behörden in Wuhan besorgt, sodass sich die WHO vor Ort umschauen durfte. Der Präsident war mit Mundschutz und allen Schutzmaßnahmen ausgerüstet. Er brauchte eigentlich nichts zu lesen und nichts zu sehen, aus unserer Zukunft wusste er schon, was los war! Er bedankte sich bei Ärzten und Politikern und wir nahmen ein Taxi zur WHO-Vertretung in Wuhan. Wir fuhren mit, alle waren erstaunt, was für eine komische Schar der Präsident mit sich führe.

In der Zentrale angekommen, tat der WHO-Präsident sofort alles Nötige. Er wies an, die WHO-Notpläne zu starten, die Stadt Wuhan sofort, bis auf Klärung der Infektion, zu isolieren. Die Pandemie-Maschine startete: Flüge von und nach China sollten bis auf Ende der Notlage nicht stattfinden. Menschen, die aus China in anderen Ländern in den letzten zwei Wochen eingereist waren, sollten untersucht und wenn nötig in Quarantäne gestellt werden. Alles ging so schnell, die Mitarbeiter der WHO rannten wie von Bienen gestochen, von einem Zimmer zum anderen. Etwa vier Stunden, nachdem der Präsident der WHO in der China-„Filiale“ angekommen war, lief die Maschinerie auf vollen Touren. Seine Erfahrung und das Wissen, das er aus der Zukunft mitgebracht hatte, machten seine Aufgabe einfacher. Wir fuhren zurück zum Deutschen Konsulat in Wuhan und wollten dort in den Keller. Aufgrund der Maßnahmen, die der Präsident angeordnet hatte, ließen die Wachen dort D.Y. nicht rein. Weil er asiatische Züge hatte, keinen Pass besaß und keine Chinesen in die Botschaft durften. Meine Mutter ließ sich auf den Boden fallen und zwinkerte mir versteckt zu. Sie sagte, ihr würde es schlecht gehen und sie brauchte einen Arzt. Durch den Tumult, der darauf folgte, konnte D.Y. unbemerkt über die Seitenmauer klettern. Kurze Zeit später gelangten wir in den Keller. Dort wartete auf uns der Konsul. Er war glücklich darüber, uns zu sehen, in seinem Leben hatte er genug Filme mit Zeitreisen gesehen, um zu wissen: Je länger wir dort blieben, desto höher war die Gefahr, wir würden die Zukunft zu sehr beeinflussen. Als wir in der Kapsel waren, hatte ich etwas Angst, ich fragte mich, wie die zwei Erwachsenen bei einer zweiten Zeitreise reagieren würden. D.Y. und ich starteten, als geübte „Starshipper“, die Rückreise. Als das Rütteln begann, hatte ich nur die Zeit, durch das Bullauge der Kapsel zu sehen und zu beobachten, wie die Wachen, die am Tor gewesen waren, im Keller nach D.Y. suchten. Dann kam wieder das grelle Licht und ich musste nur die Instrumente beobachten und im richtigen „Zeit“-Punkt die Reise stoppen. Als es wieder hell wurde, richteten sich unsere acht Augen auf die Anzeige.

10. Mai 2020 Es stand dort: 10. Mai 2020. In der Lagerhalle wurden wir herzlichst empfangen. Mit uns wurden diverse Gesundheitstests gemacht. Außer einer gewissen Übelkeit und bei meiner Mutter Kopfschmerzen schienen die Erwachsenen die Sache gut überstanden zu haben. Die Agenten, die uns zu Hause abgeholt hatten, fuhren uns wieder dorthin. Der Präsident wurde zum Flughafen gefahren und von dort aus flog er zu der WHO-Zentrale. Mein Vater und mein Bruder waren sehr froh uns zu sehen. Die offizielle Version war, wir kämen aus einem Wochenend-Ausflug zurück. Im Internet und im Fernsehen gab es kein Wort über eine Pandemie. Mein Vater fragte mich, ob ich für den morgigen Montag in der Schule alles im Ranzen habe. Ich sagte „Ja.“

Gegen 23:00 Uhr rief mich D.Y. an. Er hatte gerade mit seiner Großmutter telefoniert, noch nie klang er so glücklich! In der Lagerhalle hatten wir Formulare unterschreiben müssen, wir hatten uns verpflichtet, nichts über diese Mission zu erzählen, doch diese Unterlagen sind seltsamerweise verschwunden! In der Schule erfuhr ich, dass die Maßnahmen vom WHO-Präsidenten bis Ende Februar gedauert hatten. In Wuhan war die Lage schnell unter Kontrolle und die anderen Länder hatten, dank der Einschränkungen, keinen Ausbruch der Krankheit erlebt. Mein Vater machte schon Pläne für die Fahrt zu meiner Oma in den Sommerferien. Google hatte auf der Startseite am 11. Mai 2020 ein Foto vom wiedergewählten Präsidenten der WHO. D.Y. und ich haben etwas gebaut, wir reisen „überwann“ hin. Das wird keiner glauben, aber es war einfach unglaublich und hat mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht.

Diese Geschichte wurde von der Jury auf den 1. Platz der Jgst. 5 gewählt.
Als Hörgeschichte (gelesen von der Autorin):

 

Photo by Andreas Haslinger on Unsplash

DER MAGISCHE MIX

Von Leo Walz (5a)

 

Dieses Mal sollte es das ganz große Ding werden. Die Idee dazu kam mir während der Corona-Auszeit. Es war ein Tag wie jeder andere. Ich hatte alle meine Schulaufgaben gemacht und lag entspannt auf dem Sofa. Doch langsam bekam ich Langeweile. Außerdem starrte ich schon seit einiger Zeit auf das Plakat am Laden gegenüber, auf dem sich ein gutgebauter Typ im Muskelshirt einen sehr lecker aussehenden Cocktail reinzog. Ich hatte einen Höllendurst und mit einem Mal eine Superidee: Ich fragte meinen Bruder, ob wir einen Wettbewerb machen würden, wer das beste Getränk machen kann.

Mein Bruder fuhr voll auf meinen Vorschlag ab und fing gleich an, allen möglichen Krams aus dem Kühlschrank zu ziehen. Er kippte, ohne groß nachzudenken, die außergewöhnlichsten Zutaten in einen großen Mixbecher, so dass er am Ende selbst nicht wusste, was er denn in seinen Drink hineingekippt hatte, geschweige denn, wie viel. Außerdem richtete er in der Küche ein undurchschaubares Chaos an, so dass ich jede Menge Mühe hatte, die Bestandteile für meinen Cocktail zu finden. Ich machte einen vergleichsweise simplen Mix aus Grapefruit, Holundersirup und Zitronensaft – ein ganz leckeres Gebräu, wie wir feststellten, allerdings ahnten wir nicht, wie es unseren Alltag noch derart auf den Kopf stellen würde. Ich wurde zum klaren Sieger erklärt, denn das kanalwasserfarbene Zeugs meines Bruders war schlichtweg ungenießbar.

Nachdem jeder von uns zwei große Gläser von meinem Mix weggeschlürft hatte und immer noch eine große Kanne übrig war, fragten wir uns, wen wir noch damit beglücken könnten. Schließlich fiel uns unsere kranke Nachbarin ein. Sie lag seit einigen Tagen mit Verdacht auf Corona isoliert und allein in ihrem Bett. Sie hatte gerade ihr Zimmerfenster zum Lüften geöffnet und wir stellten ihr ein Glas meiner Kreation auf die Fensterbank.

Am nächsten Tag schenkte ich mir zum Frühstück den letzten Rest meines Getränks ein, als es klingelte. Vor lauter Schreck schmiss ich den Becher um. Es klingelte! Dieses Geräusch hatte ich schon seit Wochen, ja sogar Monaten nicht mehr gehört! Mein Bruder sprang sofort hoch, sprintete zur Tür und riss sie auf. Davor stand unsere Nachbarin: „Ich weiß nicht, was ihr mir da für ein Zeug gegeben habt, aber ich bin wieder gesund!“ Ich sah kurz zu meinem Bruder und stammelte: „Wenn das an dem Cocktail gelegen hat…“- „ …dann könnten wir damit alle kranken Menschen heilen und werden richtig berühmt!“, fiel mir mein Bruder ins Wort.

Sofort fingen wir an, alle Zutaten zusammenzutragen und genau wie beim letzten Mal abzumischen. Als wir fertig waren, überlegten wir, wer unser nächstes Versuchskaninchen sein könnte. Mein Bruder hatte eine Idee: „Hier um die Ecke wohnt doch dieser eine YouTuber, ich glaube, der ist krank – das hat er doch gepostet.“ „Dann nichts wie hin!“, rief ich und rannte im nächsten Moment aus der Wohnungstür, dicht gefolgt von meinem Bruder mit dem Krug in der Hand. Wir hetzten die Treppe hinunter, dann raus auf die Straße, um zwei Blocks herum und schon standen wir vor der Tür. Gespannt drückte ich den Klingelknopf. Nichts tat sich – ich drückte nochmal, wieder ohne Erfolg. Schließlich, als wir schon aufgeben wollten, wurde die Tür geöffnet. Und auf einmal stand er vor uns – die YouTube-Legende Billy Bengel! Nur sah er etwas blasser und erschöpfter aus als normal. „Also wir…ähm… haben da so ein Getränk gemixt…“, stotterte ich. „Und das hat unsere Nachbarin gesund gemacht… und ja… das wollten wir an dir ausprobieren…“. Mein Bruder reichte ihm den Krug. „Na, dann mach ich halt mal zwei Kindern eine Freude…“, meinte Billy wenig überzeugt. Er schenkte sich ein Glas ein und trank es in einem Zug. „Na, immerhin schmeckt’s ganz lecker… So, jetzt lasst mir mal meine Ruhe, mir geht’s echt dreckig.“

Am nächsten Tag standen wir erwartungsvoll wieder vor seiner Tür. Als er öffnete, sahen wir sofort, dass das Getränk offensichtlich seine Wirkung verfehlt hatte – er sah noch viel blasser aus als gestern. Ganz enttäuscht trotteten wir nach Hause. Betrübt ließ ich mich aufs Sofa fallen. „Ich verstehe es nicht, wir haben doch alles so gemacht wie beim letzten Mal…“. „Ähm…tja….“, begann auf einmal mein Bruder, herumzudrucksen. „Nicht ganz…“. „Häh, was meinst du damit?“, hakte ich nach. „Also, beim ersten Mal, als du den Drink gemixt hast, da warst du kurz auf Toilette, und ja, da ist mir mein Kaugummi aus dem Mund direkt in den Mixer gefallen – und tja, dann war es weg…“. Ein bisschen eklig war es ja schon, aber ich war jetzt wieder Feuer und Flamme. „Daran lag es“`!“, rief ich. „Das Problem ist nur, das war mein letzter Kick’s cooler Kaugummi und die sind fast immer ausverkauft“, entgegnete mein Bruder.

Wir machten uns trotzdem sofort zum Laden auf. Dort angekommen gingen wir zum Kaugummi-Regal und wie befürchtet war das Fach mit Kick’s coolen Kaugummis ratzekahlleer. Der Ladenbesitzer sah unsere enttäuschten Mienen und meinte: „Da ist gerade ein Mann aus der Tür, der hat gleich die letzten fünf Packungen mitgenommen.“ Wir stürmten Hals über Kopf aus dem Laden und sahen gerade noch einen Mann ins Auto steigen. Zum Glück hatten wir die Fahrräder dabei und radelten dem Auto hinterher, ein grünes Auto übrigens. Es sah nicht gut aus für uns. Der Abstand wurde erwartungsgemäß immer größer und wir drohten den Wagen aus den Augen zu verlieren. Ich trat nochmal verzweifelt mit letzter Kraft in die Pedale – und da – an einer roten Ampel konnten wir das grüne Auto schließlich einholen. Wir hämmerten gegen die Scheibe, die darauf langsam herunterfuhr und ein alter Mann sah uns an. „Sie haben da doch diese Kaugummis gekauft…“, fing ich an. „Wir bräuchten die unbedingt, weil…äh, weil… .“ Mein Bruder stand mir zur Seite: „Es geht um Leben und Tod, äh, sozusagen.“ Der alte Mann lächelte und sagte gutherzig: „Na, ich hab ja gerade fünf Packungen gekauft, da kann ich ja leichten Herzens noch ein Leben retten“ und drückte jedem eine Packung in die Hand. Wir bedankten uns überschwänglich und sausten nach Hause.

Die Zutaten standen noch unaufgeräumt in der Küche (auf meine Mutter war auch gar kein Verlass mehr), deswegen ging es diesmal schneller. „Und jetzt der Kaugummi…“, meinte ich zu meinem Bruder. „Frisch oder gekaut?“ „Gekaut, wir wollen ja hundertprozentig sichergehen… und außerdem hat meine Spucke bestimmt magische Heilkräfte“, antwortete er.

So standen wir bald zum dritten Mal vor Billys Tür. „Hey, ihr seid ja wirklich total scharf drauf, euch einen Virus reinzuziehen. Kommt, zieht Leine, das bringt doch eh nix, und ich will euch wirklich nicht anstecken.“ Offensichtlich ging es ihm heute noch ein wenig schlechter. Mein Bruder versuchte ihn zu überzeugen: „Du musst uns noch eine Chance geben, diesmal muss es klappen, wir haben jetzt die magische Formel gefunden!“ „Euch Kindern kann man wirklich keinen Wunsch abschlagen, aber das ist das letzte Mal, dass ich das Versuchskaninchen für euch spiele“, grummelte Billy. Er trank skeptisch ein Glas. „Schmeckt aber eigentlich genauso wie beim letzten Mal“, meinte er dann. „Ist da nicht eine leicht bittere Note zu erkennen?“, fragte ich.

Am nächsten Tag machten wir uns wieder auf den mittlerweile vertrauten Weg zu der mittlerweile vertrauten Tür und drückten auf den vertrauten Klingelknopf. Diesmal wurde die Tür prompt aufgerissen und ein ziemlich veränderter Billy stand uns gegenüber – er war gesund! „Hey, da seid ihr ja!“, rief er begeistert. „Euer mysteriöses Gebräu hat tatsächlich gewirkt! Ihr müsst gleich mit mir ins Studio kommen und dann stellen wir euer Rezept auf YouTube.“ Also zogen wir es durch und filmten sorgfältig jeden einzelnen Schritt unseres Rezeptes – inklusive der Stelle mit Kaugummi, die Billy zugegebenermaßen ein wenig irritierte. In kürzester Zeit waren alle von Corona geheilt. Es war einfach unglaublich und hat mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht.

Diese Geschichte wurde von der Jury auf den 2. Platz der Jgst. 5 gewählt.

Photo by Mae Mu on Unsplash

DER KURZFILM

Hannah Schröder (5g)

 

Dieses Mal sollte es das ganz große Ding werden. Die Idee dazu kam mir während der Corona-Auszeit: Meine Freunde Anna, Lucas, Leonie und Tom wollten bei dem Dreh meines eigenen Kurzfilmes mitmachen. Doch unser Plan wurde durchkreuzt und wir erlebten viele Abenteuer. Aber wir fangen mal ganz von vorne an:

Wir waren beim Drehen des Kurzfilmes, als Tom plötzlich fragte: „Wo sind die Donuts, wir brauchen sie gleich?!“ „Ich gehe sie holen!“, antwortete ich und suchte in der Küche vergeblich nach den Donuts. „Die Donuts sind weg und Anna, die eine Naschkatze ist, ist mit ihnen verschwunden! Habt ihr sie gesehen?“ „NEIN!!!“, riefen alle. „Sie wollte sich nur ein Glas Wasser holen, aber seitdem habe ich sie nicht mehr gesehen.“, antwortete Lucas. Wurde sie vielleicht entführt? Wir schauten uns um. Wir entdeckten eine Spur aus weißer Donut-Glasur auf dem Boden. Wir folgten ihr. Die Spur endete in einem sehr hohen Gebüsch. Leonie wollte hineinkriechen, doch plötzlich rannte ein grimmig aussehender Hund auf uns zu, bellte und knurrte uns bedrohlich an. Da kam auch schon der Besitzer angerannt und keuchte: „Es tut mir leid, er hat sich von der Leine gerissen. Beifuß, Artos!“ „Schon Okay!“, antwortete Tom. Der Mann winkte ein letztes Mal höflich und verschwand, der Hund jedoch blieb vor uns stehen und sah uns durchdringend an. „ARTOS!!!!“, rief der Mann und der Hund drehte sich um wie der Blitz und rannte zu seinem Herrchen.

Plötzlich entdeckte Lucas eine Spinne und rief: „WOW! Das ist bestimmt die Spinne, die Spider Man gebissen hat!“ „Wer ’s glaubt.“, sagte Leonie genervt. „Hast du den Film überhaupt gesehen?“, fragte Lucas wütend. „NICHT STREITEN!!!! Anna ist immer noch verschwunden, schon vergessen?“, schrie ich dazwischen. „Nein, natürlich nicht.“, antworteten beide gleichzeitig kleinlaut.

Plötzlich rannte eine Person mit Maske an uns vorbei. „HALTET DEN DIEB!!! HALTET DEN DIEB!!!“, rief eine ältere Dame. Tom sprintete los und riss dem Dieb die Maske vom Kopf. Leonie erschrak: „ERIK!!!“ Es war Erik, der kleine Bruder von Leonie. Er hatte der Dame die Geldbörse gestohlen. Tom hielt ihn fest, bis alle anderen nachgekommen waren. „Gib das Portemonnaie der Dame zurück und entschuldige dich!“, forderte Leonie ihn auf. Erik schämte sich und sein Gesicht errötete. Es tat ihm wirklich leid, und er gab der Dame ihre Geldbörse zurück. „Warum hast du das getan?“, fragte Tom auf dem Rückweg. „Ich wollte mir ein Handy kaufen.“, erklärte Erik. „Aber warum hast du nicht gefragt?“, wollte Leonie wissen. „Die Großen aus der 9.Klasse haben gesagt, ich würde mich nicht trauen, etwas zu klauen“, antwortete Erik.

„Wir suchen gerade nach Anna, und du könntest uns dabei helfen“, forderte Leonie ihren Bruder auf. „Und wir gehen zurück zum Gebüsch! Ich krabbel‘ hinein, denn nur ich habe lange Ärmel gegen Kratzer.“ Als wir beim Gebüsch ankamen, hörten wir ein lautes Schnarchen. Leonie kroch tiefer dem Geräusch entgegen, als sie auf einmal anfing, laut zu lachen. „Schaut euch das an!“, rief uns Leonie zu. Wir krochen durch das gleiche Loch und wussten gleich, warum Leonie so gegrölt hat. Anna lag an einen Baum gelehnt und schlief, neben ihr die leeren Donutschachteln. Sie hatte einfach alle aufgegessen. Als wir sie aufweckten, wusste sie erstmal nicht, was los war. Wir erzählten ihr von unseren Abenteuern auf der Suche nach ihr, und wir lachten alle zusammen.

Da Anna die Donuts, die wir gebraucht hätten, gegessen hatte, mussten wir nun für unseren Kurzfilm improvisieren. Da kam mir eine Idee: „Wir könnten doch einfach das drehen, was wir heute erlebt haben. So viele Abenteuer, das wird ein Meisterwerk!“ Es war einfach unglaublich und hatte mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht.

 

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BLACK NIGHT

Von Lena Sophie Appel (6f)

 

Dieses Mal sollte es das ganz große Ding werden. Die Idee kam mir während der Corona-Auszeit. Ich hatte beschlossen, ein Buch zu schreiben. Es folgt ein Kapitel dieses Buches:

(Rom – 1522 vor Christus)

Ich muss dir etwas zeigen! – Ich starre auf diese Worte. Ich weiß, was er vorhat. Doch ich will es nicht. Ich kann es nicht. Dies ist nicht das Leben, welches ich wollte. Mir wurde eine Falle gestellt und ich weiß nicht, wie ich das, was jetzt vor mir liegt, schaffen soll. Ich kann es nicht. Ich kann nicht reiten! Doch schon in vier Wochen muss ich es können. Sonst werde ich mich blamieren, werde meinen Freund enttäuschen. Ich stehe auf und laufe über das Kopfsteinpflaster. Ich weiß genau, wo ich hin muss, weiß genau, wo er auf mich wartet. Ich laufe weiter, immer weiter. Höre, wie meine Schritte von der Straße widerhallen, spüre die Sonne, die auf mein Gesicht scheint. Ich kann gegen dieses Schicksal nichts mehr tun, ich muss nun hindurch.

Er wartet vor dem Stallgebäude auf mich. Ohne ein Wort, ohne ein Lächeln schiebt er die Tür auf. Er ist enttäuscht, das spüre ich. Ich muss bei den Reiterspielen starten, ohne jegliche Erfahrung. Das schaffe ich nicht, aber ich muss. Ich gehe durch die Stallgasse. Die Boxen mit ihren Bewohnern fliegen an mir vorbei, ich nehme sie kaum wahr. Wie ein unsichtbares Seil, zieht es mich in den hinteren Teil des Stalls.

Und dann sehe ich ihn. Er steht hinten in der letzten Box. Sehe seinen kraftvollen Körper, so schwarz wie flüssiges Pech. Seine Augen sind so dunkel wie die Nacht und so unendlich traurig. Sie ziehen mich in ihre dunklen Tiefen. So lange war niemand auf seinen Rücken gestiegen, doch mir scheint er auf eine unerklärliche Weise zu vertrauen.

Ich muss ein Pferd wählen. Mein Freund ist ohnehin schon enttäuscht, weil ich eigentlich gar nicht reiten lernen will. Doch ich muss. Von dem Moment an, als ich ihn das erste Mal sehe, wird mir klar, dass allein dieses Pferd mir helfen kann.

Als ich nun eine Stunde später dieses große, schwarze Pferd in den Wald führe, wächst meine Zuversicht. Ich kann es schaffen. Und dieses Pferd ist der einzige, der mir dabei helfen kann. Von einem Baumstumpf steige ich auf seinen Rücken. Er ist ganz ruhig, er vertraut mir. Er trägt weder Zaumzeug noch Sattel, doch das ist mir egal. Ich spüre seine kräftigen Muskeln unter mir und fühle seine Ungeduld. Er will galoppieren, das spüre ich.

Die Stimme meines Freundes, der mich unterrichten soll, dringt nun aus weiter Ferne an mein Ohr. Ich vertraue dem Pferd. Ich weiß plötzlich genau, was ich tun muss. Ich presse meine Schenkel an seinen Bauch und er versteht das Signal sofort. Aus dem Stand galoppiert er los. Ich merke, wie unsere Körper eins werden, verschmelzen. Es sind meine Hufe, die da auf den Boden donnern und meine Mähne, die durch den Wind weht. Schneller, immer schneller rennen wir durch den Wald. Und als wir schließlich über einen umgestürzten Baumstamm springen, schreie ich. Schreie vor Glück.

Sein Name ist Black Night.

Als das Buch fertig war, schickte ich es an einen Verlag. Der hat es tatsächlich veröffentlicht. Es war einfach unglaublich und hat mich quasi über Nacht zu einer Berühmtheit gemacht.

 

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WIE DIE ZEIT VERGEHT

Logan Engelmann (6b)

 

Dieses Mal sollte es das ganz große Ding werden. Die Idee dazu kam mir während der Corona-Auszeit. Ich wollte endlich auch mal einen Artikel in der Schülerzeitung veröffentlichen. Jeder zuvor wurde abgelehnt. Ich sei zu einfallslos oder zu langweilig, der Artikel zu lang und detailliert. Keiner würde meine Worte verstehen. Aber so bin ich eben. Ein 15-jähriger Nerd. Ich bin vielleicht nicht so sportlich wie die anderen, aber ich lese gerne alles Wissenschaftliche und Technische. Ich bin sehr gern alleine in meinem Zimmer und durchstöbere das Internet.

Aber jetzt ist Homeschooling angesagt und ich habe mehr Zeit für den Artikel. Ich habe monatelang recherchiert und weiß alles über die Stringtheorie. Physik und Mathematik sind meine Leidenschaften. Liefert die Stringtheorie tatsächlich eine zutreffende Beschreibung unserer Wirklichkeit? Dazu habe ich viele Berechnungen gemacht, aber mein Notizbuch liegt noch im Spind in der Schule. Welch glücklicher Zufall, dass wir eh die Spinde in der Schule leerräumen müssen. Meine Mutter hätte mich sonst nie rausgelassen.

Ich freue mich, dass ich bis zur Schule nur wenige Minuten laufen muss. Im Spind sind noch so viele Sachen und ich sollte alles mitnehmen. Also öffne ich meinen Rucksack und werfe alles willkürlich rein: Mein Notizbuch, Taschentücher, eine Flasche Wasser, die Beef Jerkys, die meine Mutter mir als Snack für zwischendurch gekauft hatte, einen Beutel mit Ersatzwäsche (man lernt ja dazu, wenn man jeden zweiten Tag geärgert und in die Pfützen auf dem Schulhof geschubst wird), das Schweizer Taschenmesser, das ich im Spind vergaß, nachdem ich es mal aus Versehen mit in die Schule genommen hatte, meinen Taschenrechner, Kaugummis und mein Ersatzmäppchen mit Kleber, Schere und Tesa.

Als ich endlich fertig bin, freue ich mich schon auf Zuhause. Meine Reportage kann ich heute fertigstellen. Ich gehe also zügig den Schulflur entlang, nur noch einmal rechts und ich bin raus. Aber warum brennt dort ein Licht? Die Tür zum Keller ist nur angelehnt und man kann ganz klar das Licht dahinter sehen. Ich und meine Neugierde. Ich gehe langsam zur Tür und öffne sie. Es riecht etwas eklig aus dem Keller, aber nicht so schlimm wie erwartet. Sehr langsam setze ich einen Fuß vor den anderen und laufe die Treppe runter. Jede Stufe quietscht und ächzt.

Unten im Keller steht Larissa. Sie geht in meine Parallelklasse. Larissa ist groß und schlank und sehr sportlich. Sie spielt Völkerball in der Schulmannschaft. Ich kenne sie seit drei Jahren, doch ich glaube, sie hat mich noch nie gesehen. Sie hält ein Handy in der Hand und dreht und wendet es. Ich gehe auf sie zu, dabei erschrickt sie und wirft das Handy in die Höhe. Wir beide versuchen, es zu fangen, stoßen zusammen und ich drücke aus Versehen eine Taste auf ihrem Handy. Auf einmal blitzt und leuchtet alles. Grün, blau, gelbes Licht überall… rote Strahlen, der Boden wackelt, die Erde bebt. Was passiert hier?

Als das Blitzlicht aufhört, schließe ich sofort die Augen. Es ist so hell. Das Licht brennt sich bestimmt in meine Netzhaut und als ich meine Augen öffne, traue ich ihnen nicht. Plötzlich stehe ich nicht mehr in dem alten, stinkenden Keller, sondern in einer Landschaft, in der es weder Häuser noch Straßen gibt. Überall sind Bäume, Farne, blauer Himmel über mir. Eine riesige Libelle fliegt an mir vorbei. Eine Libelle? Wo bin ich? Ich schaue mich um. Larissa steht neben mir. Genauso verwundert, genauso suchend und fragend wie ich. Wir schauen uns an und merken, dass wir Händchen halten. Wir lassen fast zeitgleich los und rücken ein Stück voneinander weg. Keiner sagt auch nur ein Wort. Aber ihr Blick sagt mir, sie versteht das hier genauso wenig wie ich. Links neben ihr, aber zum Glück sehr weit weg, sehe ich einen riesigen, inaktiven Vulkan. „Geht es dir gut?“, höre ich sie fragen. Ich kann nicht antworten. Ich schaue mich einfach nur um und bemerke die Farne und das Moos an den Bäumen. Irgendwo weit weg knurrt oder brüllt etwas oder irgendwer.

Nach gefühlten fünf Minuten sage ich Larissa, dass es mir körperlich gut geht, ich aber nicht weiß, wo wir sind… und warum! Larissa ist genauso unwissend wie ich und schaut auf das Handy in ihrer Hand. „Ich habe dieses Ding im Keller der Schule gefunden. Vielleicht ist es ein Teleprompter“, sagt sie. „Ein Teleprompter ist das Ding, von dem Moderatoren im Fernsehen ihren Text ablesen. Das sieht eher aus wie ein Teleporter oder eine Zeitmaschine.“ Ich schaue mir das Gerät genauer an. Ich habe so etwas noch nie gesehen, was ja schon einiges bedeuten muss. Eigentlich bin ich technisch sehr begabt. Larissa scheint sich über meine Worte zu wundern. Ich vergesse immer wieder, was für ein Nerd ich bin.

Aber Larissa schaut nicht so erschrocken wegen meiner Worte. Sie zeigt über mich und fängt an, nach Worten zu suchen. Irgendetwas ist da, anscheinend sehr groß. Ich möchte mich gar nicht umdrehen und dennoch muss ich wissen, was sie so verängstigt. Ich höre ein Knurren. Als ich meinen Kopf langsam drehe, steht da ein riesiger… Ich kann es gar nicht glauben. Das kann doch nicht sein. Ich kenne Filme und Bücher und alles, aber das muss ich mir einbilden.

Aber ich habe keine Zeit für Erklärungen. In meinem Kopf rattert es. Ich muss sofort hier weg. Wir müssen sofort hier weg. Ich greife Larissas Hand und renne los. Sie rennt einfach mit mir. Doch hinter uns hören wir die riesigen Füße, die mit jedem Schritt die Erde wackeln lassen. Wir rennen nicht alleine. Wir rennen weg und werden verfolgt. Wir brauchen zehn Schritte, unser Verfolger nur einen und dennoch ist er direkt hinter uns. Wir können ihn nicht abschütteln.

Und plötzlich merke ich, wie ich Larissas Hand loslasse und den Boden unter meinen Füßen verliere. Ich falle. Ich bin über einen am Boden liegenden Stamm gestolpert und kann mich nicht halten. Ich liege mit dem Gesicht zum Boden und kann mich nicht bewegen. Das war‘s. Jetzt hat er mich und ich werde meine Eltern nie wieder sehen. Sie wissen nicht einmal, wo ich bin und werden es auch nie erfahren. Meine Überreste werden hier verrotten. Ich habe eine Wahnsinnsangst und weiß nicht, was ich tun soll.

Das Tier zerrt an meinem Rucksack, zieht ihn hoch und hebt mich mit an. Ich fliege durch die Luft und werde geschleudert. Doch auf einmal merke ich, wie es um mich herum knallt. Das Tier lässt meinen Rucksack los und ich falle unsanft auf den Boden. Irgendetwas landet rechts und links neben mir. Ich schaue hoch und sehe Larissa. Sie steht vielleicht 20 Meter von mir entfernt und wirft mit allem, was sie finden kann. Ich halte meine Arme schützend über meinen Kopf, denn auch ich bekomme manchmal etwas ab. Doch dann ist alles auf einmal ruhig. Sekundenlang. Ich merke eine Berührung auf meiner Schulter, zucke zusammen und flehe: „Bitte töte mich nicht! Ich bin noch so jung und habe das Leben noch vor mir.“ Larissa lacht. Ich schaue hoch und merke, dass sie mich berührt und ich entspanne mich. Als ich langsam aufstehe, merke ich, dass wir alleine sind. Larissa hat es wirklich geschafft. Sie hat mich gerettet und den riesigen Dinosaurier in die Flucht getrieben.

Larissa sagt beruhigend: „Der T-Rex ist weg.“ Da antworte ich sofort: „Dies war ein Acrocanthosaurus. Er kann 13 Meter lang werden, wiegt etwa 2300 Kilogramm und gehört zur Unterordnung der Carnivoren, anders gesagt er ist ein Fleischfresser. Ich habe viel über ihn und seine Angriffslust gelesen, aber ich dachte nie, dass ich mal einen sehen würde oder durch einen sterben könnte.“ „Ich hatte solche Angst, aber, als du da lagst und er dich packte, habe ich ihn einfach mit Steinen beworfen. Ich habe gar nicht darüber nachgedacht. Zum Glück ist er gegangen und ist nicht noch aggressiver geworden“, antwortet Larissa.

Ich kann unser Glück kaum fassen. Es ist alles so merkwürdig und neu. Aber wir müssen besser aufpassen. Wenn dieses Exemplar hier ist, wird es noch weitere, andere, größere geben. Wir werden nicht noch einmal so viel Glück haben.

Ich drehe mich um und sehe ein Gelege mit Eiern. Ich kann es kaum glauben. Der Acrocanthasaurus ist ein Weibchen und hat seinen Nachwuchs beschützen wollen und wir, zwei unwissende Menschen, sind ihr dazwischengekommen. Wir müssen uns beeilen. Sie wird bestimmt gleich zurückkommen. Dennoch schnappe ich mir zwei Eier und packe sie in meinen Rucksack. Larissa schimpft mit mir: „Das kannst du nicht tun! Sie wird es merken und uns weiter verfolgen.“ Aber ich denke nur an die neuen Erkenntnisse der Wissenschaft. Wenn ich es schaffe, diese mit nach Hause zu nehmen, eröffnen sich der Menschheit komplett neue Möglichkeiten. Wir hätten dann lebende Dinosaurier, das wäre der Hammer.

Ich frage Larissa, wo die Zeitmaschine ist. Wir müssen hier wirklich schnell weg. Larissa schaut mich an und dann verlegen zum Boden. Sie erzählt mir, dass ihr die Zeitmaschine runtergefallen und dabei kaputtgegangen ist. Ich durchsuche meinen Rucksack nach hilfreichen Materialien. Larissa sieht meine Wasserflasche und fragt, ob sie etwas trinken kann. Auch ich merke, wie mir diese Hitze hier zu schaffen macht. Es ist wie in den Tropen. Ich finde auch noch die Beef Jerkeys und gebe sie Larissa. Wir teilen uns das Essen und Trinken und ich schaue mir dir Zeitmaschine noch einmal genauer an. Mit Hilfe des Schraubendrehers am Schweizer Taschenmesser und des Kaugummis versuche ich die zwei Hälften wieder zu verbinden, aber sie leuchtet und blinkt nicht wie zuvor. Ich wickele meinen gesamten Tesafilm herum und auf einmal haben wir wieder Hoffnung. Die Zeitmaschine blinkt. Wir halten uns wieder an den Händen und drücken willkürlich diverse Knöpfe, bis das Blitzlicht auf einmal erscheint. Alles leuchtet. Sekunden später stehen wir wieder in dem eklig riechenden Keller unserer Schule.

Wir stehen einfach nebeneinander und halten weiterhin Händchen. Plötzlich küsst mich Larissa unerwartet und ich kann nichts tun, als den Kuss zu erwidern. Sie sagt einfach nur „danke“ und verlässt den Keller. Ich stehe da wie bestellt und nicht abgeholt. Als ich mich gefangen habe, gehe ich nach Hause und lege mich in mein Bett und denke über alles nach, was heute geschehen ist, bis ich einschlafe.

Als ich aufwache, kommt mir alles vor wie ein Traum. War ich wirklich dort? Habe ich wirklich einen lebenden Dinosaurier gesehen? Nein, das kann nicht wahr sein. Ich laufe sofort zu meinem Rucksack und öffne ihn. Dort sind wirklich zwei Eier drin, zwei riesige Dinosauriereier. Ich traue meinen Augen nicht.

Ich rufe den Kurator des Senckenberg Museums in Frankfurt an. Zum Glück ist er ein guter Freund meines Vaters. Er möchte mich um 15 Uhr treffen. Bewaffnet mit den Dinoeiern fahre ich pünktlich zu meinem Termin ins Senckenberg Museum. Es ist kaum zu glauben, aber das gesamte Gebäude ist voller Menschen und ich verstehe es nicht. Ich möchte doch nur die Eier zu Forschungszwecken abgeben, aber ich komme nicht durch die Menschenmenge. Auf einmal schreit jemand meinen Namen durch die riesige Eingangshalle, alle drehen sich um und schauen mich an. O M G… Sie sind alle meinetwegen hier. Die Menschen rechts und links von mir zücken ihre Kameras und fotografieren mich. Ich fühle mich wie bei der Ankunft in der Jura. Überall ist Blitzlicht und ich kann wieder nichts sehen. Der Kurator des Museums eilt auf mich zu und schüttelt mir die Hand. Er möchte natürlich wissen, ob ich die Eier dabei habe. Ich hole sie aus dem Rucksack und zeige sie ihm. Wieder ist der Raum erfüllt von Blitzlicht. Es war einfach unglaublich und hat mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht. Den Artikel für die Schülerzeitung habe ich auch endlich veröffentlichen dürfen.

Diese Geschichte wurde von der Jury auf den 1. Platz der Jgst. 6 gewählt.

Photo by Presian Nedyalkov on Unsplash

 

DAS FENSTER IN EINE ANDERE WELT

Von Marlene Störkel (6a)

 

Dieses Mal sollte es das ganz große Ding werden. Die Idee dazu kam mir während der Corona-Auszeit: Mir war langweilig und ich wollte mich mit meiner Freundin Amelie treffen, also schrieb ich ihr eine Whatsapp: „Hey, Amelie, hast du Lust, dich heute mit mir zu treffen?“
Sie antwortete: „Na klar, wann soll ich kommen?“. „Jetzt?“, fragte ich. „Ok, bis gleich“, schrieb sie. Kurz darauf war sie auch schon bei mir und wir fingen an, Lego zu spielen. Wir wussten dort noch nicht, was der Tag für uns bereit hielt.

Uns wurde heiß, da ich im zweiten Stock wohne und draußen 26°Grad waren. Also öffnete ich das Fenster und genoss die angenehm kühle Brise, die in mein Gesicht rauschte. Amelie kam von hinten auf mich zugestürmt, um auch den Windhauch zu spüren. Aber als sie gegen mich lief, kippte ich mit ihr durch das Fenster nach draußen. Doch statt qualvoll auf dem Boden aufzuprallen, landeten wir auf einem weichen Blätterteppich. Wir schauten uns verwirrt um und sahen einen…Drachen?! Er sah aus, wie man sich einen eleganten Drachen nur vorstellen kann. Er hatte feuerrote Schuppen, gelbliche Rückenstacheln, große Pranken mit messerscharfen Krallen, leuchtend gelbe Augen, einen eleganten Schweif und riesige Flügel. Als er uns entdeckt hatte, flog er auf uns zu und spie Feuer.

Noch im rechtzeitigen Moment wurden wir von einer menschenartigen Gestalt durch die Blätter gezogen und in eine Höhle gebracht. „Das war sehr gefährlich, was ihr da gemacht habt. Er hätte euch töten können, wäre ich nicht gewesen“, sprach unser Retter, „Was für Wesen seid ihr eigentlich?“ Er musterte uns interessiert. „Wir sind Menschen, ich bin Marley und das ist meine Freundin Amelie. Und was bist du?“, fragte ich neugierig. „Ich bin ein Elb und heiße Jack“, gab er zurück. Amelie und ich warfen uns einen alles sagenden Blick zu. „Bist du auch so geschickt wie Legolas aus Herr der Ringe, kannst du gut mit Pfeil und Bogen oder mit einem Schwert umgehen?“, hakten sie und ich gleichzeitig nach. Kichernd setzte er sich auf den Boden und sah uns an. „Ich bin noch lange nicht so gut wie mein Bruder Legolas, aber ich bin ja noch jung.“, erklärte uns der Elb. Amelies Pupillen weiteten sich und sie fing an sich hinzuknien und nach vorne und hinten zu kippen, ich auch, weil wir schon immer in der Welt von Herr der Ringe sein wollten. „Lass mich raten, der Drache, der uns gerade angegriffen hat, ist das Kind von Smaug?“,stotterte Amelie aufgeregt. „Ja. Warum?“, antwortete Jack verwirrt. Amelie fing an zu piepsen vor Freude.

Jack starrte uns nun erschrocken an und hielt uns seine Hände vor den Mund, damit wir leise waren. Denn er sah den Drachen, der nun vor unserer Höhle herumlief. Der Drache knurrte in unsere Richtung. Wie aus Reflex stürmte Jack mit einem Messer nach draußen auf den Drachen zu. Doch als ich das sah, rannte ich ihm hinterher und hielt ihn, kurz bevor er dem Drachen wehtun konnte, fest. „Was bei Merlin machst du da?!“, brüllte er mich an. „Auch Drachen haben es verdient zu leben!“, schrie ich zurück. Der Drache drehte sich nun mit dem Kopf zu mir und Jack und erschauderte, als er sah, warum wir so brüllten, denn er hatte bemerkt, dass Jack ihn töten wollte. Ich hatte den Drachen, der uns eigentlich töten wollte, gerettet. Seine Flügel fingen an sich zu heben und zu senken, bis er abhob und davonflog. Ich blickte dem Drachen nach und musste lächeln. Plötzlich zückte Jack seinen Bogen und zielte auf ihn. Der Pfeil zischte durch die Luft und traf den Baum direkt neben dem Drachen. „Du musst den Drachen nicht töten, versuche ihn doch zu zähmen. Einen Versuch wäre es wert.“, versuchte ich ihm einzureden. „Wie denn? Der Drache hasst mich“, grummelte Jack. Amelie kam nun auch aus der Höhle, sie hatte eine bestimmte Serie angesehen, in der es darum ging, dass ein Junge so gut wie jeden Drachen zähmen konnte.

„Du musst sein Vertrauen gewinnen, allerdings, da der Drache dich nicht mag, könnten ich und Marley ihn zähmen“ ,sprudelte Amelie hervor. „Ihr könnt es versuchen, Marley hat ihn ja schließlich schon vor mir gerettet. Versuchen wir es“, sagte Jack, und wir gingen los zur Drachenhöhle. Jack ging voran, dann folgte Amelie und zum Schluss kam ich.

Wir kletterten einen Berg hoch, in dem sich die Drachenhöhle befinden sollte. Dort angekommen, mussten wir uns kurz ausruhen. Ich schaute neugierig in die Höhle und sah den Drachen eingerollt und um ein goldenes Ei geklammert. Wir erkannten, dass es sich um eine Drachin handelte. Sie wachte plötzlich auf, weil Jack auf einen Ast getreten war, welcher knackste. Sie sprang auf und wollte auf uns feuern, doch als sie mich sah, tat sie es doch nicht, sondern setzte sich zu ihrem Ei zurück. Plötzlich hörten wir weitere Menschenstimmen und Waffengeklimper. Als wir uns umdrehten, erblickten wir zehn Männer, die mit Waffen, Rüstung, Fangnetzen aus Eisen und Seilen ausgestattet waren. „Geht zur Seite, Kinder, wir müssen arbeiten“, rief einer der Männer mit einem gefährlichen Grinsen. „Erstens, wir sind keine Kinder, zweitens, lasst die Drachin und ihr Ei in Ruhe!“, murrte ich.

Amelie und ich rannten mit glühenden Augen auf die Männer zu und erstachen sie mit kleinen Messern, die wir von Jack bekommen hatten. Die anderen acht Männer stürmten auf den Drachen zu, der vergeblich von Jack beschützt wurde. Sie warfen das große und schwere Netz auf die Drachin und machten es am Boden fest. Jack wurde mit einem Seil gefesselt und die Männer wollten gerade das Ei nehmen und abhauen, aber Amelie und ich stürmten auf sie zu und kämpften. Einen nach dem anderen besiegten wir. Als alle weg waren, halfen wir der Drachin aus dem Netz und Jack befreiten wir von seinen Fesseln. „Wie konntet ihr acht Mann töten?! ACHT MANN?!“, fragte Jack mich und Amelie erstaunt. „Wir haben so unsere Tricks“, erwiderte ich, während ich Amelie einen verschmitzten Blick zuwarf. Wir kicherten.

Auf einmal hörten wir ein Knacken, gefolgt von einem weiteren Knacken. Die Drachenmutter schnurrte leicht, und als wir uns umdrehten, hatte das goldene Ei Risse bekommen und wir hörten ein leises, niedliches Knurren. Die obere Hälfte des Eies flog durch die Luft und aus dem Ei ragte ein kleiner Drachenkopf mit niedlichen Glubschaugen. Das kleine Drachenbaby krabbelte vorsichtig aus dem Ei und lief in die Richtung von mir und Amelie. „Hallo Kleines“, sagte ich in einer etwas höheren Stimme, die ich immer bei niedlichen Tieren bekomme. Es schaute zu mir hoch und sprang auf mich, um mein Gesicht abzulecken. Die Mutter machte eine spezielle Kopfbewegung, um mir zu sagen, dass ich dem kleinen Drachen einen Namen geben sollte. „Wie wollen wir ihn nennen?“, fragte Jack nun auch und sah mich gespannt an. „Fire, weil er so leuchtend feurige Augen hat“, erwiderte ich mit einem Lächeln. Ich schaute Fire in die Augen und tippte seine Nase an, er quiekte leise.

Es wurde langsam dunkel. Wie aus dem Nichts öffnete sich ein Portal in der Höhlenwand, das uns zurück nach Hause bringen sollte. „Es war so toll mit euch, ich hoffe, wir sehen uns wieder!“, sagten Amelie und ich mit Tränen in den Augen.

Wir gingen also durch das Portal und landeten wieder auf meinem Bett. Ich schaute auf die Uhr und bemerkte, dass wir nur eine Minute weg gewesen waren, obwohl in der anderen Welt ein ganzer Tag vergangen war. Wir rannten zu meiner Mutter und erzählten ihr alles. „Wow, ihr habt echt eine riesige Fantasie. Ihr müsst das aufschreiben und an einen Filmemacher senden. Das ist genial!“, erwiderte sie, nachdem wir fertig waren mit Erzählen.

Wir machten uns natürlich sofort an die Arbeit und schrieben drei Seiten voll, und wir haben auch noch ein paar Skizzen gezeichnet. Nachdem wir fertig waren, schickten wir es per E-Mail an einen Regisseur. Nach zwei Monaten schrieb uns der Regisseur zurück:

Liebe Marlene Störkel,

ich danke Ihnen, dass Sie mir eine so tolle Geschichte gesendet haben. Ich werde sie sofort nach Corona umsetzen. Eine Bitte hätte ich noch: Könnten Sie und Ihre Freundin bitte die zwei Hauptrollen spielen, da Sie es selbst verfasst haben?

Liebe Grüße
Dennis Gansel

Wir wollten unbedingt mitspielen und hatten ihm mit Ja geantwortet. Nach zwei ewig langen Jahren kam der Film raus und Amelie und ich waren die Ersten, die ihn sehen durften. Der Film wurde natürlich noch etwas ausgeschmückt, aber dies war nicht schlimm, da Amelie und ich die zwei Hauptfiguren spielen durften. Er war dann in den Kinos und gewann viele Preise. Es war einfach unglaublich und hat mich und meine Freundin quasi über Nacht zu einer Berühmtheit gemacht.

Diese Geschichte wurde von der Jury auf den 3. Platz der Jgst. 6 gewählt.

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WIE WIR ÜBER NACHT BERÜHMT WURDEN

Von Annalena Zein (6d)

 

Dieses Mal sollte es das ganz große Ding werden. Die Idee dazu kam mir während der Coronaauszeit. Mittags packte ich meinen Rucksack, joggte zur nächstgelegenen Bank, die in zehn Minuten zumachen würde. Deshalb rannte ich eher, doch immer noch in einem angenehmen Tempo. Angekommen stellte ich mich an einen der veralteten Geldautomaten und bemerkte, wie eine alte Freundin von mir an einem der anderen Automaten mich noch nicht entdeckt hatte. Ich schob meine Karte in den Bankomat, hob die 50 Euro ab, die ich brauchte. Ich streckte den Geldschein ein und lief zu ihr rüber, da sie mich immer noch nicht gesehen hatte. Winkend lief ich auf sie zu und verließ mit ihr die Bank. Es war ein heißer Frühlingstag und die Sonne schien prall vom Himmel. Nach einiger Zeit erzählte ich ihr von meinem Plan und fragte, ob sie am Abend Zeit hätte, um mir bei dabei zu helfen. Ohne wirklich lange zu überlegen, stimmte sie voller Überzeugung zu. Auf dem Weg zum Schreibwaren- und Kunstwarenladen besprachen wir alles bis auf das kleinste Detail. Im Laden kaufte ich, was ich brauchte und wir beide hetzten nach Hause.

Am frühen Nachmittag klingelte sie bei mir und stand mit einem voll gepackten Rucksack vor der Tür. Als meine Eltern das Haus kurze Zeit später verließen, sammelten wir angespannt alles Erforderliche in der Wohnung zusammen. Wir packten eine Taschenlampe, Graffitifarben und Atemschutzmasken ein. Danach rannten wir mit pochenden Herzen und regelmäßigen Schweißausbrüchen auf den fast leeren Marktplatz von Offenbach. Mit warmen Köpfen lehnten wir uns an eine der vielen Säulen, nickten uns zu und ich holte die Sprühflaschen hervor. Reflexartig schmiss ich eine Farbe der sechs Stück zu Kelly hinüber und stellte die anderen vier zur Seite. Nun hatte sie einen dunklen Grauton und ich ein Giftgrün in der Hand. Wir nahmen die ganze Sache mit Humor, was uns später noch zum Verhängnis werden sollte. Kelly schaute sich um, gab mir ein Zeichen, dass keine einzige Menschenseele zu sehen war und joggte gedeckt in die Mitte des Platzes, schüttelte die Flasche einmal kräftig durch und sprühte dann einen gekonnten Kreis mit Noppen auf den Boden, während ich mit etwas Abstand durch die Gegend streifte, um zu prüfen, ob immer noch keine Leute auf den umliegenden Straßen unterwegs waren. Kelly gab mir leise zu verstehen, dass sie fertig war, und ich sprühte den Kreis aus. Kelly begann mit einem helleren Grün zu konturieren und ich kurz darauf mit einem Dunkelgrün. Als wir fertig waren, klatschten wir uns in die Hände und räumten alles zusammen. Doch vorher schrieb ich noch ganz klein unsere Vornamen unter das Virenbild. Plötzlich hörten wir eine Stimme, die uns rief. Als wir uns umdrehten, bemerkten wir, dass die Person uns filmte. Wir sahen uns an, ich schnappte instinktiv die Tasche und wir rannten so schnell, dass wir uns vorkamen, als wären wir schneller als der Bus, der neben uns vorbeifuhr. In dem Moment fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Am Marktplatz fahren jede Menge Busse vorbei. Mein Herz sackte auf den Boden und mir wurde bewusst, dass wir ein großes Problem bekommen würden. Wieder zu Hause schmiss ich die Tasche auf den Tisch und ließ mich auf die Couch fallen. Ich erklärte Kelly, was mir klar geworden war, und auch ihr wurde das Problem bewusst. Die Schritte im Treppenhaus weckten uns aus unserer Erschütterung auf und ich brachte die Tasche schnell in mein Zimmer, um meine Eltern fröhlich zu begrüßen, als wäre nichts passiert. Unser Puls hatte sich bereits gesenkt, doch beruhigt hatten wir uns noch nicht. Als wir ins Bett gingen, dachte ich noch einmal darüber nach, wie viele Leute uns gesehen und wie viele ein Video gemacht hatten. Mir schauderte es – was wenn jemand es ins Internet stellte und ein anderer uns erkennt? Ehe wir uns versahen, war es der nächste Morgen und wir guckten, ob jemand etwas auf Socialmedia dazu gepostet hatte. Was wir fanden, war erschreckend: Überall waren Bilder und Videos von unserem Graffiti und von uns eingestellt! Zum Glück konnte man auf keinem davon auch nur ein bisschen von unseren Gesichtern sehen, da wir Atemmasken trugen. Es war unglaublich und hat uns quasi über Nacht zu Berühmtheit gemacht.

 

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​DAS ROBOTER PROJEKT

Von Philipp Yalouris (6g)

 

Dieses Mal sollte es das ganz große Ding werden. Die Idee dazu kam mir während der Corona-Auszeit.
Heute war wieder einer der Tage, an denen ich mich zuhause langweilte. Also ging ich ein bisschen raus, um mich abzulenken. Ich sah in der Stadt ein Kind, das ganz alleine und traurig war.
Ich wollte ihm eine Freude machen. Aber wie sollte ich das machen? Ich dachte nach und nach ein paar Tagen kam mir die Idee:
Ich werde einen Roboter erfinden!

Ich trieb mich Tage lang auf Schrottplätzen herum und sammelte wichtige Teile für mein Projekt.
Endlich hatte ich alles zusammen und konnte mit der Arbeit beginnen. Den Roboter zu machen, war sehr schwer und drei Roboter gingen auch kaputt. Ich wollte schon fast aufgeben, aber ich wollte den Kindern eine Freude machen und blieb dran.
Nach etlichen Versuchen habe ich es geschafft, einen Roboter zu entwickeln. Das Schwierigste aber kam noch. Ich musste erstens jemanden finden, der mir eine Software installiert und da fiel mir mein Freund Eddie ein. Er war auf diesem Gebiet der Richtige.

Ich rief ihn an und bat ihn, mir eine Software für den Roboter einzurichten, doch Eddie konnte erst nach einer Woche und ich nutzte die Zeit, um mir Gedanken zu machen, was ich dem Roboter beibringen könnte.
Nach einer Woche warten, kam dann Eddie und baute eine Software ein und programmierte ihn.
Ich brachte dem Roboter meine alten Zirkustricks bei, die ich in der Schule gelernt habe. Der Roboter lernte schnell und es wurde Zeit, ihm einen Namen zu geben. Ich nannte ihn Finn, er wurde mein bester Freund und ich unternahm mit ihm alles.

Nach ein paar Tagen ging ich in den Park und trat mit dem Roboter auf. Immer mehr Kinder kamen in den Park und wollten die Show sehen. Ein Abstand von 1,50 m war natürlich Pflicht. Die Show war super. Finn konnte jonglieren, singen, tanzen, zaubern und das Beste, was er konnte, war die Kinder zum Lachen zu bringen.
Mich machte es froh, die Kinder lachen zu sehen, also machte ich fünf weitere Roboter in einer Woche.
Also trat ich mit fünf Robotern auf. Das ganze Auftreten mit den Robotern war sehr anstrengend. Mein Traum war es, dass viele Roboter alleine in ganz Offenbach unterwegs sein können und die Kinder zum Staunen und Lachen bringen. So kam es dann auch.

In der ganzen Stadt war ich nun bekannt als Robo-Philipp. Es war einfach unglaublich und hat mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht.

 

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DER ETWAS ANDERE URLAUB

Von Lisa Binner (6c)

 

Dieses Mal sollte es das ganz große Ding werden. Die Idee dazu kam mir während der Corona-Auszeit. Mir war eine lange Zeit sehr langweilig. Ich dachte lange nach. Doch dann kam mir die Idee.

Ich gestaltete mein Haus in verschiedene Urlaubsziele. Wenn man in mein Haus kam, war dort normalerweise das Wohnzimmer, aber dieses Wohnzimmer verwandelte ich in ein Innenschwimmbad. Ich bestellte ein riesiges Schwimmbecken, welches genau in unser Wohnzimmer passte. Wenn man von dem Flur in das Wohnzimmer kam, war dort eine schneeweiße Leiter mit vier Leitersprossen, die in das hellblaue Becken führte. Das Wasser im Schwimmbecken war lauwarm.

Auch im Garten befand sich ein Schwimmbecken. Am Ende des Wohnzimmers war normalerweise eine Tür, durch die man in den Garten kam. Dort baute ich eine Drehtür ein, die von Schwimmbecken zu Schwimmbecken führte. Das Freibad im Garten war ein bisschen kälter als das Schwimmbecken innen. Die meiste Zeit verbrachte ich im Wasser. Um das Becken herum befand sich eine saftige, grüne Wiese. Auf dieser standen gelb, orange, gestreifte Liegestühle. Auf der linken Seite des Gartens war ein kleiner Eisladen mit vielen, leckeren Eissorten. Hier holte ich immer mein Lieblingseis. Auf die Wiese stellte ich eine Metallleiter, die zum Fenster meines Zimmers führte. In meinem Zimmer lagen vier Tonnen Sand verteilt. An der Stelle, wo mein Kleiderschrank stand, war eine Smoothie-Bar aus Holz, in der mein Bruder Smoothies und Cocktails servierte. Hier bereitete er mir einen Mango-Smoothie zu. Am anderen Ende meines Zimmers stand ein Becken voller Salzwasser. Unter dem Wasser war eine Pumpe, die echte Wellen an den Strand in meinem Zimmer spülte. An der Decke war ein riesiger Fernseher befestigt. Der Fernseher war so groß, dass er über die ganze Zimmerdecke reichte. Von dem Bildschirm strahlte eine Sonne direkt auf das Meer herab. Ab und zu flogen sanfte Wolken über den Bildschirm, die wie Watte aussahen. Auch Vögel kamen ab und zu vorbei.

In dem Zimmer meiner Eltern befand sich noch viel mehr Sand, denn in diesem Zimmer war eine Wüste. Ungefähr zwölf Tonnen Sand schleppte ich mit meiner Familie in das Zimmer. Ich pflanzte mehrere Kakteen, welche bis zu einem Meter hoch waren. In diesem Zimmer versteckte ich hinter der Tür einen Kaminofen. Der Ofen brannte die gesamte Zeit, da es in einer Wüste immer sehr heiß ist. Außerdem schnitzte ich noch einige Holzkamele und stellte sie in den Sand.

Im Badezimmer erstellte ich eine Felsenlandschaft. Ich versteckte überall mehrere kleine Ventilatoren, daher war es dort sehr windig. Deshalb war es viel kälter als in den übrigen Zimmern im Haus. In diesem Zimmer war der größte Felsen 1,90 Meter hoch. Ich legte ganz viele große und kleine Steine ins Zimmer, die auf dem Boden den Weg darstellten. Die Steine waren rutschig, weil sie von einem Wasserfall nass gespritzt wurden, der neben dem riesigen Felsen laut rauschte.  Damit der Wasserfall nie aufhörte sich zu bewegen und immer weiterlief, baute ich einen Wasserschlauch in die Decke, aus dem das Wasser lief. Der Schlauch ging durch die Wand und unten am Wasserfall bohrte ich ein Loch, wo eine Pumpe das Wasser wieder hoch in die Decke pumpte.

Im zweiten Geschoss war das Zimmer meines Bruders und das Büro meines Vaters. In diesen beiden Zimmern errichtete ich einen Wald. Dafür kaufte ich 70 Säcke Erde und Rindenmulch und verteilte es in den Zimmern. Wir besorgten 57 Bäume und pflanzten sie ein. In diesem Wald musste man vorsichtig sein, denn dort lebten Mäuse, nicht dass man aus Versehen auf eine drauftrat. Es waren 4 kleine, graue Mäuse. Ich kaufte den Mäusen Futter und baute eine Wasserstelle, damit sie dort trinken konnten, wenn sie Durst bekamen.

Das war aber noch nicht alles: Wie haben ja auch noch eine Garage, in der sich eigentlich unsere Fahrräder befanden, diese verkaufte ich. Zu einem Schwimmbad gehörte noch eine Sauna aus Bambusholz, die baute ich dann noch in die Garage ein.

Auf dem Garagendach befand sich noch eine Almhütte umgeben von grünen Wiesen. Um dort leckeren Kaiserschmarrn essen zu können, musste man aber erst den steilen Aufstieg schaffen. Dafür legte ich einen steilen Felsweg an. Um noch mehr Urlaubsgefühle zu bekommen, besorgte ich vom Bauern nebenan drei, schwarz-weiß, gefleckte Kühe, die mit ihren großen Glocken um den Hals genüsslich vom saftigen Gras fraßen.

Nachdem ich mit allem fertig war, stellte ich von jedem Urlaubsziel ein Bild ins Internet.  Gerade wollte ich mich in der Wüste entspannen, da klingelte es an der Haustür, ich schaute aus dem Fenster, kein Postauto war zu sehen. „Wer mag es wohl sein? Wer würde mich in der Corona-Zeit besuchen?“, fragte ich mich. Ich rannte die Treppen runter voller Sand, ich schwamm durchs Wohnzimmer, kletterte von der Leiter und riss die Tür auf. Ein Übertragungswagen vom Fernsehen, Reporter und viele Fotografen standen vor der Tür, und wollten mich interviewen. Ich war total überfordert, anscheinend haben Reporter meinen Post im Internet gesehen. Sie wollten sich alles genau anschauen und drehten einen Bericht darüber. Dieser Bericht kam dann bei den Nachrichten in der Tagesschau.

Daraufhin wollten viele Leute zu mir kommen und wissen, wie ich das alles geschafft habe. Es war einfach unglaublich und hat mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht.

Diese Geschichte wurde von der Jury auf den 2. Platz der Jgst. 6 gewählt.

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DIE WELTKARTE

Von Paula Meyer (7f)

 

Dieses Mal sollte es das ganz große Ding werden. Die Idee dazu kam mir während der Corona-Auszeit, als ich in meinem gemütlichen Bett in Offenbach lag. Mir war langweilig und ich wollte etwas erleben. Ich überlegte, was ich machen könnte. Mir fiel ein, dass vor uns eine alte Frau in unserem Haus gelebt hatte und dass sie vielleicht etwas vergessen haben könnte. Also stieg ich die Leiter zum Dachboden hinauf, um nach alten Sachen zu suchen. Es war staubig und stickig. Aufgeregt durchsuchte ich alles. Ich fand unter einer losen Holzdiele eine alt aussehende Weltkarte. Ich rollte sie auf dem Boden aus und las die Überschrift: „Suche dir einen Ort deiner Träume aus!“ Vorsichtig berührte ich die Insel Mahmya, die in Ägypten liegt. Weil ich dort schon im Urlaub gewesen war und viel Spaß gehabt hatte, entschied ich mich für sie. Doch es passierte nichts. Irgendwann war es mir zu doof und ich verließ enttäuscht den Dachboden.

Traurig ging ich hinunter, um draußen einen Spaziergang zu machen, doch unsere Haustür blinkte orange. Verwirrt drückte ich die Klinke herunter und öffnete die Tür vorsichtig ein Stück. Ich traute meinen Augen nicht! Was ich da sah, konnte nur meine Fantasie sein. Oder etwa nicht?

Als ich die Haustür öffnete, fühlte ich die Wärme der Sonne auf meiner noch nicht gebräunten Haut und roch die salzige Meeresluft. Es tat gut, sie einzuatmen. Als ich die Treppen vor unserem Haus hinunterging und meine Fußzehen den warmen, weißen Sand berührten, ging es mir gut. Alle meine Sorgen waren auf einmal verschwunden. Bei jedem Schritt gab der feine Sand etwas nach und ich versank ein klein wenig. Manchmal kitzelte mich ein kleiner Kieselstein oder ein vorbeikriechender Minikrebs kniff mir in den Fuß. Doch es störte mich nicht, es war sogar witzig. Der Wind wehte angenehm vom Meer herüber, sodass es sich gut aushalten ließ. Als ich am Wasser ankam, hielt ich es im Trockenen nicht mehr aus. Ich sprang ins kalte, klare Nass und schluckte aus Versehen etwas Meerwasser. Es war unangenehm salzig, aber das machte mir nichts aus, denn meine Aufmerksamkeit gehörte gerade einem vorbeischwimmenden Rochen. Es sah fast so aus, als würde er durchs Wasser fliegen. Er war groß, grau und sah majestätisch aus. Während ich den Rochen beobachtete, fragte ich mich, ob er eine Familie hat.

Doch was ist eigentlich mit meiner Familie? Kann ich überhaupt wieder zu ihr zurück? Oh Gott! Daran hatte ich ja gar nicht gedacht! Mir wurde heiß und kalt zugleich. Sind das Haus und die magische Karte noch da? Ich drehte mich ängstlich um. Zum Glück stand das Haus noch an der gleichen Stelle. Ich rannte aufgeregt zum Haus zurück, schmiss die Tür auf und sprintete die Treppe hinauf. Außer Atem und klitschnass stieg ich die Leiter zum Dachboden hoch und schob die lose Holzdiele zur Seite. Glücklicherweise war die Karte noch da. Doch kann sie mich auch wieder nach Hause bringen?

Mit vor Aufregung zitternden Händen berührte ich meine Straße. Wenige Augenblicke später hielt ich den Atem an, als ich die Haustürklinke hinunterdrückte. Mir kam ein kalter Windstoß entgegen und ich hörte den nervenden, kläffenden Hund meines grimmigen Nachbarn. Da wusste ich, dass ich wieder zu Hause bin. Ich war so erleichtert wie noch nie zuvor. Ich ging in die Küche, holte meinen Block und schrieb alles auf, was in der letzten Stunde passiert war.

Das war vor zehn Jahren. Meine Geschichte wurde in viele Sprachen übersetzt, doch manchmal bin ich mir nicht sicher, ob sie wirklich real ist. Es war einfach unglaublich und hat mich über Nacht zur Berühmtheit gemacht.

 

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DAS BIZARRE ERLEBNIS

Von Cezara Purciuc (7d)

 

Dieses Mal sollte es das ganz große Ding werden. Die Idee dazu kam mir während der Corona-Auszeit…

Lesen war eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Es gab keine Gelegenheit, bei der ich kein Buch dabeihatte. Es war mein bester Freund, wenn ich mich langweilte. Ich hatte so viel gelesen, dass ich ein ganzes Buch schreiben konnte, nur die Erfahrung fehlte mir. Schließlich entschied ich mich, eine Geschichte zu schreiben als Anfang eines Buches. Das Hauptthema muss Die Elemente der Natur sein, dachte ich. Die Kraft der Natur faszinierte mich schon immer. In den Büchern, die ich las, kam immer Fantasy und Natur vor. Die Geschichte sollte vom gleichen Subjekt handeln. Ich suchte schon lange einen Vorschlag für die Erzählung, als mir eines Tages etwas sehr Sonderbares passierte…

Ich wachte in meinem sehr vertrauten Zimmer auf. Ich wollte schon aufstehen und mich für die Schule vorbereiten, als es mir in den Sinn kam, dass heute Samstag war. Ich blickte auf. Die Morgenstrahlen beleuchteten die hellblauen Wände, die weißen Schränke und meine Zeichnungen auf der Pinnwand in meinem Zimmer. Alle handelten vom selben Thema. Die Elemente der Natur. Das Wasser kam am meisten vor. Die Leute fanden das komisch, dass wenn ich etwas vergleichen musste, ich es am meisten mit Wasser verglich. Ich war wie besessen von den Elementen. Sie waren mein Ein und Alles.

Meine Augen wanderten zu der Uhr an die gegenüberliegende Wand. 6:09 Uhr. Meine Eltern würden erst um 8 Uhr aufwachen. Ich schloss meine Augen, ließ mich in Gedanken treiben und schlief wieder ein.

Als ich das nächste Mal die Augen aufschlug, blickte ich in das freundliche Gesicht meiner Mutter. Sie hatte weiche Züge und gab einem den Eindruck, sie kenne keine Trauer. Ihre schulterlangen, dunkelbraun-schwarzen Locken wehten und ihre kastanienbraunen Augen glitzerten, als sie mich leise weckte.

„Morgen, Liliana.“

Ich glich ihr auf kein Haar. Mein Körperbau war mittelgroß, schlank und drahtig. Die strahlende Haut, die klar-blauen Augen und meine langen hellblonden Haare, die ich besaß, standen in einem außergewöhnlichen Kontrast.

„Glückwunsch zum 14. Geburtstag, Liebes.“

Ich war verwirrt. War heute schon mein Geburtstag? War es wirklich schon der 20. Mai? Offenbar sprach ich es laut aus, denn meine Mutter sagte: „Natürlich, Liebes. Was dachtest du, was für ein Tag heute ist?“

Um ehrlich zu sein, wusste ich überhaupt nichts, das mit dem Datum zu tun hatte. Ich hatte das Gefühl, mehr vergessen zu haben, als ich dachte. Mein Kopf fühlte sich merkwürdig leer an. Es hatte nur Platz für Traurigkeit. Seltsam. Heute hatte ich doch Geburtstag. Jeder freut sich, wenn er Geburtstag hat. Nochmal seltsam. Mein Inneres sagte mir, dass ich den Grund im Laufe dieses Tages herausfinden würde und, dass ich nur mit bestimmten Personen darüber sprechen sollte. Meine Mutter war keine davon.

„Wenigstens ist mein Geburtstag an einem Samstag. Da können wir in aller Ruhe feiern.“, sagte ich, um das Schweigen zu unterbrechen. Misstrauen war auch nicht willkommen. Ich hatte die Vorahnung, das Falsche gesagt zu haben. Ich hatte Recht. „Aber heute ist Donnerstag und du musst zur Schule gehen.“, antwortete meine Mutter. „Nicht wichtig“, erklärte ich schnell.

Nachdem ich mich umgezogen und gefrühstückt hatte, packte ich meine Sachen und eilte zum Bus. Heute schien mein Gespür mich vor allen Schatten zu warnen, warum auch immer. Ich kam gerade noch rechtzeitig. Im Bus traf ich wie üblich Sakarias, der finster dreinsah. Sakarias’ Körperbau war meinem ähnlich. Er hatte wirres rotes Haar. An den Wurzeln war es dunkel und die Spitzen waren von orange bis zur goldenen Farbe. Seine Augen waren sonderbar. Sie waren feuerrot. Manche würden sagen, er sähe aus wie der Teufel, aber ich fand nichts Komisches an ihm.

Sakarias guckte schon seit zwei Monaten düster vor sich hin. Hey, was war das für ein Gedanke? Woher soll ich wissen, dass Sakarias seit zwei Monaten so böse guckt. Ich sprach nicht mal mit ihm. Mein Instinkt sagte mir, das zu ignorieren und das tat ich. Er informierte mich auch, dass er einer der Personen war, denen ich über das kuriose Gefühl wissen lassen durfte. Ich nahm all meinen Mut zusammen, ging zu ihm und sprach ihn an.

„Hallo Sakarias.“ Er guckte mich überrascht an und ich glaubte, ein bisschen Interesse in seinem Blick zu erkennen. Seine Frage versetzte mich in Staunen. „Ist heute dein 14. Geburtstag?“, erkundigte er sich. „W-woher weißt du das?“, stotterte ich meine Gegenfrage, mein Gesicht weiß wie ein Laken. „Frag nicht und antworte.“. Das war keine Bitte, das war ein Befehl. „J-ja“, stammelte ich. „Treffpunkt: das kleine Wäldchen im Schulhof, erste große Pause.“, und schon stieg er am Ziel aus und verschwand.

In Schock versetzt, verpasste ich meine Endstation und musste unwillig an der nächsten Haltestelle aussteigen. Die heutigen Geschehnisse ging ich abermals im Kopf durch. Ich war so in Gedanken versunken, dass ich über einen Ziegelstein auf dem Gehweg stolperte und mit einer Gestalt zusammenstieß. Sie fing mich mit kräftigem Griff auf. Sie war einen Kopf größer als ich und die breiten Schultern gaben mir bekannt, dass es sich um einen Jungen meines Alters handelte. Ich hob den Kopf, um zu sehen, mit wem ich zusammengestoßen war und schaute in ein gebräuntes Gesicht, das zwei kastanienbraune Augen besaß. Es war Pablo, mein Klassenkamerad. „Oh, hallo, Liliana.“, begrüßte er mich erfreut. Sein ruhiger Tonfall war alltäglich. „Tut mir leid, dass ich dich angerempelt habe.“, sagte ich scheu. „Alles in Ordnung.“, fuhr er mit einem Lächeln fort, „Du weißt, wo du uns drei später findest.“ „Uns drei?“, fragte ich. Ich dachte, ich sollte nur Sakarias treffen, aber dass Pablo und wer auch immer noch anwesend sein werden, war mir unbewusst. Er hörte meine Frage nicht und schon war er weg. Zum vierten Mal hatte ich an diesem Tag etwas Merkwürdiges gespürt. Als ich Pablo berührt hatte, fühlte ich eine Mischung von Zuhause, Freunde und Familie. Und Ruhe und Gelassenheit. Meine innere Stimme deutete mir, das wäre normal und so ging ich weiter.

Die erste Stunde kam und ging. Es war die erste kleine Pause. Ich musste mich bis nach der zweiten Stunde gedulden, um Antworten zu bekommen. Ich fragte mich, wer die dritte Person sein würde. Es war nur eine, die mir in den Sinn kam. Es gab 4 Kinder in unserer Klasse, um die jeder einen Bogen machte. Ich. Sakarias. Pablo. Und Samantha. Das Zeichen unter unserer Hand auf der Innenseite unseres Unterarmes, unser komisches Verhalten und unser märchenhaftes Aussehen war vielleicht dafür verantwortlich. Keiner von uns hatte wirklich Freunde gehabt. Kürzlich hatten sich Sakarias, Pablo und Samantha angefreundet. Alle nach ihrem 14. Geburtstag. Wir sind sozusagen die Freaks der Klasse. Samantha hatte immer eine fröhliche Miene. Sie war auch klein und schlank. Außergewöhnlich schlank. Sie besaß schneeweiße Haare, reine graue Augen und ihre Haut war heller als meine. Jeder glich einem Geist. Wenn drei Freaks sich treffen, muss auch der vierte dabei sein.

Ich sah drei Jungs unserer Klasse auf Sakarias zuschlendern und hatte kein gutes Gefühl dabei. „Hey, du. Teufel!“, rief einer der drei, „Geh und verfluche ein anderes Klassenzimmer mit deinem Dasein.“ „Ich zeige dir gleich, was dieser Teufel kann!“, gab Sakarias zornig zurück. Man konnte ihn leicht ärgern. Neben seiner Wut war er kampflustig.

Seine Hände färbten sich langsam orange von den Fingerspitzen bis zu den Handgelenken. Irgendwas sagte mir, dass das geheim sein sollte. Meine Schüchternheit war augenblicklich vergessen. Stattdessen packte mich eine unsichtbare Hand der Angst und mir blieb die Luft weg. Ich hatte Angst, Angst, dass das Geheimnis entdeckt werden konnte.

Warte, welches Geheimnis, denn? Egal jetzt. Handeln ist absolut notwendig. Ich sprang auf, schnellte nach vorn und packte Sakarias’ Hand, sodass man es nicht sah und schirmte ihn mit meinem Körper ab. Seine Hand war warm und plötzlich übermannte mich eine Welle der Selbstsicherheit. Und da kam es wieder. Das Gefühl von Zuhause, Freunde und Familie. Gleichzeitig spürte ich, wie seine Muskeln sich entspannten. Ich nutzte die Selbstsicherheit und warf den Jungs forsche Worte ins Gesicht: „Lasst ihn in Ruhe.“ Sie sahen aus, als hätten sie allzu gern etwas gesagt, aber zu deren Pech kam der Lehrer herein und just in diesem Moment läutete es.

Sakarias drückte meine Hand und eine Flut aus Gefühlen durchströmte mich. Darin kam Freude und Dank. Dann klingelte seine Stimme in meinem Kopf: „Danke“, sagte es. Ich wunderte mich nicht mehr nach den ganzen Vorfällen und antwortete: „Bitte“. Ich glaubte, er hörte mich auch, denn er erwiderte: „Ich schulde dir was.“. Der Gedankenaustausch geschah im Bruchteil einer Sekunde. Dann ließ er meine Hand los.

Die zweite Stunde schien grenzenlos zu sein. Nach all den interessanten Dingen, die an diesem Tag vorkamen, brannte ich darauf, Antworten zu bekommen. Und es stellte sich heraus, dass Sakarias, Pablo und Samantha wussten, was mit mir los war. Nach endlosem Warten war die Lektion zu Ende und ich war die erste, die den Klassenraum verließ. Ich kam an dem kleinen Wäldchen an. Der kleinförmige Teich fing mein Auge und eine leichte Brise, die unerwartet einsetzte, beschwor minimale Wellen. Auf einmal hörte ich leise Stimmen. Mein Kopf fuhr in alle Richtungen, meine Augen suchten die Gegend ab, aber ich sah niemanden. Ich horchte. Die Stimmen schienen von Richtung Teich zu kommen. Ich ging näher. Sprachen da die Wellen? Meine Füße trugen mich noch ein paar Schritte zum Teich. Und tatsächlich klang eine melodische Stimme, ähnlich meiner. Es war eine andere Sprache. Aber ich verstand. Es hieß: „Hallo Gardian“. Gardian war ein anderes Wort für Beschützer.

Ich konnte nicht antworten, denn ich hörte eine vertraute Stimme empört hinter mir flüstern. Die Worte waren in derselben Sprache gesprochen und dessen Bedeutung war: „Samantha. Sei leise!“. Ich fuhr hoch und schaute in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war. Da standen Sakarias, Pablo und Samantha hinter einem Baum versteckt. Als sie merkten, dass sie gesehen wurden, verließen sie ihr Versteck und kamen in meine Richtung. „Ihr habt das gesehen. Was war das? Ihr wisst etwas über mich, das ich nicht weiß. Was ist das? Was passiert mit mir?“ „Das sind viele Fragen auf einmal“, sagte Pablo vorsichtig.

Meine Luft blieb mir weg und ich brach in Tränen aus. Ich spürte zwei warme Arme, die mich in eine Umarmung zogen. Ich erwiderte es und da kamen noch zwei Paare Arme dazu. Starke, kleine und drahtige. Wir machten eine Gruppenumarmung. In Gedanken sprachen sie mir Beruhigungen zu. Als ich mich beruhigt hatte, teilten sie mir mit, dass ich ein Kind und Beschützer der Natur sei. Mein Element war das Wasser. Sakarias war Feuer. Pablos Erde und Samanthas war Luft. Jedes Element verkörperte eine Emotion. Ich repräsentierte Traurigkeit. Sakarias Wut und Kampflust. Samantha Freude. Und Pablo Gelassenheit. Wir hätten die Aufgabe, die Welt vor den Kindern der Schatten zu hüten. Ich lernte vieles. Verwandeln, Formen mit Wasser herstellen. Die Sprache der Hüter war uns angeboren. Wochen vergingen.

Eines Tages sah ich einen schwarzen Umriss eines Menschen. Es war ein Schattenkind. Es rannte auf einen Jungen zu. Da wurde mir klar, dass das Schattenkind den Jungen angreifen würde. Ich sprintete los, bereit, mich vor den Jungen zu stellen und zu kämpfen. Noch bevor ich den Jungen erreichte, vernahm ich ein Klingeln. Meine Glieder wurden schwer und ich nahm alles verschwommen wahr. Ich konnte nicht mehr klar denken. Ich konnte mich nicht bewegen. Ich war wie gelähmt. Ich konnte nicht… Ich würde dem Jungen nicht helfen können.

„NEIN“, rief ich und schreckte hoch. Ich befand mich in meinem Zimmer mit den blauen Wänden. Ich atmete schwer. Hatte ich geträumt? Wahrscheinlich. Plötzlich ging ein Licht in meinem Kopf an. Ich sprang aus meinem Bett, holte meinen Laptop und begann zu schreiben. Ich schrieb meinen Traum auf. Den ganzen Tag beschäftigte ich mich damit. Am Ende las ich es mir nochmal durch und zeigte es meinen Eltern. Sie waren fasziniert. Sie sagten, es wäre so gut, dass man es ausstellen könnte. Mit ihrer Hilfe schickte ich um 23:37 Uhr das fertige Werk an die Presse. Meine Arbeit wurde belohnt. Am nächsten Morgen stand die Geschichte in der Zeitung und die nächste Woche wurde mit Online-Interviews verbracht. Es war einfach unglaublich und hat mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht.

Diese Geschichte wurde von der Jury auf den 2. Platz der Jgst. 7 gewählt.

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DAS SPIEL DER EINSICHT

Von Andrea Zelic (7a)

 

Dieses Mal sollte es das ganz große Ding werden. Die Idee dazu kam mir während der Corona-Auszeit. Sie kam völlig unerwartet an einem Freitagabend. Damals hätte ich nicht mal im Traum erahnen können, dass es so ein großes Ding werden würde… An diesem Abend saß ich wie jeden Tag auf meinem Sofa, in meiner armseligen Wohnung in Seattle und bemitleidete mich mal wieder selbst. Wie jeden Tag seit Jahren. Nur war es seit einigen Wochen schlimmer geworden. Corona hielt mich zu Hause gefangen, was mir nur noch mehr Zeit gab, mein jämmerliches Dasein zu bedauern. Ich war 35, Single und hatte noch rein gar nichts im Leben erreicht. Nachdem mein Versuch als Schriftsteller reichlich in die Hose gegangen war, hatte ich mich selbst aufgegeben. Ich hatte weder Abschluss noch Ausbildung.

Das Einzige, was mich bis jetzt irgendwie am Leben gehalten hatte, war mein Job auf der Kirmes. Denn ich jobbte bei meinem Onkel in seinem Fahrgeschäft, was mich komplett einnahm. Das war auch gut so, so hatte ich keine Zeit gehabt, über mein trauriges Leben nachzudenken. Ich hatte mich damit abgefunden, den Rest meiner Lebenszeit so zu verbringen, aber Corona hatte mir da einen fetten Strich durch die Rechnung gemacht. Seit Wochen war die Kirmes nun geschlossen und ich saß zu Hause rum und verbrachte den Tag mit Schlafen und Essen. Meine Wohnung sah aus wie ein Saustall und würde jemand sie betreten, würde er dank des Gestankes wahrscheinlich sofort tot umfallen.

Ab und zu rief meine Schwester Tanja an und wiederholte jedes Mal das gleiche wie in Dauerschleife. „Ach Mark, ich bin es echt leid. Ich verstehe nicht, warum du dich so einbunkerst. Du könntest uns ruhig mal besuchen!“, krächzte sie mit einer Stimme, die einem jeden Nerv rauben konnte. Darauf folgte immer eine hitzige Diskussion, in der ich versuchte, ihr zu versichern, dass es mir gut ginge, damit sie nicht auf die dumme Idee käme, mich auch noch zu besuchen. So ging es tagein, tagaus. An dem besagten Abend war es nicht sonderlich anders. Die Nachrichten liefen, in denen mal wieder eindringlich gebeten wurde, sich doch bitte an das Kontaktverbot zu halten, da dies immer noch nicht der Fall sei, was ich zum Teil verstand. Nicht jeder hatte die Nerven dazu, seine Tage allein und ohne große Beschäftigung zu verbringen. Aber mehrere Menschenleben zu gefährden, nur weil man nicht dazu in der Lage ist, seinen Hintern still zu halten, das würde mir immer ein Rätsel bleiben. „Man müsste ihnen etwas geben, was die Corona-Regeln zu einem Spaß machte. Einen Preis und schon würden sie sich sogar allein vergraben, wenn es sein müsse“, dachte ich mit einem bitteren Lachen. Und da machte es „klick“.

Ein Spiel! Das war die Idee. Ich sah es schon vor mir: Eine Mischung aus Schnitzeljagd und Escape Room. Eine Art Spiel, welches zum Ziel hatte, die Corona-Regeln zu befolgen. Aber auch sollte es wieder ein wenig Normalität bieten und den nötigen Spaß trotz Abstand leisten. In den folgenden Tagen arbeitete ich wie ein Verrückter an dem Aufbau und den Regeln des Spiels. Aber da mein Gehirn fast vor Ideen platzte, war das kein Problem. Auch an der richtigen Räumlichkeit würde es nicht scheitern. Die Belegschaft der Kirmes hatte sich vor kurzem einen gemeinsamen Lagerraum erworben, in denen verschiedenen Teile der Fahr- und Spielgeschäfte aufbewahrt wurden, wenn die Kirmes mal nicht stattfand. Mir wurde versichert, dass sie mir den Lagerraum unter gewisser Bezahlung überlassen würden. Durch die Größe des Lagerraums konnte ich nun meiner Fantasie freien Lauf lassen. Und schon nach kurzer Zeit hatte ich einen Plan zusammengestellt: Das Ziel des Spiels war es, durch Lösen von Rätseln bis ins Finale zu kommen. Wem dies gelang, den würde ein Preis erwarten.

Um das zu schaffen, sollte man zuerst einmal den Abstand bewahren. Tat man dies nicht, würde man ohne große Diskussion sofort disqualifiziert werden. Aber die eigentliche Aufgabe war es, verschiedene Rätsel zu lösen. Es würde mehrere Räume geben, in denen sich eine Kiste befände. In den Kisten läge ein Desinfektionsmittel. Jeder Kandidat würde einzeln den Raum betreten und eine vorgeschriebene Zeit bekommen, um das jeweilige Rätsel zu lösen. Wer es schaffte, dessen Kiste würde sich öffnen und man könnte den nächsten Raum betreten. Ohne Desinfizieren wäre das Spiel für die Person vorbei. So würde es weiter gehen, bis jeder jeden Raum betreten hatte. Die übrigen Kandidaten würden dann in eine Art Finale kommen. Aber was darin geschah, war selbst für mich eine Überraschung. Denn während ich den Spielaufbau entwickelte, hatte mein Freund Scott sich um das Lagerhaus gekümmert. Er war festentschlossen mir zu helfen und kümmerte sich darum, das Lagerhaus auszumisten und alles aufzubauen. Als Dank dafür überlies ich ihm die Planung des Finales. Alles was geschah, lag in seiner Hand und ich würde es fürs Erste nicht erfahren. Der Plan stand und die Vorbereitungen gingen ziemlich schnell vonstatten. Nun mussten wir nur noch auf Kundschaft hoffen.

Zum Glück stand mir die Belegschaft, was diesen Aspekt anging, bei. Sie erzählten ihren Freunden und Familien davon, sodass sich nach kurzer Zeit eine kleine, aber für mein Empfinden recht große Truppe zusammengestellt hatte, die sich bereit erklärte zu kommen. Dank meiner Kollegin Susan war sogar eine Journalisten mit dabei, die anbot, einen kleinen Artikel zu schreiben. Sie hieß Marge und auch wenn sie noch am Anfang ihrer Karriere stand, würde ihr Artikel wenigstens irgendjemanden aufmerksam machen, wofür ich dankbar war.

Alle Vorbereitungen waren getroffen und der Termin stand. Die Aufregung war mir deutlich anzusehen, aber irgendwie verspürte ich auch das Gefühl von Stolz. Ja, ich war stolz auf mein Werk, stolz darauf, was ich in den letzten Wochen erschaffen hatte…stolz auf mich. Und dann kam der Tag. Ich wartete gespannt vor dem Lagerhaus auf die Teilnehmer. Von Scott war weit und breit nichts zu sehen. Er hatte mir mitgeteilt, er müsse noch Vorbereitungen für das Finale treffen, aber das störte mich nicht groß. Ich war einfach nur glücklich. Nach einiger Zeit kamen auch schon die ersten. Die Leute wurden direkt in ihre jeweiligen Räume gebracht, damit nicht zu großes Getümmel entstand. Auch wenn wir hier waren, um Spaß zu haben, durfte man nicht vergessen, dass wir uns gerade in einer Pandemie befanden. Es dauerte nicht lange, da waren alle eingetroffen und das Spiel begann. Die Teilnehmer stellten sich ziemlich gut an, aber nach einigen Raumwechseln versagten die ersten, sodass sich am Ende noch ungefähr acht Leute im Spiel befanden. Auch wenn ich versuchte, es mir nicht anmerken zu lassen, explodierte ich innerlich vor Freude. Es war deutlich zu sehen, dass die Leute Spaß hatten und das erfüllte auch mich mit Glück.

Doch nun war das große Finale an der Reihe. Scott hatte sich immer noch nicht blicken lassen, sodass ich vor Neugier fast platzte, als wir nun den größten Raum des Lagerraumes betraten. Überall waren kleine Markierungen, die offensichtlich den einzuhaltenden Abstand vorschrieben. Alle verteilten sich im Raum und warteten gebannt, was als nächstes geschehen würde. Ganz vorne in einer Ecke entdeckte ich ein kleines Pult und fragte mich, was Scott wohl damit vorhaben würde und genau in diesem Moment dröhnte seine Stimme durch den Raum. „Herzlich Willkommen zum großen Finale, Ladys und Gentlemen!“, begrüßte und Scott mit einem breiten, selbstbewussten Grinsen. Er trug einen schwarzen Anzug, der eng an seinem Körper lag. Langsam, aber geschmeidig schritt er nach vorn und stellte sich hinter das Pult. Einen Moment lang herrschte Stille und ich meinte eine Art Hilflosigkeit in Scotts Blick zu erhaschen. Das sah ihm gar nicht ähnlich. Doch dann schien er sich wieder zu fassen. Er setzte sein charmantes Grinsen wieder auf und war gerade dabei, seinen Mund zu öffnen, um weiterzumachen, als plötzlich das Licht ausging. Was war los? Ich fühlte die Panik in mir steigen. Das konnte nicht sein.

Plötzlich war das ganze Gebäude von Dunkelheit umhüllt. War es ein Stromausfall? Langsam begannen meine Mitmenschen, die Taschenlampen ihrer Smartphones anzuschalten und ich tat es ihnen gleich. Mein Blick streifte durch den Raum und plötzlich bemerkte ich Scott auf dem Boden sitzen mit einem solch gequälten Gesichtsausdruck, der sogar mir das Herz zerriss. Scotts armselige Gestalt hatte mittlerweile auch die Aufmerksamkeit der anderen auf sich gezogen. Da begann er plötzlich, etwas vor sich her zu stammeln. Alle lauschten ihm gebannt, bis wir endlich klare Worte verstanden: „Es tut mir so leid, Mark. Ich habe einen großen Fehler gemacht. Bitte verzeih mir.“ Von seiner Aussage überrumpelt, konnte ich nur gerade so weiter nachfragen, was genau er meine. Darauf antwortete er mit zitternder Stimme: „Bitte sei mir nicht böse. Die Kirmes hatte geschlossen, irgendwie musste ich doch an Geld kommen. Ich hätte ja nicht ahnen können, dass diese Typen so gefährlich sind.“ Langsam fügte sich in meinem Kopf eins und eins zusammen, aber verstehen tat ich immer noch nichts. Gerade als ich zu einer Frage ansetzen wollte, ertönte ein lauter Knall, hinter der Tür unseres Raumes. War das ein Schuss?! Offenbar war ich nicht der Einzige mit dieser Idee gewesen. Aus den Gesichtern der anderen war jegliche Farbe gewichen. Wir standen wie versteinert auf der Stelle.

Plötzlich stürmten maskierte Männer in den Raum. Mir rutschte das Herz in die Hose, als ich ihre Waffen sah. An dem Aufschrei einiger Frauen und Männer merkte ich, dass ich nicht der Einzige war. Meine Kollegin Susan fing an zu weinen und flehte. Und auch wenn die Worte an die Männer gerichtet waren, hörte es sich eher wie ein Stoßgebet an. Durch ihr Schluchzen verstand man nur die Worte „nicht sterben“ und „ich habe Kinder“. Aber den Mann, der anscheinend der Anführer war, schien das nicht sonderlich zu interessieren. Kalt antwortete er nur: „Sei still! Deine Worte ändern nichts! Ihr alle werdet heute sterben. Bedankt euch bei dem Weichei da drüben.“ Er zeigte auf Scott, der immer noch zusammengekrümmt in der Ecke lag. Nun schaltete sich auch mein Kollege Bill ein: „Das ist unfair! Warum müssen wir für die Fehler dieses Idioten bezahlen? Er hat einen Fehler gemacht, nicht wir!“ Da antwortete der Mann: „Unfair? Tja, tut mir leid, aber das Leben ist nicht fair. Sag mir ehrlich, hast du dich die ganze Zeit an das Kontaktverbot gehalten?“ Völlig überrascht von dem plötzlichen Themawechsel stand Bill für einen kurzen Moment einfach nur da. Dann bejahte er plötzlich, aber er sagte es in einem Ton, in dem selbst ein Hörgeschädigter merken würde, dass er log. Also fügte er noch ein schnelles „meistens“ dazu. Der Mann fuhr fort: „Nun dadurch hast du wahrscheinlich mehr Menschenleben geopfert als der Idiot. Die Menschen konnten schließlich auch nicht einfach zum Corona-Virus sagen: „Du kannst uns nicht töten, nur weil dieser Idiot zu dumm war, um sich an einfache Regeln zu halten. Nicht wahr?“ Alle verstummten. Keiner wusste, was er sagen solle und man las jedem im Gesicht ab, dass die Worte dieses Mannes sie völlig überrumpelt hatten. Es sah so aus, als wäre Bill nicht der Einzige gewesen, der sich nicht an die Regeln gehalten hatte.

Nach einer Weile der Stille fingen einige wieder an zu weinen. Aber diesmal bettelten sie nicht, sondern sahen ihrem Schicksal ins Auge. Sie wussten, dass sie nichts mehr an der Sache ändern konnten. Aber ich hatte mich nicht damit abgefunden. Endlich hatte ich mir etwas aufgebaut, das würde ich nicht einfach so aufgeben. Also schrie ich los. Ich hatte das Gefühl, mir meine Seele aus dem Leib zu schreien. Ich erzählte von meinem Leben und versuchte zu erklären, dass sie mich nicht einfach so töten konnten. Als ich fertig war, fing der Mann an zu lachen, was mich völlig aus der Bahn warf. War das sein Ernst? Ich wartete auf eine Erklärung, da nahm er plötzlich seine Maske ab. Es war mein Kollege Tom! Wie war das möglich? Da kam Scott zu uns. Ihm schien es sichtlich besser zu gehen. In den darauffolgenden Minuten erklärten sie uns, dass das alles nur ein Schauspiel war. Das war das große Finale gewesen. Es sollte den Menschen die Augen öffnen. Und ich glaube, das tat es auch. Mir zumindest zeigte es, wie wertvoll mir mein Leben doch war. Seit diesem Tag hatte ich mein Leben nie wieder für lächerlich gehalten. Die Reporterin Marge hatte einen Artikel geschrieben, der doch mehr Aufmerksamkeit auf sich zog als gedacht. Plötzlich wollten alle an unserem Spiel teilnehmen. Außerdem kamen weitere Reporter, die uns interviewen wollten. Es war einfach unglaublich und hat mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht.

 

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DAS RITUAL

Von Jan Lyre (7b)

 

Akt: 1

Dieses Mal sollte es das ganz große Ding werden. Die Idee dazu kam mir während der „Corona-Auszeit“, als ich wie üblich Langeweile hatte, wie die meisten meiner Freunde. Ich dachte mir, dass ich die bunten „Offenbacher Steine“, die die Kinder angemalt und auf der Schlossmauer verteilt hatten, mit ein paar Freunden einsammeln und zu einem Drudenfuß legen würde. Die Kinder sollten ein bisschen Angst bekommen und vielleicht denken, der Teufel wäre da gewesen. Wir wollten eine Art Ritual vollziehen, klang eigentlich ganz spannend. Ich hätte es nicht gemacht, wenn ich nur im Geringsten geahnt hätte, was uns, bzw. mich erwartete.

Am nächsten Abend kamen Lukas und Klara, damit wir unseren Spaß beginnen konnten. Wir stellten den ganzen Park auf den Kopf. Überall fanden wir die Steine, auf der Mauer, an den Weggabelungen und sogar in den Bäumen. Ich weiß nicht, ob es an der wolkenlosen Vollmondnacht lag oder daran, dass die Steine zum Teil unnatürlich in der Dunkelheit schimmerten. Einige schienen warm zu sein, bei einem hatte ich das Gefühl, als ob er wie ein Herzschlag pulsierte, mit Sicherheit hatte ich zu viele Gruselgeschichten in letzter Zeit gelesen.

Als wir anfangen wollten, die Steine in die Form eines Drudenfußes zu legen, wussten meine Freunde und ich nicht mehr, ob das noch der Plan war oder uns die Neugierde gepackt hatte, eine Art Ritual durchzuführen. Eine seltsame Macht hatte von uns Besitz ergriffen und wir handelten regelrecht automatisch. Das Pentagramm war beinahe fertig, als wir merkten, dass ein Sturm aufgezogen war. Der klare Vollmondhimmel war so düster und die alten Eichen bogen sich im Wind, uns lief ein kalter Schauer über den Rücken. Mir war, als ob ich eine Stimme hörte, die mich warnte weiterzumachen. Ich hielt den letzten Stein, der Stein, der wie ein Herz pulsierte und warm in meiner Hand lag. Kaum berührte der Stein die Mitte und vollendete so das Teufelszeichen, erschütterte ein gewaltiger Donnerschlag den alten Park, es wurde stockfinster um mich herum und ich hörte die Schreie meiner Freunde aus weiter Ferne.

Akt: 2

Als erstes hörte ich ein leises Knistern eines Feuers, ein seltsamer Duft von Kräutern umgab mich. Meine Augen gewöhnten sich an ein schummeriges Licht, welches von einer Feuerstelle ausging. Wo zum Teufel war ich?! Mein Herz klopfte wie wahnsinnig und ich hatte Angst, entsetzliche Angst. Plötzlich durchbrach die heisere Stimme einer alten Frau die Stille: „Hast du das Ritual beenden können? Hat dich der Meister geschickt?“

Ich sah ein altes Weib, in Lumpen gehüllt, der Gestank der von dieser Person ausging war furchtbar. Irgendetwas stimmte nicht mit ihren Armen, sie schien starke Schmerzen zu haben. Total hektisch packte sie irgendwelche Dinge in einen Sack. „Wir müssen hier weg, die Stadt verlassen, sonst werden wir brennen!“

Oh Gott, was war das hier? „…Ich weiß, du kommst aus weiter, entfernter Zeit, ich habe es gesehen, ich weiß, der Tod geht durch das Land deiner Zeit.“ Ich konnte nur zuhören und versuchte zu schlucken, da mein Hals total ausgetrocknet war, ich hatte noch immer Angst, aber die alte Frau tat mir ja nichts Böses. „Gib mir den Ritualstein, damit ich das Angefangene beenden kann, ich werde dafür deinem Volk helfen. Mich hat der hohe Rat der Stadt Frankfurt aus der Stadt gejagt, wegen Hexerei.“ Sie fuhr fort: „In den Kerker haben sie mich gesteckt und peinlich befragt, sieh dir meine Arme an, aber ich habe nichts gesagt, nichts verraten. Gib mir den Stein, die Zeit ist knapp, sonst brennen wir.“ Sie hatten sie gefoltert, würden sie holen und mich auch, ich musste hier schnellstmöglich weg. „Was gibst du mir für den Stein?“, fragte ich. „Dein Leben, die Rückkehr in deine Zeit und Rettung für dein Volk.“ Sie hielt mir einen Glaskolben entgegen, eine trübe Flüssigkeit schimmerte darin, war das die Rettung? Ich gab ihr den Stein. Die Frau nahm ihn vorsichtig in ihre Hand und der Stein pulsierte deutlich sichtbar. Ein Donnerschlag und plötzliche Dunkelheit senkten sich herab, was dann geschah, kann ich nicht genau sagen, denn tiefste Schwärze umgab mich.

Meine Freunde rüttelten mich, ich war wieder im Schlosspark. Dann bemerkte ich die Glasflasche in meiner Hand, fest umklammert hielt ich sie, es war also kein Traum…

Wir rannten so schnell es ging fort von diesem unheimlichen Ort, fort von dem Drudenfuß. Sollte der Inhalt tatsächlich eine Medizin sein, die „mein Volk“ retten würde? Eine Medizin, die gegen dieses neue Virus half? Ich wusste, in Frankfurt gab es im Mittelalter Hexenverbrennungen, aber oft wurden Frauen auch außer Landes gejagt. War diese Tinktur hier wirklich der Durchbruch? Tage später fasste ich meinen ganzen Mut zusammen und brachte das Zeug zur Untersuchung in ein Labor. Dann geschah das Unglaubliche, das Zeug tötete tatsächliche das Virus, es war einfach unglaublich und hat mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht.

Diese Geschichte wurde von der Jury auf den 3. Platz der Jgst. 7 gewählt.

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EINE GROSSARTIGE ERFINDUNG

Von Jakob Spatz (7e)

 

Dieses Mal sollte es das ganz große Ding werden… Die Idee dazu kam mir während der Corona-Auszeit, in der wir Home-Schooling hatten und unsere Freunde nicht treffen konnten. Deshalb war mir stinklangweilig. Aber manchmal ist Langeweile der Schlüssel zu genialen Ideen.

Jeden Abend unterhielten sich meine Eltern darüber, dass Corona uns wahrscheinlich noch lange beschäftigen wird, vor allem, da wir noch keinen Impfstoff hatten. Sie überlegten auch, ob wir dieses Jahr überhaupt in die Ferien fliegen könnten. Ich konnte es nicht mehr hören…

Es war wieder einer dieser üblichen Homeschooling-Tage. 8:30 Uhr – meine Eltern waren schon zur Arbeit gegangen, meine Mutter zum Krankenhaus und mein Vater zu seinem Labor. Die hatten’s gut! Ich musste Schulaufgaben machen, aber zum Glück nur Kunst und Chemie. Das sind meine beiden Lieblingsfächer, zusammen mit Mathe. Deutsch mag ich nicht so, weil ich eine Lese-Rechtschreibschwäche habe.

Ich arbeitete bis zum Nachmittag und mir war schon wieder ultralangweilig! Ich lag in meiner Hängematte und fragte mich, wann ich wieder in die Schule gehen könnte, und auf einmal kam mir eine geniale Idee! Also, zuerst musste ich zum Krankenhaus. Aber schnell! Es war schon 17:00 Uhr. Ich flitzte zur Garage und holte mein Elektrisches Longboard, dann raste ich mit 30 km/h zum Krankenhaus, aber ich durfte nicht gesehen werden. Zum Glück hatte ich dank meiner Mutter einen Schlüssel zum Arzteingang. Als ich gerade reingehen wollte, kamen zwei große Männer aus der Tür. Ich konnte mich noch in letzter Sekunde hinter einem grauen Auto verstecken. Fünf Minuten später stand ich drinnen vor der Tür mit der Aufschrift „BETRETEN VERBOTEN!“ Langsam drückte ich die Türklinke runter. Was für ein Glück! Die Tür war offen und mir wurde leicht ums Herz. Ich betrat den Raum: Regale über Regale voller Reagenzgläser mit Blutkonserven. Ich suchte nach dem Gläschen mit der Aufschrift „HERR MEYER“. Als ich es endlich entdecke, freute ich mich riesig. Ich steckte es in meinen Rucksack. Aus einem anderen Raum, der zwar verschlossen war, aber in dessen Tür mein Schlüssel passte, nahm ich noch ein paar Medikamente mit.

Als das erledigt war, fuhr ich wieder nach Hause und ging in den großen und immer kalten Keller, wo sich mein kleines Labor befindet. Ich holte mein Mikroskop, aber ich stolperte über das Kabel und es fiel mir hin. Es war komplett kaputt. Ich brauchte eine halbe Stunde, bis ich das von meinem Vater gefunden und in mein Labor getragen hatte. Es war 18 Uhr 30 und ich tat einen kleinen Tropfen von dem Blut von Herrn Meyer auf den Objektträger, dann betrachtete ich ihn aufmerksam durch das Mikroskop und sah genau das, was ich erwartet hatte. „Da sind sie ja!“, rief ich aus. Ich gab ein bisschen von dem Blutdrucksenker, den ich aus dem Krankenhaus mitgenommen hatte, zu dem Blut. Es geschah nichts. Beim fünften Medikament veränderte sich die Struktur ein bisschen, aber nicht so, wie ich es wollte. Aber beim neunten Medikament geschah genau das, was ich erhofft hatte. „Ich habe es geschafft!!!“, jubelte ich.

Ich wischte das Blut weg, tat einen neuen Tropfen auf den Objektträger und gab wieder das neunte Medikament dazu. Es geschah – nichts. Nun, ich seufzte und setze mich auf den coolen Drehstuhl, den mir mein Vater zum Geburtstag geschenkt hatte. Ich grübelte und grübelte – eine gefühlte Ewigkeit. Dann kam mir eine Idee: Vielleicht musste ich ja das neunte Medikament mit allen anderen mischen? Doch auch das brachte nichts … So ein blöder Mist! Und jetzt? Ein letzter Einfall blieb mir noch: Das fünfte Medikament mit dem neunten Medikament mischen. Und siehe an – es klappte! Mir fiel ein Stein vom Herzen.

Ich sprintete nach oben ins Haus und suchte meine Mutter. Als ich sie nicht finden konnte, rief ich sie an und sagte ihr, dass ich etwas ganz Tolles herausgefunden hatte. Sie versprach, dass sie in zwanzig Minuten bei mir sein würde. Als sie endlich da war, zerrte ich sie ungeduldig in mein Labor und zeigte ihr meine Ergebnisse. Sie fragte mich, was das sei, und ich antwortete ihr, dass ich das Blut von Herrn Meyer, der ein Patient meiner Mutter gewesen und an Corona gestorben war, genommen und verschiedene Medikamente dazugegeben hatte – und bei der Mischung von zweien waren die Corona-Viren zerstört worden. Das heißt: Ich hatte einen Impfstoff erfunden!

Meine Mutter war sprachlos und überprüfte die Ergebnisse noch dreimal mit mir. Sie waren immer positiv. Wir schrieben die Formel, Ergebnisse und alle wichtigen Infos auf. Und als wir um 5 Uhr morgens fertig waren, lobte mich meine Mutter ziemlich. Um 7 Uhr fuhren wir zum Bundesgesundheitsministerium und legten ihnen unsere Fakten vor. Sie waren zwar zuerst ziemlich skeptisch, aber als wir ihnen unsere Ergebnisse vorführten, wurden sie immer überzeugter und wurden ultrafroh! Sie berichteten es den öffentlichen Medien und ich war sogar im Fernsehen. Es war einfach unglaublich und hat mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht.

 

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DIE WELT VON MORGEN

Von Sophia Bauch (7h)

 

Diesmal sollte es ein ganz großes Ding werden, die Idee dazu kam mir während der Corona Auszeit, als ich mal wieder gelangweilt auf meinem Bett saß und mir meinen Lieblingsfilm zum X-ten mal anschaute. Dabei dachte ich an eine Idee, die mich schon seit langem verfolgte. Wie wäre es mit einem selbst programmierten Videospiel? Die Grundlagen dafür hatte ich bereits während einer Projektwoche der Schule erlernt. Plötzlich tauchte ein Link direkt vor meiner Nase auf. Er bot mir ein Spiel an, welches mich auf eine bizarre Weise anzog, was komisch war, da ich normaler Weise an meinen Spielgewohnheiten festhielt und sie eher selten einfach so ablegte. Dennoch beschloss ich, auf den Link zu klicken. Er leitete mich auf eine eher düster gestaltete Seite weiter. Auf der Seite waren vier Namen abgebildet: Kaja, Castor, Tristan und Nash. Neben jedem Namen war ein Symbol zu sehen. Neben Kaja ein Bogen, neben Castor ein Degen, neben Tristan eine geballte Faust und neben Nash, neben Nash war verwunderlicher Weise kein Symbol abgebildet. Ich wollte die Seite schon verlassen, aber es ging nicht, immer wieder wurde ich auf die Seite mit den Spielern zurückgeleitet. Also wählte ich einen Spieler aus. Ich entschied mich für Kaja. Doch ehe ich mich versah, war die Seite auch schon wieder verschwunden. „Komisch“, dachte ich mir. Auf einmal fiel mir auf, wie dunkel es geworden war. Ich beschloss, schlafen zu gehen. Ich schlief nicht lange in dieser Nacht, eher unruhig und viel zu wenig.

Ich wurde am nächsten Tag von der Sonne geweckt, dennoch fühlte es sich anders an, irgendwie fremd. Als ich versuchte, meine Augen zu öffnen, schien mir die Sonne direkt ins Auge, weshalb ich mich zur Seite drehte. Es dauerte ein wenig, bis sich meine Augen wieder an das Tageslicht gewöhnten. Als ich wieder sehen konnte, traute ich meinen Augen kaum. Ich lag auf einem altem Holzbett in einer kleinen schäbigen Hütte ohne jegliche Fenster. Nur durch ein paar Löcher im Holz drang etwas Tageslicht zu mir durch. Auch sonst sah es nicht gerade gemütlich oder einladend aus. Von der Decke hingen Spinnenweben und auf den Dielen lag altes Laub. Plötzlich bemerkte ich einen Rucksack und einen Bogen. Plötzlich lief mir ein kalter Schauer über den Rücken und ich erkannte wo ich war. Ich war im Spiel! „Das konnte nicht sein…“, dachte ich mir. Auf einmal schossen mir tausende Fragen durch den Kopf: „Wie konnte so etwas sein? Oder noch besser: Wie war ich hierhergekommen?“ Noch bevor ich weiter denken konnte, wurde ich von einem schrillen Schrei unterbrochen. Ich zuckte zusammen, dabei fielen mir ein paar Haare über die Schulter, in mein Gesicht. Ich erwartete natürlich meine normalen Haare, dennoch wurde ich mal wieder überrascht, denn statt meiner blonden, schulterlangen Haare fand ich jetzt einen streng gebundenen Pferdeschwanz mit allem anderen als meiner Haarfarbe vor. Meine Haare waren nun fuchsrot.

Und auch an dem Rest meines Körpers hatte sich einiges verändert. Normalerweise war ich 1,59m groß und 14 Jahre alt, aber jetzt schien es, als wäre ich 15-16 und mindestens 1,78m groß. Plötzlich riss mich ein weiterer Schrei aus meinen Gedanken. Instinktiv packte ich den Rucksack und den Bogen und verließ die Hütte. Ich befand mich nun im tiefsten Dschungel, überall waren riesige Bäume zu sehen, diese beachtete ich allerdings nicht. Das einzige, was ich wollte, war dem Schrei zu folgen. Nach nur wenigen Metern gelangte ich an einen riesigen Baum, wo ich zu meiner Verwunderung drei Jungs sah. Sie alle waren 15-16 Jahre alt. Nach einigen Sekunden realisierte ich dann, dass es die anderen Spieler waren. Noch bevor ich weiterdenken konnte, hatten sie mich bereits entdeckt. Einer der Jungen raste mit gezücktem Degen auf mich zu. Der andere hingegen kam langsam auf mich zu. Er sah mich mit einem durchdringenden Blick an. Es schauderte mich, mit welcher Boshaftigkeit er mich ansah. Dann war noch der dritte Junge, welcher kopfüber an einem Seil hing. Auf einmal waren die beiden nähergekommen. Sie wollten mich gerade packen, als sie meinen Bogen sahen, ließen sie langsam von mir ab.

Der eine fragte mich: „Bist du Kaja?“ Bevor ich antworten konnte, wurde ein Bild in den Himmel projiziert. Es zeigte einen Tempel. Wie aus dem nichts ertönte eine Stimme: „Guten Abend.“ Dabei war es noch gar nicht Abend. Doch ehe ich mich versah, wurde es auf einmal dunkel. Es war nun Nacht. Die Stimme sprach weiter: „Ihr könnt euch sicher denken, warum ihr hier seid. Nein? Wir sind ihr aus der Zukunft. Wir haben versucht, mit euch Kontakt aufzunehmen. Wir wollen euch die Welt zeigen, wie sie aussehen wird, wenn ihr sie nicht rettet. Brecht also Richtung Süden auf, dort werdet ihr auf diesen Tempel hier treffen, welcher gerade am Himmel zu sehen ist. Viel Glück.“ Die Projektion verschwand wieder so plötzlich, wie sie gekommen war. „Was zu Hölle war das?“, fragte Nash, welcher immer noch kopfüber am hing. Ich lief zu ihm und machte ihn los. Er bedankte sich kurz und stand nun vor mir. Er war nicht wirklich größer als ich. Er sah mich mit einem kurzen Lächeln an und wandte sich dann den anderen beiden zu. Tristan, der bis jetzt nicht gesprochen hatte, meldete sich zu Wort: „Ich weiß, was die Stimme meinte. Wir sollen uns auf eine gefährliche Reise begeben, die garantiert in den Tod führt. Ist ja super.“ Auch Castor blickte nicht gerade freundlicher drein. Ehe ich mich versah, lief Tristan auch schon los. Castor hinterher. Langsam setzten Nash und ich uns auch in Bewegung.

Wir liefen nicht lange. Es kam mir allerdings wie eine Ewigkeit vor, während niemand auch nur ein Wort gesagt hatte. Der Tempel lag auf einem großen Hügel, welchen man mit Hilfe einer großen Steintreppe erreichen konnte. „Dann mal los“, sagte ich und setzte einen Fuß vor den anderen. Mit jeder Stufe wurde es immer kühler. Ich merkte, dass Castor seinen Degen gezückt hatte, also nahm ich meinen Bogen und spannte einen Pfeil auf. Im Tempel war es ruhig. Plötzlich zuckte Castor zusammen. Wie von der Tarantel gestochen stach er mit seinem Degen ins Nichts. Er schien gegen etwas Unsichtbares zu kämpfen. Nach wenigen Augenblicken schrie Castor auf und fiel zu Boden. Er schien verletzt, doch er raffte sich wieder auf und schien – was auch immer da zu sein vermochte – den finalen Degenstich zu verpassen. Langsam drehte er sich zu uns um und sagte: „Es ist weg!“ Noch bevor wir irgendetwas sagen konnten, standen wir in einem neuen Raum. Überall waren Hebel und Schalter zu sehen. “Seht mal, was hier steht!“, rief Tristan. „Es gibt viele Hebel und Schalter doch nur einer führt zum Glück. Doch gebt Acht, meist steht die Lösung in den Sternen“, las ich laut vor. Was hatte das zu bedeuten? Plötzlich hatte ich eine Idee. Der Himmel. Instinktiv blickte ich hoch und tatsächlich hing an der Decke ein Schalter. „Seht mal, was ich gefunden habe!“, rief ich den anderen zu. „Leider kommt aber niemand dort oben ran“, erwiderte Castor. Ich hatte bereits meinen Bogen gespannt und schoss einen zielgerichteten Pfeil auf den Schalter, es klappte und ehe ich mich versah, standen wir im bereits drittem Raum. Es war dunkel. Es war still, bis auf ein leises Brummen. Auf einmal trat ein Bär aus der Dunkelheit hervor und bäumte sich vor uns auf. Tristan hatte sich bereits sie Ärmel hochgekrempelt und ging auf ihn zu. Doch der Bär fand es gar nicht lustig. Er stürzte auf Tristan zu, bäumte sich ein weiteres Mal auf und holte mit seinen schweren Pranken aus. „Nein!“, rief Nash, rannte in Richtung Bär und trat ihn mit voller Wucht. Der Bär ließ von Tristan ab und riss Nash zu Boden. Dann ertönte ein qualvoller Schrei und dann Stille. Der Bär verschwand und Nash auch. Sie waren einfach weg, stattdessen war jetzt ein Pult mit einer Schriftrolle zu sehen. Ich nahm sie und las laut vor: „Herzlichen Glückwunsch, ihr habt es geschafft. In dieser Schriftrolle findet ihr Antworten auf das neuartige Böse, welches die Welt zurzeit befällt.“ Kaum hatte ich zu Ende gelesen, war ich wieder in meinem Zimmer.

In der Hand hielt ich einen Umschlag. Er beinhaltete einen Brief und einen USB-Stick. Ich öffnete den Brief und las: „Liebe Kaja, wir hoffen, du bist wieder gut zuhause angekommen. Nach deiner Abreise fanden wir Nash vor dem Tempel vor. Für uns war es leider noch nicht an der Zeit zu gehen. Aber wir hoffen, dass du die Welt vor dem neuartigen Bösen beschützen kannst. Mit vielen Grüßen, Nash, Castor, Tristan.“ Das neuartige Böse… Ich wusste natürliche, dass damit der Virus gemeint war. Also beschloss ich, mir den USB-Stick anzuschauen. Er beinhaltete Forschungsunterlagen, welche garantiert Aufschluss bringen würden, um ein Gegenmittel herzustellen. Ich beschloss, die Daten der Welt zu zeigen, es war einfach unglaublich und es hatte mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht.

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DIE MELODIE

Von Miriam Zahau (8d)

Dieses Mal sollte es das ganz große Ding werden. Die Idee dazu kam mir während der Corona-Auszeit. Hastig stieg ich aus dem Bett und schnappte nach meinem Smartphone, um meinem engsten Freund Liam zu schreiben, dass er mich besuchen solle, sobald er wach geworden war. Seit vielen Wochen arbeiteten wir bereits an einem Song, welchen wir gemeinsam herausbringen möchten und da wir nun einiges an Zeit hatten, kam mir die großartige Idee, ein ganzes Album zu produzieren.

Seufzend legte ich mein Smartphone beiseite und blickte aus dem Fenster. Auf den Straßen unserer Großstadt, die sonst immer prächtig gefüllt waren, herrschte Ruhe und man konnte draußen nur einzelne Menschen sehen. Kopfschüttelnd wandte ich den Blick ab und begab mich ins Badezimmer, um mich frisch zu machen. Während dem Zähne-Putzen blickte ich in den Spiegel, nur um von meiner eigenen Reflexion angestarrt zu werden. Ungekämmte braune Haare und Anzeichen von dunklen Augenringen. Der Mangel an Schlaf machte sich so langsam bemerkbar, doch wirklich übel nehmen konnte man mir das, nach den Geschehnissen, die sich vor mittlerweile knapp zwei Monaten zugetragen haben, nicht.

Der effektivste Weg, einen Verlust zu verarbeiten, ist sich ein letztes Mal intensiv damit auseinander zu setzen. Dass ich diese Methode benutzen musste, um zu lernen, wie man mit einem weiteren Verlust klarkommt, hätte ich nicht erwartet.

Wieder in meinem aufgeräumten Zimmer angekommen, fiel mein Blick auf das eingerahmte Bild auf meinem weißen Schreibtisch. Drei breit grinsende Gesichter blickten mir entgegen und die warmen Farben des Bildes hinterließen ein mulmiges Gefühl in mir. Seufzend nahm ich das Bild in die Hand und strich behutsam mit dem Daumen über das Gesicht des Jüngsten unserer ehemaligen Freundesgruppe.

Lex war vor zwei Monaten ohne weitere Notiz weggezogen und besonders Liam hatte es schwer getroffen, da die beiden immer eine ausgeprägte Beziehung zueinander hatten. Von ihrer Art her konnten sie nicht unterschiedlicher sein, doch genau diese Eigenschaften haben den jeweils anderen ergänzt. Liam war eine introvertierte Person, welche es präferiert in seinem Zimmer zu sitzen und zu musizieren. Im Gegensatz zu dem Rothaarigen mochte er es nicht, im Mittelpunkt zu stehen und mit anderen Menschen zu sozialisieren.

Liam und ich planten, unsere Gefühle in Worte zu fassen und den Song Lex zu widmen und damit abzuschließen. Uns beiden war wohl bewusst, dass die Wunde, welche Lex hinterlassen hatte, keineswegs vollständig heilen würde, doch wir hatten vor, uns wenigstens mit einem Lächeln an die alten Zeiten zurückzuerinnern.

Plötzlich ertönte das Klingeln meiner Haustür und riss mich aus meinen Gedanken. Sorgfältig setzte ich das Bild wieder auf seinen ursprünglichen Platz und öffnete dem Größeren die Tür. „Du siehst schrecklich aus“, kommentierte ich sein Aussehen augenblicklich und verschwand in unserem sogenannten „Home Studio“. Im Unrecht lag ich nicht, da seine Augen dunkle Augenringe zierten und er sich nicht einmal die Mühe gemacht hatte, sich umzuziehen. „Danke“, gab er nur leise von sich und folgte mir, „Es ist nicht einfach, das alles zu verdauen, Lilith.“

Sofort setzte sich Liam an den Laptop und begann leise eine Melodie zu summen, die ich nicht identifizieren konnte, welche er jedoch oft vor sich her summte. „Was ist das für eine Melodie?“, wollte ich wissen und legte dabei den Kopf schief. Womöglich ein Song, den er auf sein SoundCloud hochladen möchte. Er war mit seinen Songs bereits mehr oder weniger bekannt. Der Blonde, jedoch, zuckte simpel mit seinen Schultern und begann die altbekannte Melodie unseres Songs auf dem Keyboard zu spielen. Und so arbeiteten wir stundenlang an dem Song, bis ich eine kleine Pause einforderte, bevor wir noch kollabieren würden. Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet mir, dass wir etwa 20 Uhr hatten.

„Lily, kannst du mir bitte ein Glas Orangensaft bringen?“, bat mich Liam lieb lächelnd. Seufzend nickte ich kurz, stand auf und bewegte mich Richtung Küche. In letzter Zeit lächelte Liam nicht mehr so, wie ich es gewohnt war. Ein mulmiges Gefühl breitete sich in mir aus, doch ich schob es auf die Sorgen, die ich mir um den Jüngeren machte.

Schnell füllte ich zwei Gläser mit Orangensaft und machte mich wieder auf den Weg zurück. Wieder im Zimmer angekommen, nahm mir Liam sein Glas dankend ab und nippte an seinem Getränk. „Hör mal, Liam… bald ist sein 17. Geburtstag. Wir könnten es an seinem Geburtstag uploaden. Als Geschenk sozusagen.“ Der Angesprochene war nie wirklich ein Mann vieler Worte, weshalb sein zustimmendes Brummen mich nicht irritiert hatte. Andererseits war das auch sehr untypisch, denn er war normalerweise gesprächiger als sonst. Erneut seufzend schob ich das auf den Verlust unseres Freundes und dass diese Reaktion womöglich völlig normal war. Liam würde sich bald wieder einkriegen und solange müsste ich ihn mental dabei unterstützen.

„Lily, versprich mir, dass wir dieses Album rausbringen. Egal was passiert“, meinte Liam plötzlich mit einem festen Unterton, welcher mich leicht erschaudern ließ. Leicht nickte ich und legte mein Glas beiseite, nachdem ich einige Schlucke daraus getrunken hatte. Vorsichtig nahm ich den zerbrechlichen Jungen vor mir in den Arm und legte den Kopf auf seine Schulter. „Ist alles okay, Liam?“, vergewisserte ich mich besorgt und bekam ein leichtes Nicken als Antwort. „Danke, wirklich, danke für alles“, wisperte Liam und drückte mich enger an ihn. Sanft lächelnd schloss ich die Augen: „Dafür sind Freunde doch da.“ Nachdem er mich losgelassen hatte, arbeiteten wir weiter, bis ich irgendwie am nächsten Morgen aufschreckte.

Sofort setzte ich mich auf und scannte den Raum ab. Vor einer Sekunde saß ich noch mit Liam am Laptop und in der nächsten Sekunde wachte ich auf meinem Bett auf. Verwirrt, und auch ein wenig panisch, schlug ich die Decke beiseite und sprang aus dem Bett. Die Erinnerungen an letzte Nacht waren vollkommen verschwommen. Ich erinnerte mich nur daran, die Sachen auf seinen USB-Stick gezogen zu haben. Apropos USB-Stick, wo hatten wir diesen abgelegt?

Dass ich in meinem Zimmer aufgewacht war, konnte nur heißen, dass mich Liam ins Bett gebracht hatte und dass er womöglich wieder zu Hause war. Meine Füße brachten mich wie von Zauberhand in unser Arbeitszimmer. Das mulmige Gefühl von gestern erfüllte erneut meinen gesamten Körper und meine Augen scannten den Raum nach etwas Ungewöhnlichem ab. Kein Anzeichen von Liam oder sonst irgendwas Verrücktem. Womöglich bildete ich mir das alles nur ein und das alles war nur ein absurder Traum.

Tief atmete ich ein und versuchte vergebens das Beschleunigen meines Herzschlags zu verlangsamen. Wir dürften diesen Stick nicht verloren haben, alles, was wir bisher geschafft haben, war darauf gezogen und viele andere bedeutsame Dinge ebenfalls.

Plötzlich sah ich etwas silbriges in den Pfoten meiner Katze, welche es sich in der Ecke meines Zimmers bequem gemacht hatte. Schnell griff ich danach und atmete erleichtert aus, als ich merkte, dass das der USB- Stick war. Doch das unbehagliche Gefühl schien mich nicht verlassen zu wollen und so machte ich mich schleunigst auf den Weg zu Liam.

Vor seinem Gebäude angekommen, erblickte ich verwundert einen Rettungswagen und zog meine Augenbrauen zusammen. Mit dem Hintergedanken Liam zu fragen, ob er etwas wusste, betrat ich das Gebäude und zuckte stark zusammen, als ich das hysterische Kreischen einer Frau registrierte.

Vorsichtig trat ich näher an das Geschehen ran und stellte fassungslos fest, dass sich die Einsatzkräfte in der Wohnung von Liam befanden. Mein Herz stand still und das Blut gefror mir in den Adern. Tausende Szenerien bildeten sich in meinem Kopf und mein Körper begann zu zittern. „W-Was ist hier passiert…?“, hauchte ich entgeistert. Meine Stimme war genauso am Zittern wie mein gesamter Körper auch.

„Lilith! Oh Gott, wie froh ich bin, dich zu sehen!“, rief Liams Mutter und erklärte mir, wie sie ihn leblos in seinem Bett vorgefunden hatte. Anscheinend solle er im Schlaf von uns gegangen sein. Wie paralysiert starrte ich auf den Boden und unterdrückte die aufkommenden Tränen. Das durfte nicht wahr sein, es konnte einfach nicht wahr sein.

Wie in Zeitlupe sah ich zu, wie sie Liam auf einer Liege in den RTW transportierten und er ins Krankenhaus gefahren wurde. Ganz klar konnte ich sehen, wie sich der Mund seiner Mutter bewegte, doch ich konnte kein einziges Wort hören. Es fühlte sich so an, als würde ich langsam ertrinken und alles wäre taub.

Den Schmerz, den ich fühlte, nutzte ich um ihn in einen Song zu verpacken. Diesen Song wollte ich Liam widmen, die zweite Person, die mir sehr nah stand und mich verlassen hatte. Die Melodie, die er immer zu summen schien, verarbeitete ich mit ein und so vergingen die nächsten Wochen. Einsam, kalt und wie paralysiert.

Den Song brachte ich schlussendlich mit den zuvor produzierten Songs mit Liam auf seinem SoundCloud heraus und informierte alle seine Fans per Social Media. Ungläubig starrte ich nach dem Release auf die ganzen Nachrichten, die mich für meine Stärke und mein Talent komplimentierten. Viele Leute boten mir ihre Hilfe an und teilten ihre Erfahrungen untereinander. Die Wunden würden niemals vollständig heilen, aber man kann lernen, damit umzugehen. Es war einfach unglaublich und hat mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht.

Diese Geschichte wurde von der Jury auf den 1. Platz der Jgst. 8/9 gewählt.

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DER ERFINDER DES HUGGERS

Von Marie Wölte (9b)

 

„Dieses Mal sollte es das ganz große Ding werden. Die Idee dafür kam mir während der Corona-Zeit.“ Wie oft habe ich den Beginn der Geschichte von meinem Opa schon gehört. Er erzählte sie jedem, der sie hören und nicht hören will. Wie mein Opa, der einfache Junge vom Land, berühmt wurde, in jener Zeit – der Corona-Pandemie in den frühen 2020er Jahren. Und ja, wir wissen es, berühmt ist er heute immer noch. Jeder Erwachsene und jedes Kind kennt seinen Namen.

Die Corona-Pandemie brach schleichend aus. Zuerst hatten die Menschen keine genaue Ahnung, wie sich das Virus übertrug. Nach und nach war klar, dass es von Mensch zu Mensch über den Atem übertragen wurde. Erst langsam begannen die Menschen, Abstand voneinander zu halten. Die Regierung musste sie dazu mit Verordnungen zwingen. Könnt Ihr Euch vorstellen, dass die Menschen, als mein Opa ein Kind war, einander ständig umarmt haben? Wenn man einander begrüßte, wenn man sich voneinander verabschiedete, nahm man sich in den Arm, und gab sich dazu noch Küsschen! Oder wenn die Leute weinen mussten, wurden sie von einem anderen getröstet, indem sie in den Arm genommen wurden. Wie unvernünftig das war! Man konnte zu der Zeit schon zum Mond fliegen, aber die Menschheit wusste noch nicht, dass sich das Virus bei jeglicher Art des Körperkontaktes übertrug. Mütter und Väter nahmen ihre Kinder oft auf den Arm, trugen sie herum – allein diese Vorstellung, sein Kind so in Gefahr zu bringen, ist doch absurd! (Mein Opa erzählt auch immer, dass die Menschen damals sich auf ganz komische, heute unvorstellbare Art fortpflanzten.)

Schien am Ende des Jahres 2020 das Schlimmste überstanden, brach die Pandemie erneut im Jahr 2121 aus. Und, wie wir alle wissen, starben die Menschen auf einmal in Massen. Es war schlimmer als die Pest im Mittelalter. Mein Opa war 14 Jahre alt und sah ganz viele Menschen um ihn herum sterben. Nur er überlebte, und sein Vater. Sie waren Nicht-Umarmer – sie hatten das Umarmen nie gemocht, aber sie gehörten zu den wenigen, denen es so ging. All die Umarmer, vor allem die Viel-Umarmer starben. Die Nicht-Umarmer und die Menschen, die man damals Autisten nannte und die heute unsere RationalistenRegierung bilden, überlebten. Von den Wenig-Umarmern überlebten einige, denn sie lernten, nicht mehr zu umarmen. Aber sie litten, denn sie brauchten das Umarmen. Manche waren so verzweifelt, dass sie lieber sterben wollten, als nicht zu umarmen.

Mein Opa war schon als Kind ein Tüftler gewesen. Er war manchmal wochenlang in der Garage seines Vaters verschwunden, um die dollsten Maschinen zu bauen. Einmal hatte er einen kleinen Hunderoboter gebaut. Er durfte nie einen Hund haben, also baute er sich einen, als er sieben Jahre alt war. Leider wurde der Hund beim ersten Gassi-Gang von einem anderen Hund angegriffen und zerbissen.

Im Jahr 2121 kam ihm dann die Idee, eine Umarmungsmaschine zu bauen, für diejenigen, die Umarmungen noch brauchten. Mein Opa erzählt dann von dem Nachbarsmädchen, das so unglücklich war, dass es von seinen Eltern nicht mehr in den Arm genommen werden durfte. Er aber mochte das so Mädchen sehr, dass er ihr helfen wollte und vor allem wollte er nicht, dass sie Umarmungsdummheiten machte. Also baute er eine Umarmungsmaschine für sie. Sie war auf einem fahrbaren Holzständer angebracht und hatte einen mit Lammfell ausgepolsterten Korpus und „Arme“. Es war das erste Modell dieser Art – natürlich war es klobig, nicht zusammenfaltbar, und schon gar nicht programmierbar. Aber immerhin war es höhenverstellbar. Es war natürlich gar kein Vergleich mit all den „Hugger“-Modellen, die wir heute kaufen können. Ich staune immer, wenn ich ein Exemplar dieser klobigen Dinger im Museum sehe und frage mich, wer denn davon umarmt werden wollte. Aber wahrscheinlich waren die überlebenden Wenig-Umarmer so verzweifelt, dass sie alles nahmen. Schon bald wollten alle aus der Familie des Nachbarmädchens eine eigene Umarmungsmaschine haben. Und mein Opa baute und baute – er musste ja nicht zur Schule! Eines Tages beauftragte die neue Regierung, die aus Nicht-Umarmern und Rationalisten bestand, meinen Opa eine große Firma aufzubauen, um mehr Maschinen herzustellen. Alle Wenig-Umarmer im Volk sollten „Hugger“ bekommen. Es sollte „Hugger“ für Groß und Klein, für Jung und Alt, für Neugeborene und für Sterbende geben. So, wie wir es heute eben kennen. Und so beendet mein Opa seine Geschichte immer mit dem Satz „Es war einfach unglaublich und hat mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht.“

Was er bei seiner Geschichte aber immer verschweigt ist, dass ihm die Berühmtheit eigentlich egal war. Viel wichtiger war ihm, dass er das Nachbarmädchen so glücklich gemacht hatte, dass es sich in ihn verliebte und ihn heiratete. Das Nachbarsmädchen ist also meine Oma. Wann immer ich zu meinen Großeltern gehe, kann ich den ersten „Hugger“ der Welt sehen und bin mächtig stolz. Meine Oma benutzt ihn heute noch. Dank meines Opas hat die Menschheit überlebt.

Diese Geschichte wurde von der Jury auf den 3. Platz der Jgst. 8/9 gewählt.

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ALL-IN

Von Vincent Müggenburg (9b)

 

Dieses Mal musste es das ganz große Ding werden. Die Idee dazu kam mir während der Corona-Auszeit. Mein Name ist Bennett, Bennett Johnson und ich bin 32 Jahre alt. Ich lebe im Nord-Osten Amerikas, in einer kleinen Provinz-Stadt namens Aphton. Was mich finanziell über Wasser hält, ist mein Beruf als Testfahrer für eine Tuningfirma. Es ist mein absoluter Traumjob und ich brenne regelrecht dafür, weil ich Autos, die neu auf den Markt kommen, an ihre Limits bringen darf. Doch wegen der aktuellen Krise werden kaum noch Autos verkauft, was wiederum bedeutet, dass ich keine Fahrzeuge mehr testen kann. Unser Unternehmen ist kurz davor, Insolvenz anmelden zu müssen, weshalb es jetzt im wahrsten Sinne des Wortes die Handbremse ziehen muss und sämtliche Angestellten feuert, die nicht unmittelbar „system-relevant“ sind. Darunter meine Wenigkeit. Nun brauche ich dringend Geld für die Wohnung. Mittlerweile hänge ich schon zwei Mieten hinterher und bei der Dritten heißt es: „Tschüss Wohnung und hallo Straße“. Ich muss also an Geld kommen – nein, ich muss schnell an Geld kommen.

Ich ging in meinem Kopf noch einmal alle Möglichkeiten durch, um wirklich sicher zu gehen. Aber mir fiel beim besten Willen nichts ein, wenn ich nicht kriminell handeln wollte. Finanzielle Unterstützung von Freunden und Familie schieden aus: Mein einziger, echter Freund, Tom, steckte ebenfalls bis zum Hals in Schulden und meine einzige Familie war ein Waisenhaus gewesen. Nach längerem Ringen mit mir selbst, entschloss ich mich also, mein Restgeld (ca. 800$) von der Bank abzuheben und mich mit meinem gesamten Vermögen in die nächstgelegene Bar zu begeben, um mir dort etwas Mut anzutrinken.

Das Einzige, womit ich in jüngster Vergangenheit außer durch meinen Auto-Job etwas Geld verdient hatte, war das Glücksspiel. Hin und wieder gewann ich beim Poker in dieser miesen kleinen Bar hier ein recht passables Taschengeld. Aber sollte ich in einer solchen Situation alles auf „eine Karte“ setzten? Und wann würde sich dazu überhaupt wieder die Möglichkeit ergeben?

„Ein Glas von dem ältesten Whiskey, den ihr habt, bitte!“ Der Barkeeper schaute mich etwas mitleidig an und fragte; „Sonst noch irgendwas? “ Schmunzelnd antwortete ich: „Ein bisschen Glück und hohe Einsätze vielleicht“. „Glück kann ich Ihnen leider nicht versprechen, aber hohe Einsätze kriegen Sie mit Sicherheit am Pokertisch in der Wallstreet 15. Da spielen heute Abend die einflussreichsten Leute von ganz Aphton. Aber Sie müssen sich beeilen, wenn Sie dort noch einsteigen wollen; die beginnen heute pünktlich um 22:30 Uhr.“ Etwas überrascht über diese unerwartete „Chance“ überlegte ich eine Weile. Sollte ich es wirklich riskieren? Doch dann verspürte ich plötzlich dieses bestimmte Gefühl. Einerseits beängstigend und bedrohlich, aber andererseits reizvoll und fesselnd. Kurzerhand exte ich den Whiskey, legte dem Barkeeper 20$ auf den Tresen, nahm meine Jacke und machte mich auf ins große Abenteuer. Beim Hinauseilen rief ich ihm noch aufgewühlt zu: „Danke für den Whiskey und den…den Tipp!“

Außerhalb der Bar schaute ich auf meine Uhr am Handgelenk und rechnete im Kopf die verbleibende Zeit aus. Es war 22:25 Uhr, mir blieben genau 5 Minuten und das zu Fuß, um zur Wallstreet zu gelangen, die ein gutes Stück von hier entfernt mitten im Zentrum lag.

In vollem Tempo rannte ich die Straßen hinunter, über rote Ampeln und abgesperrte Fußwege. Das Einzige, was jetzt zählte, war das rechtzeitige Ankommen. Ich spürte, wie mit jedem Schritt mein Atem schwerer wurde und meine Beine langsamer. In der Ferne sah ich bereits die Nummer 15, doch was machten die Türsteher da? „Verdammt“, sie waren in diesem Augenblick dabei, den Eingang zu schließen. Ich brüllte von weitem: „Stopp, warten SIE“! Die Männer hörten mein Rufen, zögerten eine Sekunde und ließen mich, inzwischen völlig außer Atem, dann doch noch eintreten. Drinnen angekommen holte ich erst einmal tief Luft, bevor ich überhaupt in der Lage war, im Halbdunkel etwas wahrzunehmen. Allem Anschein nach befand ich mich jetzt in einem privaten Casino mit einem großen Pokertisch und einer kleinen Bar mit Tresen. Die Herrschaften trugen alle feine Anzüge und prächtigen Schmuck. Insgesamt zählte ich – ohne mich und die Türsteher – vier ältere Gentlemen, zwei davon in weiblicher Begleitung. Einer dieser vier löste sich aus ihrer Stehrunde und kam mir entgegen. Er holte ein Feuerzeug aus seiner schwarzen Snooker-Weste heraus und zündete seine halb abgebrannte Zigarre erneut an. Mit einer tiefen, rauen Stimme fragte er mich: „Wie kann ich dir helfen, mein Junge? Ich zögerte einen Moment, fasste mir dann aber ein Herz und antwortete: „Ich bin hier, um den ganz großen Pott zu gewinnen!“

Etwa fünfzehn Minuten später saß ich in der bizarrsten Pokerrunde meines jungen Lebens. Wir waren zu fünft, außer mir die vier Herren von der Stehrunde, jeder der Männer ein besonderer Typ: Der Erste war „Snooker“. Schlank, vollbärtig und immer mit einer Zigarre in Hand oder Mund. Dann der stark adipöse „Cracker“, der durchgehend salzige Cracker in sich hineinstopfte, ständig mit vollem Mund sprach und dabei seinen Platz am Tisch immer wieder vollkrümelte. Der Dritte, „Protz“, musste sich laufend seiner Frau beweisen und hatte daher unter anderem den Drang, in jeder Runde den gesetzten Einsatz zu erhöhen. In der Mitte unserer zweiten Spielrunde fiel mir nun auch die Marotte von Nummer Vier, „Zuck“, auf. Ganz unvermittelt fingen bei ihm Gesichtszuckungen an, die nur nervöser Art sein konnten. Seine Augenlider zuckten ständig und er schnalzte immer wieder mal mit seiner Zunge.

Nur Snooker war voll auf das Spiel konzentriert. Ab und an paffte er an seiner Zigarre und trank aus seinem Whiskeyglas, welches für mich meistens so günstig platziert war, dass ich darin sein Spiegelbild erkennen konnte. Die ersten Runden liefen mit kleineren Einsätzen bis zu einem Gesamt-Pott von ca. 100$ und die Gewinner waren recht gleichmäßig verteilt. Wir saßen inzwischen vielleicht zwei Stunden am Spieltisch als ich merkte, wie die Spannung von Einsatz zu Einsatz stieg. Mit jeder neuen Karte wurde ich nervöser. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich noch kein wirklich starkes Blatt bekomme und wurde Runde für Runde überboten. Snooker wirtschaftete herausragend und gewann nun nahezu jeden Pott. Mein Vermögen wurde immer kleiner und betrug inzwischen nur noch ca. 500$. Aber dann – ich bekomme zwei Asse auf die Hand. Mir ist klar, dass dies meine Runde werden wird. Also setze ich den Big-Blind und warte auf die ersten drei Karten des Dealers. Keiner der vier Männer steigt aus. Mein Herz klopft wie ein Presslufthammer gegen den Pokertisch und da passiert es. Die erste Karte eine Neun. Die zweite Karte ein ASS und die dritte Karte…die dritte Karte noch ein Ass.

Ich traute meinen Augen kaum. War das möglich? Innerlich machte ich Freudensprünge, aber äußerlich behielt ich mein eiskaltes Pokerface. Die ersten Einsätze und auch die Erhöhungen ging ich mit. Als dann die vierte Karte vom Dealer gelegt wurde und noch eine Neun kam, spielte mir das perfekt in die Karten. Die Chance, dass jetzt einer der Männer ebenfalls ein hohes Blatt hatte und mitbieten würde, wuchs sprunghaft. Die Einsätze liefen herum und überstiegen mit einem Mal mein Kapital um ein Vielfaches. Nach der letzten Erhöhung war ich an der Reihe und mir blieb gar keine andere Wahl: „ALL-IN!“

Snooker schaute mich etwas schräg an, dann den übergroßen Geldhaufen vor sich auf dem Tisch und ging ganz cool ebenfalls ALL-IN; auch Protz, der ja seiner Frau beweisen musste, dass er kein Feigling war, zog nach. Cracker und Zuck stiegen aus und warfen mittelmäßig gefrustet ihre nutzlosen Blätter dem Dealer zu. Dieser deckte die letzte Karte auf, eine Herz-Drei, und eröffnete anschließend ganz theatralisch: „Meine Herren, zeigen Sie jetzt bitte der Reihenfolge nach Ihr Blatt.“

Protz musste beginnen und hatte bloß das Doppelpärchen mit den beiden Assen und den beiden Neunen, die sich bereits auf dem Tisch befanden. Auf seiner Hand war eine Sieben in Pike und eine Vier in Karo. Dann war Snooker an der Reihe. Er hatte eine Karo-Neun und einen Kreuz-Köiug. Mit den zwei Assen und den zwei Neunen vom Tisch bildete das ein Full-House, ein wirklich starkes Blatt. Siegessicher lachte er und meinte zu uns: „Tja das war wohl nichts, schade aber auch“. Doch meine Hand fehlte ja noch und so legte ich ganz langsam die Karten vor mir auf den Tisch. Ich hatte einen Vierling mit Assen: „Hhmmm, wenn mich nicht alles täuscht, ist ein Vierling höher als ein FullHouse und der gesamte Pott geht an mich, richtig?“

Die versammelte Mannschaft schaute mich verdutzt an. Snooker fiel seine Zigarre aus dem Mund und er blickte völlig frustriert vor sich in das leere Whiskeyglas. Jetzt war der richtige Zeitpunkt. Ohne lange zu zögern, stieg ich aus, nahm mir das Geld, welches der Dealer mir zugeschoben hatte, und verabschiedete mich höchst erleichtert mit den Worten: „Meine Herren, es war mir eine Ehre, mit ihnen zu spielen, ich darf mich verabschieden und wünsche noch einen erfolgreichen Poker-Abend.“ Die Jacke überwerfend nickte ich den beiden Türstehern zu und drückte ihnen mit einem Augenzwinkern einen Fünfziger in die Hand: „Im rechten Licht betrachtet gibt einem ein gutes Glas Whiskey mehr Sicherheit als mancher denkt!“

Es war einfach unglaublich und hat mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht – in unserer kleinen Stadt.

 

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MEIN TANZ

Von Carolin Beyer (9b)

Diesmal sollte es das ganz große Ding werden. Die Idee dazu kam mir während der Corona-Auszeit. Freitags vor meinem 15. Geburtstag entschied sich, was schon seit einigen Tagen zu erahnen war. Um die Geschwindigkeit der Ausbreitung des neuartigen Virus zu verlangsamen, wurden in Deutschland Maßnahmen ergriffen, die wir uns vor einigen Wochen noch nicht hätten vorstellen können: Alle Schulen wurden ab dem kommenden Montag bis zu den Osterferien geschlossen. Damit hatte diese bedrohliche Krankheit nun auch mich und meinen Alltag erreicht – was sollte ich nun den ganzen Tag tun? Neben der Schule konnte ich auch meinen Hobbys nur noch zuhause nachgehen, vor allem die Ballettschule würde mir sehr fehlen. Das war sofort klar.


Ich war – gelinde gesagt – verzweifelt. Ballett war mein Leben. In den letzten Jahren war ich mindestens fünf Mal pro Woche in der Ballettschule. Und nun? Meine Mutter fand mich, wie ich in meinem Zimmer saß und schmollte. „Was ist los?“, fragte sie, nicht ahnend, welcher Wortschwall sie auf diese harmlose Frage erwartete. „Das fragst du noch?! Kannst du mir vielleicht sagen, wie das werden soll? Ich darf nicht zur Schule, sehe meine Freunde nicht und das Schlimmste: zu meinen Ballettkursen habe ich einen Workshop in Modern Dance angefangen und jetzt ist die Ballettschule zu. Ich werde total vereinsamen und noch schlimmer: Ich kann nicht trainieren und meine Muskeln werden ganz schlaff. Jahrelang habe ich alles aufgebaut und mich gedehnt bis zum Zerreißen. Alles umsonst!“ „Ach, Charlie“, meinte sie beschwichtigend, „jetzt ist erst einmal wichtig, dass dieses schreckliche Virus eingedämmt wird, alles andere sehen wir später.“ „Mama, ich meine es ernst, wenn ich vier Wochen nicht trainiere, werde ich wahnsinnig! Das geht nicht!“ Aber meine Mutter kapierte mal wieder nichts. Ich war völlig fertig und sie hatte nur dieses Coronavirus im Kopf. Es hatte wohl keinen Sinn, mit ihr darüber zu reden. Sie würde mich sowieso nicht verstehen.
Den ganzen Abend hing ich meinen Gedanken nach. Nicht einmal Hunger hatte ich, und das will bei mir schon etwas heißen. Nachdem ich auch Elena, meine beste Freundin aus der Ballettschule, nicht erreichen konnte, ging ich traurig ins Bett. Ich fühlte mich so einsam wie noch nie.

Mitten in der Nacht schreckte ich aus dem Schlaf auf. Was für ein Traum! Ich stand in einem wunderschönen Kostüm auf einer Bühne. Alles um mich herum war dunkel, nur ein greller Scheinwerfer war direkt auf mich gerichtet. Es war totenstill.
Schade, dass ich ausgerechnet in diesem Moment aufgewacht war. Ich hätte gerne gewusst, wie es weiterging. In meinem Bauch spürte ich das Lampenfieber aus dem Traum und konnte nicht mehr einschlafen. Ja, Tanzen war mein Leben. Corona hin oder her, ich durfte mit dem Training jetzt nicht nachlassen. Mein Ziel war die Bühne.

Der Gedanke ließ mich nicht mehr los. Beim Frühstück war ich gar nicht ansprechbar. „Charlie“, rief meine Mutter, „kannst du mir jetzt mal Antwort geben? Ich habe schon dreimal gefragt, ob du schon weißt, wie es mit den Aufgaben in der Schule weitergeht.“ Auch meine kleine Schwester hatte wohl bereits mehrfach versucht, mich zum Spielen aufzufordern. Ich hatte es einfach nicht mitbekommen. „Nein, nein, ich weiß noch nichts, Mama.“ Sie merkte wohl, dass irgendetwas nicht stimmte, aber es gelang ihr nicht, mich in ein Gespräch zu verwickeln. Wortlos ging ich wieder in mein Zimmer.
Ich räumte alles auf Seite, rollte den Teppich zusammen, der mir schon lange nicht mehr gefiel und zog meine Ballettsachen an. Nachdem ich mich aufgewärmt hatte, begann ich mit dem Training. Natürlich war es nicht so wie in der Ballettschule, nur der Blick in den Spiegel zeigte mir meine Fehler. Aber ich übte immer weiter. Ich drehte meine Pirouetten und plötzlich hatte ich eine Idee. Aber die würde vorerst mein Geheimnis bleiben.

Schon vor einigen Wochen hatte ich eine Musik gehört, die mich fasziniert hatte. Ich wusste leider nicht, was es war. Aber mir war klar, wenn ich zu dieser Musik tanzen könnte, dann würde ich es schaffen. Ich versuchte, mich zu erinnern. Ich summte vor mich hin und mein Ohrwurm wurde nur unterbrochen, wenn jemand mit mir sprach oder es andere Geräusche um mich herum gab. Nach einiger Zeit fiel mir der Name des Lieds wieder ein und ich verschwand in meinem Zimmer, das nun mein eigener Trainingsbereich war. „Moment mal, was ist mit dem Essen?“, hörte ich meine Mutter noch rufen, aber das musste jetzt warten.
Diese Musik beflügelte mich. Von Langeweile und Einsamkeit wegen Corona war nichts mehr zu spüren. Ich tanzte und probierte immer neue Figuren aus, bis der grobe Plan für meine erste eigene Choreografie stand. Dann hatte ich auch wieder Zeit zum Essen.

Zum Glück nahmen es meine Lehrer mit den Aufgaben für das Homeschooling in den ersten freien Tagen nicht so ernst. Ich tanzte, bis ich vor Erschöpfung auf mein Bett fiel. Aber ich war sehr zufrieden mit mir. Tatsächlich hatten sich meine Pirouetten und auch mein Ausdruck durch das viele Training in den letzten Tagen sehr verbessert. Diese Musik hatte mich beflügelt und am Abend meines 15. Geburtstages wagte ich nun einen ersten Auftritt vor meiner Familie. Dazu musste ich das Wohnzimmer umräumen, denn mein Zimmer war zu klein. Ich rückte also die Möbel zur Seite und rollte den Teppich zusammen. Für die Zuschauer bauten wir Stuhlreihen auf, auch wenn letztendlich nur drei Stühle besetzt wurden. Aber ich wollte mich soweit es ging wie auf einer echten Bühne fühlen. Die Glühbirnen an der Lampe richtete ich alle in Richtung Schrank aus, vor dem nun meine imaginäre Bühne war. Dann verdunkelte ich den Raum, meine Eltern und meine Schwester nahmen Platz und es ging los. Noch nie in meinem Leben war ich so aufgeregt.
Ich genoss das Gefühl der Stille und konzentrierte mich ganz auf mich selbst. Dann setzte die Musik ein und ich vergaß alles um mich herum. Ich war einfach nur noch frei. Für einen Moment vergaß ich meine Sehnsucht nach der Normalität und war einfach nur frei.
Dann war es vorbei. Ich stand einfach nur da, ganz still. Im gedämpften Licht sah ich meine Eltern und meine Schwester. Auch sie bewegten sich kaum und sagten nichts, gar nichts. Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der ich mich wie befreit fühlte, kam meine kleine Schwester auf mich zugelaufen und sprang mir auf den Arm: „Charlie, das war so schön!“ Sie hatte bisher nie etwas für das Tanzen übrig gehabt, war nie mitgegangen zu einer der Aufführungen in der Ballettschule, aber jetzt war sie begeistert. Meine Mutter kam auf mich zu und hatte Tränen in den Augen und auch mein Vater bekam nur ein unterdrücktes „Mein Mädchen!“ heraus. Beide umarmten mich und ich spürte, wie stolz sie auf mich waren.

Da wegen der Coronakrise wohl vorerst nicht an öffentliche Auftritte zu denken war, hatte ich einen anderen Plan geschmiedet. Auch das hätte ich vor einigen Wochen noch nicht für möglich gehalten, hätte ich mich nie getraut. Die Vorstellung für meine Familie sollte die Generalprobe sein. Wenn es ihnen gefiel, würde ich es wagen. Und jetzt war ich soweit. Noch am selben Abend filmten wir meinen Tanz und luden ihn auf einer Internetseite für Nachwuchstänzer hoch. Schon nach einer Woche bekam ich Zuschriften aus der ganzen Welt.
Es war einfach unglaublich und hat mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht.

 

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WÄHREND CORONA BERÜHMT WERDEN

Von Paul Hellenthal (6c)

 

 

Dieses Mal sollte es ein ganz großes Ding werden. Die Idee kam mir während der Corona-Auszeit. An einem Montagmorgen saß ich in meinem Zimmer auf dem Sitzsack und überlegte mir, was ich diese Woche so alles machen könnte. Ich überlegte und überlegte, doch mir fiel einfach nichts ein. Ich hatte schon alles gemacht, was ich hätte machen können. Ich kannte jedes Staubkörnchen in unserem Haus auswendig, ich kannte jeden noch so kleinen Fleck an der Wand, ich wusste, wie viele Pfefferkörner in dem Pfefferstreuer waren und ich kannte jede Schraube im Haus. Doch dann nach einer Stunde kam sie mir, die Idee, welche alles verändern würde. Doch würde alles so klappen, wie ich es mir vorstellte oder doch etwas schieflaufen?

Nachdem mir die Idee gekommen war, rannte ich sofort runter in den Keller und suchte nach Materialien, welche ich für die Umsetzung meiner Idee benötigte. Im Heizungskeller fand ich alte Kabel und einen kleinen Motor, im Gerümpelkeller einige Holzbretter und zwei kleine Scheinwerfer, in der Waschküche noch einige Schnüre und einen alten Bewegungsmelder und aus dem Vorratskeller besorgte ich mir noch einige Flaschen Desinfektionsspray. Anschließend ging ich wieder hoch in mein Zimmer und setzte mich an meinen Schreibtisch, an dem ich einen Plan schrieb, wie ich die Idee umsetzen würde. Nach zehn Minuten hatte ich diese fertig und ich machte mich endlich an die Arbeit, den Desinfektionsroboter2000 zu bauen. Den Anfang machte ich mit den Holzbrettern, welche ich zu einem Gehäuse zusammenschrauben wollte, doch sie waren viel zu groß und deshalb ging ich runter in den Garten und holte mir eine Säge aus dem Schuppen um die Bretter zu kürzen. Damit ich sie anschließend zusammenzuschrauben konnte, nahm ich mir noch mehrere Schrauben und  einen Schraubenzieher aus der Garage. Danach ging ich wieder hoch in mein Zimmer und sägte die Bretter zurecht. Anschließend schraubte ich sie zu einem Gehäuse zusammen, in das ich den Motor einbaute und mit Hilfe von einigen Kabeln mit den Scheinwerfern verband, welche ich zuvor auf das Gehäuse schraubte und welche nun helles Licht boten. 

Nach einer kleinen Pause befestigte ich den Bewegungsmelder zwischen den zwei Scheinwerfern und verband ihn ebenso wie die Scheinwerfer mit dem Motor. Die Schnüre aus der Waschküche befestigte ich so an dem Bewegunsmelder, dass sie einen Ruck machten, wenn dieser anging. Durch diesen Ruck wurde der Knopf, welcher die Desinfektionsmittelflasche, die ich zuvor an der Vorderseite des Roboters befestigt hatte, ausgelöst und die Flasche sprühte ihr Mittel. Wenn nun jemand an dem Bewegungsmelder vorbeiging, löste dieser den Ruck der Schnüre aus und so wurde das Desinfektionsmittel auf die Person gesprüht und diese wurde dadurch desinfiziert, wodurch sie keine Bakterien mehr an sich hatte und sie nicht in der Öffentlichkeit verteilen konnte. Natürlich sollte der Roboter sich auch bewegen können, deshalb besorgte ich mir vier Räder vom Dachboden, welche ich anschließend an der Unterseite des Roboters befestigte und sie wie alles andere auch mit dem Motor verband. Nun konnte er kreuz und quer durch die Stadt fahren und Leute desinfizieren. Ich war stolz auf mich, so etwas erfunden zu haben und da ich nach diesem anstrengenden Tag sehr müde war, ging ich schlafen. Ich schlief tief und fest, doch plötzlich knallte es laut und es wurde für einen kurzen Moment hell in meinem Zimmer. Ich war so geschockt, dass ich nicht realisierte was passiert war. Nach ein paar Sekunden sah ich jedoch, dass mein Roboter explodiert und nun kaputt war. Ich rannte sofort in das Schlafzimmer von meinen Eltern und rief aufgeregt: ,,Papa komm bitte schnell. Mein Roboter ist eben explodiert und nun ist er kaputt!“ Mein Vater antwortete: ,,Bleib ruhig, ich komme ja schon.“ Er folgte mir in mein Zimmer, sah den Roboter und meinte zu mir: ,,Keine Sorge. Den bekommen wir schnell wieder repariert.“ Mit seiner Hilfe schaffte ich es, den Roboter in unter zehn Minuten wieder zu reparieren. Nachdem wir das getan hatten, legte sich mein Vater wieder ins Bett und bevor ich das Gleiche machte, fotografierte ich den Roboter, öffnete meinen Laptop und stellte den Roboter zum Verkauf ins Internet mit der Hoffnung, dass sich jemand bei mir melden wird. Anschließend legte auch ich mich wieder ins Bett.

Am nächsten Morgen wachte ich schon um 7 Uhr auf, was für meine Verhältnisse sehr früh war. Nachdem ich im Bad gewesen war und etwas gefrühstückt hatte, öffnete ich sofort meinen Laptop um nachzusehen, ob jemand an meinem Roboter Interesse hatte. Ich loggte mich also ein und traute meinen Augen nicht. 32 Kaufanfragen aus Deutschland, weitere 46 aus dem Rest von Europa, 38 aus Amerika und sogar 47 aus Asien. Einige weitere Personen boten mir sogar an, dass ich den Desinfetionsroboter in Massen für sie produzieren durfte und die Materialien, welche ich dafür brauchen würde, würde ich sogar kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Ich wusste nicht, welche Angebote ich annehmen sollte und welche nicht, doch eines stand fest: Der Desinfektionsroboter2000 war einfach unglaublich und hat mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht.

WIE ICH BERÜHMT WURDE

Von Lilith Ludwig (6c)

 

 

Dieses Mal sollte es das ganz große Ding werden. Die Idee dazu kam mir während der Corona – Auszeit. Es war der 22. März im Jahr 2020. Ich hatte zwar schon viele Male versucht eine Maschine wie diese zu bauen, doch diesmal wusste ich, was ich ändern musste! Aber fangen wir von vorne an:

Wegen der Kontaktbeschränkungen war mir mal wieder langweilig und ich saß in meinem Zimmer. Plötzlich kam mir die Idee: „Was wäre, wenn ich statt der Glasfaser-kabel Elektroleiter nehmen würde?“, überlegte ich. „Vielleicht klappt es ja dann.“

Ich begab mich auf den Weg in den Keller. Als ich unten angekommen war, machte ich mich an die Arbeit. Ich bastelte und bastelte. Am Ende betrachtete ich mein Werk. Die Maschine war groß, hatte viele Verkabelungen und überall blau blinkende Lichter. Sie hatte vorne eine große Öffnung, aus der eine Tastatur herauskam.

Ich drückte auf die Zahlen 2022 und da geschah es! Ein heller Lichtblitz erschien und umhüllte mich. Langsam konnte ich immer mehr erkennen. “Wo bin ich? Hat es geklappt?“, fragte ich mich. Dann blickte ich mich um.  Alles war friedlich und ruhig. Außer ein paar Vögeln hörte man nichts.

Ich schaute an mir herunter. Ich sah aus wie immer, doch an meiner Hand entdeckte ich etwas Ungewöhnliches. Es war ein goldenes Armband mit einem blauen Stein. Ich beschloss die Gegend zu erkunden. Die Wiese, auf der ich stand, war umringt von Bäumen und Büschen, aber zwischen zwei Bäumen war ein kleiner Pfad. Ich folgte ihm. Er führte in eine Stadt, in der viele Menschen dicht beieinanderstanden oder ausgelassen herumliefen und Scherze machten.

Keiner beachtete mich. Ich entschloss mich eine dünne Frau mit blauen Augen und Locken anzusprechen. „Entschuldigung, wissen Sie, wo ich bin?“, fragte ich. „Ehm, du bist in Offenbach“, antwortete die Frau verwirrt. „Wieso seid ihr alle so ausgelassen und was ist mit Corona?“ „Corona? Das ist doch schon ewig her. Es wurden doch alle geimpft!“, sagte sie. „Geimpft? Aber womit? Seit wann gibt es einen Impfstoff?“, wollte ich wissen. „Ich glaube, das war im Herbst 2020. Ich muss jetzt aber weiter!“, meinte sie. „Warte! Noch eine Frage. Woraus wurde denn der Impfstoff hergestellt?“. „Aus Hustensaft und Tetanusimpfstoff, ich muss jetzt aber wirklich weiter!“, verabschiedete sie sich und ging davon.

In mir herrschte das reinste Chaos. Fragen über Fragen schwirrten in meinem Kopf umher. Da bemerkte ich, dass der blaue Stein am Armband anfing zu blinken. Ich wusste nicht, was es bedeutete und drückte auf den Stein. Wieder umhüllte mich ein heller Lichtblitz und alles wurde weiß. Langsam wurde alles erkennbar. Ich war wieder im Keller und die Zeitmaschine, die ich gebaut hatte, stand auch noch an ihrem Platz. Ich sah, dass das goldene Armband mit dem blauen Stein verschwunden war. Dann erinnerte ich mich daran, was die Frau zu mir gesagt hatte: „Der Impfstoff besteht aus Hustensaft und Tetanusimpfstoff“, wiederholte ich. „Ich muss das sofort der Welt mitteilen! Alle sollen es wissen!“ Ich kramte mein Handy aus meiner Tasche und suchte im Internet nach der Nummer eines Virologen. Ich tippte die Nummer in mein Handy und drückte auf „Anrufen“. Ich schrie: „Ich weiß es! Ich weiß, wie man den Impfstoff herstellt!“ „Was meinst du damit?“, fragte der Mann überrumpelt. „Ich weiß, wie man den Impfstoff herstellt!“, wiederholte ich. „Den Impfstoff?“ fragte er.

„Ja, den Impfstoff gegen Corona!“ antwortete ich. „Gegen Corona? Bist du dir da sicher? Aus was soll der denn bestehen?“, fragte der Mann. „Aus Hustensaft und Tetanusimpfstoff. Probieren Sie es aus!“ „Es tut mir leid, aber ich kann dir nicht einfach so vertrauen!“, antwortete er. „Bitte, Sie müssen mir glauben!“, flehte ich ihn an.

Nach langem Hin und Her versprach er mir es zu testen. Ich war sehr aufgeregt und hoffte, dass es funktionieren würde und die Frau recht hatte und sich nicht einen Spaß erlaubt hatte. Ich betrachtete noch einmal meine Zeitmaschine. Ich hatte mir viel Mühe gegeben und freute mich, dass es diesmal geklappt hatte!

Nachdem einige Zeit verstrichen war, hörte ich mein Handy vibrieren. Ich sprang auf und lief zu meinem Handy. „Hallo?“, sagte ich. „Ja, hallo. Wir haben es getestet!“, antwortete er. „Und?“, fragte ich aufgeregt. „Also…“ „Nun sagen Sie schon! Hat es geklappt?“, unterbrach ich ihn. „Jetzt lass mich doch erst mal ausreden! Also… wir haben es getestet und es hat geklappt!“, berichtete er. „Wirklich? Das ist ja fantastisch! Ich habe gerade einen Impfstoff gegen das Coronavirus erfunden!“, jubelte ich.

In den Nachrichten wurde schon einen Tag später darüber berichtet, wie ich, ein junges Mädchen, sozusagen die Welt rettete. Das mit der Zeitmaschine behielt ich lieber für mich. Musste ja keiner wissen. Doch das mit dem Impfstoff ging in die Geschichte ein. Es war einfach unglaublich und hat mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht.

HÄNDEREICHEN – IN GEDANKEN

Von Eric Dietrich (8d)

 

 

Dieses Mal sollte es das ganz große Ding werden. Die Idee dazu kam mir während der Corona-Auszeit und brachte mich zum Nachdenken. Wir werden gebeten, in unseren Häusern zu bleiben. Bleiben Sie zu Hause! Klingt einfach, oder?! Es stellt sich heraus, dass es nicht so einfach ist, wie ich zunächst dachte.

Egal mit wem man spricht, jeder beschwert sich über die Situation, in der sie sich befinden. Ich schließe mich selbst hier nicht aus. Der Alltag hatte plötzlich ganz neue Hürden, aber den härtesten Kampf hatte ich mit meinem Geist auszufechten. Es ist so leicht zu vergessen, wie privilegiert wir sind. Ich musste mir in Erinnerung rufen, warum es die nächsten Wochen etwas leichter machen könnte, dankbar und so positiv wie möglich zu sein.

Das Gefühl im Haus festzusitzen, mit dem Laptop auf dem Schoß als provisorische Arbeitsstation, ist nicht zu unterschätzen und kann einen verrückt machen. Aber eigentlich muss ich feiern! Ich habe immer noch einen Job! Ich verdiene genug, um die Rechnungen zu bezahlen und das Essen zu kaufen, das ich mag und will. Wenn du deinen Job hasst, ändere etwas! Endlich stehen wir nicht 1 Stunde pro Tag im Stau, also nutzen wir die Zeit, um unser Leben zum Besseren zu wenden. Buchstäblich jedes einzelne Zimmer ist inzwischen poliert und aufgeräumt. Es gibt keine internen Aktivitäten mehr, die besonders aufregend erscheinen. Jeder Tag scheint sich wie ein alter Kaugummi zwischen dem Straßenpflaster und Schuhsohle in die Länge zu ziehen.

Manche fühlen sich vielleicht nicht nur gelangweilt, sondern auch einsam. Man hat diese gewisse Schwere auf dem Brustkorb und es gehen einem die Ideen aus, warum man überhaupt aufstehen und duschen sollte. Im Ernst, ich verstehe es. Es ist schwer! Aber vergiss nicht, auch wenn du allein zu Hause bist, wir sind alle zusammen im selben Boot. Niemand muss sich einsam fühlen, wenn wir uns umeinander kümmern.

Es ist eine schreckliche Situation, in der wir uns befinden, aber wenn sie eines bewiesen hat, dann, dass wir alle miteinander verbunden sind und zusammenhalten müssen. Baden in Selbstmitleid hat noch niemanden vorangebracht! Wir müssen nach dem Positiven suchen und das Gefühl der Hoffnung und Einheit verbreiten. Zu sehen, wie sich Nachbarn nach Jahren der Vernachlässigung wieder von ihren Balkonen zuwinken. Sehen, wie die Natur zurücknimmt, was wir ihr selbstsüchtig gestohlen haben. Wir müssen alles sehen, solange es positiv ist. Heute bin ich für dich dankbar, dafür dass du dir etwas Zeit genommen hast, meine Worte zu lesen. Bleibt sicher Freunde und nehmt euch in Gedanken an die Hände um die Realität mit Kraft, Zusammenhalt und vielleicht sogar einem Lächeln zu konfrontieren.

AUSTRALIAN-FOOTBALL IN DEUTSCHLAND

Von Hagen Erik Weikert (6c)

Dieses Mal sollte es das ganz große Ding werden. Die Idee dazu kam mir während der Corona-Auszeit. Ich saß früh morgens am Küchentisch und aß genüsslich meine Brezel. Da es schon wieder Montag war und mein Vater schon, bevor ich wach war, zur Arbeit musste, saß da außer mir nur noch meine Mutter. Sie musste wegen dem Corona-Virus, wie viele andere auch, von zuhause aus arbeiten. Als ich da also am Küchentisch saß und meine Brezel verzehrte, kam mir die Idee: „Ich hab’s“, schrie ich auf, „wie wäre es denn, wenn ich versuchen würde, Australian-Football in Deutschland bekannt zu machen!“ Meine Mutter erschrak erst einmal. „Schrei doch noch lauter“, fuhr sie mich an. „Es tut mir leid“, entschuldigte sie sich. „Ich bin nur wegen der Arbeit so gestresst. Wenn du das so willst, dann von mir aus, doch wie willst du das überhaupt hinkriegen?“ „Ich hab da so eine Idee.“ Ich stand auf, beugte mich zu meiner Mutter hinunter und flüsterte ihr meinen Plan ins Ohr. „Warum flüsterst du denn?“, fragte sie mich. Ich antwortete: „Weiß ich nicht, aber wie findest du meinen Plan jetzt?“ „Gut, doch sei nicht traurig, wenn das nicht so hinhaut, wie du denkst.“ „Ich schaff‘ das schon. Nach dem Mittagessen fahre ich mal hin.“
Wie gesagt, nach dem Mittagessen setzte ich mich auf mein Rad und fuhr los. Ein paar Minuten später war ich schon da. Alles rot-weiß: Beim Stadion des OFC. Ich wusste nicht, wie ich hineinkommen sollte, also ging ich unten in den Fanshop, setzte meine Maske auf und fragte: „Kann ich bitte zu Michael Sobotzik? Ich habe ein wichtiges Gespräch mit ihm zu führen.“ Der Kassierer sagte: „Na schön, aber ich muss ihn erst einmal fragen, ob er dich empfangen kann. Komm mit“, forderte er mich auf. Als wir den Treppenaufgang hinaufgingen, sah ich die vielen historische Bilder, wie zum Beispiel vom Aufstieg in die zweite Bundesliga 2005, oder das Tor des Jahres von Erwin Kostedde 1974 und vor allem viele Bilder von Waldemar Klein. Als wir dann vor der Tür des Präsidenten standen, fragte mich der Kassierer, was ich ihn denn fragen möchte. Ich gab meinen Plan preis. Er fragte mich, ob ich denn schon mit der Australian Football Nationalmannschaft von Deutschland gesprochen hätte. „Ja, natürlich“, sagte ich und der Kassierer öffnete die Tür, um nachzufragen, ob ich eintreten könne. Ich hatte die Deutsche Nationalmannschaft nämlich schon heute Vormittag angerufen und sie hatten schon eine Dreiviertelstunde später zurückgerufen und mir gesagt, dass auch Frankreich, England, die USA und Spanien mitmachen wollen. Der Kassierer kam zurück und sagte:“Du kannst rein“. Ich öffnete die massive Tür und trat ein. Der Kassierer drehte sich um und ging. „Setz dich“, sagte er. Ich setzte mich. “ Was für einen Vorschlag hast du denn?“ fragte er mich. „Mein Vorschlag wäre, dass wir hier im Stadion ein Australian Football-Turnier machen. Selbstredend erst nach dem Corona-Virus. Fünf Nationalmannschaften wären auch schon dabei. Deutschland, England, Frankreich, Spanien und die USA. Wenn sie dafür groß Werbung machen würden und auch noch sagen, dass die Einnahmen dem zugute kommen, dann könnten sie das ganze Stadion füllen. Das einzige, was sie machen müssten, wäre die Spielfeldmarkierungen zu ziehen. Die speziellen Tore würden von den Frankfurter Redbacks zur Verfügung gestellt werden und wie schon gesagt, würden Sie alle Einnahmen bekommen. Sie können natürlich noch einmal nachdenken. Ich habe ihnen auch eine Mappe zusammengestellt, die Sie sich in Ruhe durchlesen können. Vorne steht meine Handynummer. Rufen Sie mich an, wenn Sie es sich überlegt haben“. Ich drehte mich um, machte die Tür auf ,schloss sie hinter mir und sank sofort zu Boden. Ich blieb mindestens zehn Minuten auf dem Boden sitzen und dachte die ganze Zeit: „Ich hab’s getan, ich hab’s wirklich getan.“ Dann stand ich auf, ging die Treppe wieder herunter, setzte mich auf mein Fahrrad und fuhr wieder nach Hause. „Hallo“, rief ich, als ich wieder da war. „Hat es geklappt ?“, fragte meine Mutter. „Ich weiß es noch nicht. Er hat sich noch nicht entschieden“, antwortete ich im Vorbeigehen. Als ich mich gerade auf mein Bett fallen lassen wollte, rief eine mir unbekannte Nummer an: „Hallo, wer ist da?“ „Sobotzik, ich finde die Idee super. Dass ich noch nie von diesem Sport etwas gehört habe. Ich sage nur eines: Super! Es wird noch heute Werbung für den 30. August gemacht. Tschüss.“ Klick. Er hat tatsächlich aufgelegt und wie begeistert er war, dachte ich mir. Am Abend konnte man schon auf vielen Internetseiten Werbung sehen und sogar ein Video wurde hochgeladen: „12-jähriger Junge stellt Riesenturnier auf die Beine“, das um 22 Uhr schon 1,1 Millionen Klicks hatte und es kam sogar fast noch besser: Innerhalb von drei Stunden wurden 1.239 Tickets verkauft, obwohl das Turnier erst in mehr als drei Monaten stattfinden würde. Es war einfach unglaublich und hat mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht.

DAS SCHICKSAL AUF MEINEM BODEN

Von Andi Stepanchuk (9b)

 

 

Dieses Mal sollte es das ganz große Ding werden. Die Idee dazu kam mir während der Corona-Auszeit, aber ich erzähle die Geschichte erst einmal von Anfang an.
Ich fühlte, wie der leichte Wind meinen Körper streifte. Eine lauwarme Brise durchquerte mein Zimmer. Draußen waren es etwa 18 Grad, meine Lieblingstemperatur. Es war bereits spät und ich stand noch einige Sekunden vor dem weit geöffneten Fenster, bevor ich mich dazu entschloss, es zuzuklappen und mich anschließend auf den Weg ins Bett machte.

Ich war kurz davor meine Augen zu schließen, als ich etwas Auffälliges durch mein Fenster fliegen sah. Ich konnte es nicht genau erkennen, es schien sich aber um einen Zettel zu handeln. Ich war allerdings schon zu müde, um dem Stück Papier einen weiteren Gedanken zu widmen und ehe ich mich versah, stand schon der nächste Morgen vor der Tür. Mit halb geöffneten Augen erinnerte ich mich daran, dass in meinem Zimmer irgendwo am Boden ein Blatt rumliegt. Zu meinem Verblüffen stellte ich fest, dass ich dieses, selbst nach einer zehnminütigen Suche, nicht auffinden konnte. „Dann habe ich das wohl nur geträumt“, redete ich mir ein und verließ mein Zimmer, um meinen gewohnten Tagesablauf während der Corona-Zeit zu beginnen. Was wohl wäre, wenn ich das nur geträumt hätte…

„Gegen Abend fing es draußen an zu regnen. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich auch diesen Abend vor dem offenen Fenster stand. Es war kälter, als am Tag zuvor, aber es wirkte alles so viel ruhiger. Die Regentropfen fielen unbeschwert bis ganz nach unten, wo sie am Boden aufschlugen und einige machten Halt an meinem Fenster. Ich verspürte Müdigkeit und wollte nicht länger nach draußen schauen. Ich machte mich auf den Weg in mein Bett. Angekommen warf ich noch einen letzten Blick auf das gekippte Fenster und auf den Schatten der Regentropfen auf meiner Wand. ,Aber was genau war diese quadratische, dunkle Fläche an der Wand?’, fragte ich mich, bereits halb am Einschlafen. Ich blickte zum Fenster und entdeckte einen nassen Zettel, der auf der Außenseite des Fensters klebte. ,War das vielleicht derselbe, wie am Tag zuvor?’, dachte ich bei mir und mich packte die Neugier. Während ich ans Fenster trat, beschlich mich ein ungemütliches Gefühl. Ich näherte mich dem Zettel und merkte, dass dieser eine Aufschrift hatte. Diese war allerdings auf der anderen Seite, somit blieb mir nichts weiteres übrig, als das Fenster zu öffnen. Alles schien so surreal. Der Zettel, der einfach aus meinem Zimmer verschwand und am nächsten Tag wieder zurückkehrte. Ich nahm den nassen Zettel vom Fenster. Er riss beinahe. Auf dem Zettel konnte man die Buchstaben ‘Le e das unt r d in K pfki sen’ noch erkennen, der Rest war verschwommen. Ich dachte nicht besonders viel nach, es war bereits spät und ich war sehr müde. Ich redete mir ein: ,Wenn dieser Zettel schon das zweite Mal zu mir findet, dann muss das eine tiefere Bedeutung haben. Was soll schon schlimmes passieren.’ und folgte den Anweisungen. Nachdem ich das Fenster geschlossen und den Zettel unter mein Kopfkissen gelegt hatte, ließ ich mich ins Bett fallen. Einige Sekunden brauchte ich, um die Ereignisse der letzten paar Minuten zu vergessen und vollständig einzuschlafen.

Plötzlich nahm ich wahr, wie sich mein ganzer Körper verkrampfte. Ich spürte förmlich, wie ich in einen Tunnel gezogen wurde, weit fern von jeglichem Zeit- und Realitätsbefinden, ich merkte, wie ich Farben riechen, Geräusche schmecken und Gerüche sehen konnte, meine Wahrnehmung verdrehte sich komplett. Mein gesamter Körper schmerzte und ich wollte schreien, weinen, lachen, konnte es aber nicht. Ich hatte keine Kontrolle über meine Wahrnehmung, über mich, über mein Leben. Im nächsten Moment spürte ich, wie ich mich von meinem Körper löste und weit entfernte, um kurz darauf mit voller Geschwindigkeit wieder auf meinen Körper zuzufliegen. Es schien, als wäre das der letzte Schritt, denn als nächstes fiel ich in einer scheinbar ähnlichen Realität mit voller Wucht auf den Boden. Als ich langsam zu mir kam und meine Augen öffnete, fand ich mich in einer abgelegenen, ruhigen Seitengasse wieder. Fast so, wie man es aus den verschiedensten Filmen und Geschichten kennt: Es standen einige Müllcontainer herum, auf einem war eine halb verhungerte Katze, die gerade dabei war, sich ihren Schlafplatz auszusuchen. Es war bereits dunkel, wie in der ‘echten Welt’. Ich hörte eine weit entfernte Eule und eine Sirene. Die Stimmung war recht düster. Auf einmal kam ein maskierter Mann um die Ecke gerannt. Er hatte einen bemerkbar voll-gefüllten Rucksack auf. Er erblickte mich und meinte keuchend: ‘Wenn du nicht sterben willst, dann folgst du mir jetzt lieber’. Man konnte seiner Stimme den Hauch einer Drohung entnehmen. Da ich nicht wusste, wo ich überhaupt bin und mir scheinbar keine Zeit blieb, das selbst rauszufinden, schloss ich mich, wenn auch widerwillig, der Person an und folgte ihm. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich kaum klar denken.

Er lief auf die letzte Mülltonne zu und hob den Deckel. ,Da rein! Sofort!’, sprach er zu mir. Erst jetzt bemerkte ich, dass die Sirenen scheinbar lauter wurden. Ich sprang in den schwarzen Müllcontainer, der von innen leer war, und er folgte mir. Mein Herz pochte, sodass man es hören konnte. Die nächsten Minuten vergingen wie im Flug. Die Sirenen wurden lauter, man hörte, wie sich einige Personen lautstark unterhielten. Anschließend fuhren an der Seitengasse einige Fahrzeuge mit einer hörbar hohen Geschwindigkeit vorbei und daraufhin wurden auch die Sirenen leiser. ‘Willst du einen?’, sprach mich mein Gegenüber an und reichte mir einen Joint. Ich lehnte dankend ab, da ich sowas zuvor noch nie gemacht habe. ‘Jetzt nimm, wird dir gut tun!’, sprach er zu mir. Das nächste, woran ich mich erinnere ist, dass wir, scheinbar bei ihm zuhause, saßen und ich sah, wie sich alle möglichen Arten von Drogen in seinem Rucksack befanden. Wir saßen auf seiner Couch, die in einem riesigen Wohnzimmer die Hauptsitzmöglichkeit zu sein schien. Von dort aus schaute man auf die riesige, gegenüberliegende Glasfront, die sich über eine ganze Seite des Zimmers erstreckte und die eigentliche Wand vollständig ersetzte. Durch die Glasfront hatte man eine perfekte Sicht auf den angrenzenden Wald. Er sprach zu mir und erklärte mir, er ließe mich alles probieren, was ich wollte. Mich fragte er außerdem, wer ich eigentlich bin und ich erzählte ihm meine Geschichte, dass ich eigentlich aus einer anderen Realität stamme. Und komischerweise schien er nicht besonders verwundert. Stattdessen murmelte er etwas wie ‘schon wieder’. Ich fragte ihn, wer er denn wäre und wo ich eigentlich gelandet war. Er erzählte mir von sich, dass er mit Drogen dealen würde, dadurch reichlich Geld verdiente und sich damit dieses monströse Haus leisten konnte. Wir unterhielten uns noch bis tief in die Nacht, bis ich irgendwann einschlief und am nächsten Morgen wieder in meiner gewohnten Umgebung erwachte.

Ich war ab dem Zeitpunkt so überzeugt von der Idee mit dem Dealen viel Geld zu verdienen, dass ich neben meinem eigentlichen Job einen Nebenjob anfing. Ich fing allerdings immer öfter an, selbst das Zeug zu konsumieren, das ich eigentlich verkaufen wollte, sodass ich irgendwann auch meinen echten Arbeitsplatz aufgab, meine Wohnung verlor und völlig auf die schiefe Bahn rutschte. Das ist nun drei Jahre her und jetzt sitze ich immer noch hier.”

„Danke.“, sprach ich zu meinem Gegenüber und stoppte die Aufnahme. „Vielen Dank für deine Geschichte und Offenheit. Meine Besuchszeit für heute ist leider vorbei, ich wünsche dir alles Gute.“, mit diesen Worten lief ich auf die Tür des Raumes zu. „Gerne!“, rief er mir noch hinterher, bevor die Tür hinter mir ins Schloss fiel und ich begleitet durch den langen, kahlen Gang lief. Ohne ein Wort mit den Wärtern zu sprechen verließ ich durch die Eingangstür das Gebäude und blickte noch ein letztes Mal auf die Psychiatrie, bevor ich in den Dienstwagen stieg und mich auf den Weg nach Hause machte. Er war der letzte Patient, den ich für meine Reportage über die mysteriösen Fälle interviewte, in denen angeblich ein Zettel der Auslöser für die Psychose gewesen sein soll. Alles schien so surreal. Die wiederholten Aussagen über den „Tunnel“, die Begebenheiten, der Ablauf. Als hätten sich die Patienten untereinander abgesprochen. Als würde ein System dahinterstecken. Zuhause angekommen machte ich mir erstmal einen Kaffee und setzte mich als nächstes an meinen Laptop. Ich baute die letzten Clips noch in die Reportage ein und veröffentlichte sie noch am selben Abend.

Meine Arbeit war für diesen Monat erledigt und ich konnte mir die restliche Woche freinehmen. Entspannt legte ich mich in mein Bett und dachte nochmal über alle Ereignisse nach. Meine Gedanken überschlugen sich nach diesen aufwändigen Wochen förmlich. Ich kam letztendlich mit meinen Gedanken an dem Punkt an, als ich vor vier Jahren einen mysteriösen Zettel zum zweiten Mal durch mein Fenster fliegen sah, ihn vom Boden aufhob, den Schriftzug las und den Zettel in Stücke riss. Es war der Auslöser in mir, Sachen viel öfter zu hinterfragen und mich mit ihnen mehr auseinanderzusetzen. Der Tag, an dem ich mich entschloss, in der Berichterstattung beruflich aktiv zu werden und bald darauf meine erste, kleine Reportage ins Internet stellte, die sich mit dem Thema “COVID-19” auseinandersetzte. Heute, vier Jahre später, kann ich nur auf diese Zeit zurückblicken und mich unglaublich glücklich schätzen, dass die Reportage so schnell viral ging. Es war einfach unglaublich und hat mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht.

EINE EINMALIGE ERFINDUNG

Von Christos Drantsios (6c)

 

Dieses Mal sollte es das ganz große Ding werden. Die Idee dazu kam mir während der Corona-Auszeit. Ich wollte endlich mal etwas Produktives zu meiner Umwelt beisteuern. Und auch wenn ich nicht das größte Genie bin, wollte ich der Welt zeigen, dass man alles mit nur ein bisschen Mühe schaffen kann. Während ich gelangweilt in meinem Zimmer lag, kam mir eine Idee in den Kopf, die in die Geschichtsbücher geschrieben werden könnte. Eines der größten Probleme auf unserer geliebten Erde ist das Plastik in den Meeren. Da ich schon von klein auf das Wasser liebe und dort teilweise auch aufgewachsen bin, liegt mir gerade diese Umweltverschmutzung sehr am Herzen. Also entschied ich, meine Langeweile gegen neues Wissen auszutauschen, welches die ganze Welt verändern könnte. Ich informierte mich und zeichnete eine Skizze, wie der Prototyp aussehen und aus welchem Material er bestehen sollte. Ich erklärt meiner Mutter mein Vorhaben und sie unterstützte mich sofort dabei, da sie meine Idee viel besser fand als die ganze Zeit am Handy zu sein. Mir die benötigten Materialien zu besorgen, war der erste Schritt, aber genau so aufwendig wie die weiteren, da sie sehr schwer zu finden waren. Als wir dann schlussendlich das benötigte Material hatten, konnte ich nicht aufhören zu bauen, da jeder Tag zählte. Doch ich musste aufhören, denn ich fing mit der Zeit an zu zittern Auch am nächsten Tag arbeitete ich genau so konzentriert. Nach mehreren Tagen war ich fertig und stolz auf mich, doch es war so spät am Abend, dass ich sofort auf meinem Schreibtisch einschlief. Am nächsten Morgen war ich erschöpft und immer noch nicht ganz ausgeschlafen, doch dann sah ich den Prototypen und freute mich über meinen Erfolg. Meine Mutter erlaubte mir, den ersten Versuch an meinem Aquarium durchzuführen. Nachdem ich meine Fische herausgeholt und den Filter ausgeschaltet hatte, warf ich ein kleines Stück Plastik in das Aquarium und machte die Maschine an. Am Anfang passierte nichts und nach zwanzig Sekunden auch nicht. Ich war am Anfang sehr enttäuscht, aber ich entschied mich weiterzumachen. Ich fragte meiner Schwester um Hilfe, denn ich wusste, dass ich es nicht alleine schaffen würde, doch sie lehnte ab. Sie war der Meinung, ich würde es nicht schaffen können und meinte, sie hätte Wichtigeres zu tun. Ihre Antwort machte mir aber noch mehr Mut, da ich jedem mein Können beweisen wollte. Ich versuchte tagelang, das Problem zu finden, doch ich konnte es nicht und gab dann auf. Vielleicht hatte jeder zurecht an mir gezweifelt…
Doch plötzlich fiel es mir ein und ich hatte den Grund innerhalb von Sekunden gefunden. Es war der selbst gebaute Filter, der normalerweise nur mit Meersalzwasser funktionierte. Ich war so verärgert, dass ich auch nur einen kleinen Augenblick an mir gezweifelt hatte, und machte mich direkt an die Arbeit. Ich bat meine Mutter, mir zwei Filter für ein Meerwasseraquarium zu kaufen, aber diesmal sagte sie, dass ich deswegen weniger Taschengeld für fünf Monate bekommen würde, doch das war mir egal. Nach mehreren Tagen kamen sie endlich an und ich könnte endlich wieder weiterarbeiten. Doch diesmal war es schwerer als gedacht, denn ich musste einen der Filter auseinanderbauen, um seine Innenkonstruktion herauszufinden. Als ich den Filter fertig in und auswendig gelernt hatte, fing ich an, an einem stärkeren Filter zu arbeiten, der nicht durch das Meerwassersalz verstopft würde. Ich baute tagelang einen zweiten Prototypen, der diesmal funktionieren würde und versuchte, den Filter so zu bauen, dass er diesmal sogar größere Plastikstücke aufnehmen könnte. Als ich fertig war, schlief ich diesmal, trotz meiner Müdigkeit, nicht ein, ich war so aufgeregt wie noch nie in meinem Leben. Dieser Moment könnte mein Leben verändern. Ich nahm meinen zweiten Prototypen in die Hand und rannte zu meinem Aquarium in meinem Wohnzimmer. Ich schaltete wieder den Filter aus und warf ein kleine Stück Plastik in das Aquarium. Ich schaltete die Maschine an und tat sie ins Aquarium. Während ich wieder zehn Sekunden warten musste, ging mir alles durch den Kopf und plötzlich klappte es. Ich war so froh, dass ich immer mehr Plastikstücke reinwarf und alle wurden von der Maschine aus dem Aquarium rausgezogen. Ich war wirklich froh, dass es funktionierte. Als ich es meiner Familie präsentierte, waren alle sehr erstaunt und beeindruckt. Sie suchten direkt mit mir nach Investoren, die meine Arbeit unterstützten. Trotz der aktuellen Corona-Krise wollten viele meine Arbeit sehen und unterstützen. Im Endeffekt beschlossen wir, dass jeder, der investieren wollte, es auch tun konnte, ohne einen Anteil zu haben. Mir war das Geld nicht wichtig, sondern nur meine Umwelt und die konnte ich durch meiner Entdeckung retten.
Es war einfach unglaublich und hat mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht. Jeder kannte meinen Namen und ich wurde überall gefeiert. Ich war so glücklich wie noch nie und genau das hat mir bewiesen, dass ich alles schaffen kann.

MEINE UNGLAUBLICHE IDEE

Von Douaa El-Barkani (9b)

 

 

Dieses Mal sollte es etwas ganz Großes werden. Aber ich wusste nicht, ob es klappen würde. Ich glaube, ich fange einfach mal ganz von vorne an. Die Idee dazu kam mir während der Corona-Auszeit.

Es war 01:23 Uhr, und ich konnte wieder mal nicht schlafen. Seit wir wegen des Corona Virus nicht mehr in die Schule gehen konnten, blieb ich ziemlich lange wach.

Diesmal war es aber anders. Ich wollte nicht versuchen einzuschlafen, sondern über etwas nachdenken. Zu dem Zeitpunkt waren wir alle seit über 6 Wochen von der Außenwelt quasi isoliert. Wir Schüler saßen den ganzen Tag zu Hause und arbeiteten an Schulaufgaben, und mit unseren Freunden und unseren Verwandten durften wir uns nicht treffen. Ich dachte mir: „Es muss doch irgendeine Lösung geben, trotzdem gemeinsam Spaß haben zu können und etwas Abwechslung in den Alltag zu bekommen.“

Und dann musste ich an die armen Senioren im Pflegeheim denken, die gar keinen Besuch mehr bekamen. Entkräftet reckte ich mich auf und setzte mich an meinen Schreibtisch. Ich grübelte nach einer Lösung und schrieb alles auf, was mir einfiel. Mein Blatt war vollgeschrieben, aber eine Idee, die mich zu 100% überzeugte, war nicht dabei. Erfolglos legte ich mich wieder zu Bett.

2:55 Uhr. Ich hatte einen Geistesblitz und raffte mich auf. Jitsi! Das war meine Idee! Jitsi war eine App, die ich seit der Isolation für den online Klavierunterricht benutzen musste. Jitsi war die perfekte Idee. Dies ist eine App für Videokonferenzen, die ganz einfach zu bedienen war und bei der es keine Begrenzung für die Anzahl der Konferenzteilnehmer gab. Man könnte per Jitsi mit den Senioren einen Spieleabend veranstalten und Spiele wie „Bingo“ oder „Stadt, Land, Fluss“ spielen. Wir würden alle ganz gemütlich in unseren Zimmern sitzen und trotzdem Spaß haben. Die Idee war genial, wenn es da nicht dieses eine Problem gäbe… Wie mache ich auf meine Überlegung aufmerksam? Ich hatte die ganze Nacht nicht geschlafen und nur an meinem Plan geschrieben und ihn so lange ausgebessert, bis er nahezu perfekt war.

15:07 Uhr war es, als ich aufwachte. Verwirrt starrte ich auf meine kuschelige Decke, auf welcher mein vollgeschriebener Block lag. Ich erinnerte mich, womit ich die letzte Nacht verbracht hatte. Ich griff nach meinem Handy und arbeitete den ersten Schritt meines Plans ab. Aufgeregt tippte ich die Nummer des Seniorenzentrums in mein Handy.

„Seniorenzentrum Haus Schäpenkamp, guten Tag“, hörte ich eine weibliche Stimme sagen. „Guten Morg.. eh.. guten Tag“, verhaspelte ich mich. „Was kann ich für Sie tun?“ Ich erzählte der Dame von meiner Idee und fragte, ob es möglich wäre, diese umzusetzen.
Die Dame schien gleich sehr interessiert. Sie erzählte mir, dass das Seniorenheim erst seit kurzem eine neue Internetanlage hatte. Immer mehr Senioren brachten beim Einzug ihren eigenen PC oder Laptop mit. Der Internetzugang war sozusagen eine längst überfällige Modernisierung, mit dem das Heim sogar auf seiner Website Werbung machte. Nach unserem 8-minütigen Gespräch versprach sie mir, mich nach Rücksprache mit ihrem Chef anzurufen. Nach nur wenigen Stunden erhielt ich einen Anruf vom Pflegeheim und die Dame am Telefon meinte, dass wir es mal ausprobieren könnten und schauen, wie es den Senioren gefällt. Über diese Antwort habe ich mich riesig gefreut.

Nun war Schritt 2 an der Reihe: Werbung machen! Ich musste auf meine Idee aufmerksam machen, und der beste Weg waren die sozialen Medien. Die Nacht verbrachte ich damit, mir einen Instagram Account zu erstellen, auf dem ich für meinen Plan werben konnte. „SpaßTrotzCorona“ nannte ich die Seite. Bei Jitsi ist es so, dass man einen Chat erstellt und diesen dann für immer nutzen kann – ich musste also nicht immer wieder einen Neuen erstellen. In meinem ersten Post erklärte ich die Idee und schrieb den Chat-Namen dazu, welcher meinem Instagram-Namen entsprach. Nach vier Tagen hatte ich nicht wirklich viele Follower, aber dafür mein erstes Treffen mit den Senioren.

Ab 16:30 Uhr war der Chat eröffnet, und wir waren zu acht – ich und sieben Senioren. Wir spielten ein paar Runden Bingo und erzählten uns Witze. Das Lächeln der älteren Menschen gab mir ein gutes Gefühl, aber ich wollte noch mehr. Ich wollte mehr Leute dazu anregen, an den Spieleabenden teilzunehmen.

Zwei Wochen waren vergangen, und ich hatte immer mehr Follower. Mittlerweile hatte ich schon 3 Treffen mit den Senioren gehabt, und meinen Freunden hatte ich auch schon davon erzählt. Das letzte Treffen war schon vier Tage her, und an diesem Tag machten meine Freunde – die auch an den Spieleabenden teilnehmen wollten – und ich auf unseren sozialen Netzwerken auf das heutige Viedeo-Treffen aufmerksam.

Es war 18 Uhr. Ich war sprachlos. 29 Teilnehmer(!!) Jede Altersgruppe(!) Es wurden immer mehr Leute, und wir hatten alle unglaublich viel Spaß, was ich niemals gedacht hätte. Ich hatte nach jedem Treffen ein so gutes Gefühl. Dieses Gefühl kann ich gar nicht in Worte fassen. Ich war einfach überwältigt und glücklich, weil ich es geschafft hatte, so viele Leute verschiedenster Altersgruppen zu vereinen. Als ich vor 15 Tagen mitten in der Nacht in meinem Zimmer saß und den Plan geschrieben hatte, hätte ich nicht gedacht, dass dieser wirklich funktionieren würde.

Seit vier Wochen trafen wir uns alle – immer mittwochs und sonntags – und hatten gemeinsam Spaß. Meine Idee war DAS Thema im Netz, und jeder sprach darüber – deutschlandweit. Überall wurde Werbung für meine Idee gemacht, und jeder kannte mich. Sogar die Offenbach Post wurde auf mich aufmerksam: sie fragten, ob ich bereit sei, mich für einen Zeitungsartikel interviewen zu lassen. Es fühlte sich an wie ein endlos langer Traum. Es war einfach unglaublich und meine Idee hat mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht. Ich bin keine Sängerin, Tänzerin oder Fußballstar – nein. Ich bin einfach ein 15-jähriges Mädchen, welches etwas Abwechslung und Freude in den Alltag bringen wollte.

ABGEHOBEN

Von Irini Konstantinidou (8d)

 

 

Die Idee dazu kam mir während der Corona- Auszeit. Ich war schon immer ein großer Harry Potter- Fan, also entschied ich mich dazu, den 1. Band, „Stein der Weisen“, auf Englisch zu lesen. Dadurch fand ich wieder meine Liebe zum Detail, was das Schreiben anging. Zunächst schaute ich mir nochmals den passenden Film dazu an, also Teil 1. Doch dieser besaß leider nicht so viel Detailliebe in den einzelnen Szenen. Ich war verwundert, traurig und enttäuscht zugleich. Durch meine erhöhte Freizeit in der Corona- Phase und meine Liebe zur Kreativität, sprich auch das Zeichnen, traf ich die Entscheidung, mit dem Illustrieren anzufangen. Erstmals versuchte ich nicht gerade das einfachste Motiv, sondern meinen Lieblingscharakter aus Harry Potter, nämlich Hermine Granger. Nach zwei Stunden purer Sucht mit meinem Programm, war das intelligente Mädchen vollbracht und sah nahezu lebensecht aus. Ich präsentierte es meiner Familie, zurück kam gutes Feedback, somit entschied ich mich dazu, weitere Charaktere zu illustrieren, aber erstmal jedoch nur die Hauptrollen des Films. Die Sucht war nicht mehr vorhanden, da ich mir Zeit ließ und das ausgesprochen schöne Wetter genoss. Unser Balkon war so traumhaft schön und so unwiderstehlich, dass ich einen Drang verspürte, der mich darum bat, mich doch bitte hinzusetzen und die Sonne zu genießen. Nach weilender Zeit, bat ich meinen Bruder, mir mein iPad zu bringen, da ich wieder große Lust zu illustrieren verspürte. Somit kombinierte ich meine Vorlieben, also illustrierte ich auf meinem Balkon.

Nach einer Woche war ich endlich an meinem persönlichen Ziel angekommen. Ich lud die Harry Potter- Illustrationen auf meinen Instagram- Account hoch. Doch dann das Unerwartete. Über Nacht explodierten förmlich die Likes, aber auch von mir gegenüber unbekannten Profilen, einen zweiten untersuchenden Blick gönnte ich mir, der sich lohnte. Viele Harry Potter-Fans entschieden sich dazu, mich zu unterstützen. Eine nette Geste dachte ich mir, bis ich in meinen privaten Nachrichten eine für mich lebensverändernde Nachricht las. Sie war von einem großen Verlag an mich adressiert. In der Nachricht stand: „ Hallo Irini, wir waren begeistert von deinen tollen Harry Potter- Illustrationen…“. Das zauberte mir natürlich ein breites Grinsen ins Gesicht, da dieser Verlag auch die Harry Potter- Bücher herausbrachte. Aber sie bereitete mir auch einen dicken Kloß im Hals. Wie sollte ich denn nur antworten? Ich holte mir zur Hilfestellung meine Mutter, die mir aber nicht wirklich half, sondern vor Freude in die Luft sprang. Also rief ich meinen Vater zu mir, mit dem ich alles bis ins kleinste Detail besprach. Meine Eltern willigten schließlich ein. Die Aufgabe, die mir der Verlag stellte, war eine Herausforderung. Ich sollte eine Szene zeichnen,aber nicht irgendeine, nein, sondern meine persönliche Lieblingsszene. Da zerbrach ich mir schon meinen Kopf, denn ich wollte das Szenario nicht einfach völlig aus dem Film kopieren. Im Film wird das Geschehnis durch das Sprechen verdeutlicht und in Büchern mit ausdrucksstarken Wörtern, während ich mich für keine dieser Verdeutlichung entschied, heißt ganz ohne Worte. Was meine Illustrationen so besonders machten, war die Liebe zum Detail, die mir im Film, in der bildlichen Darstellung nun mal nicht gefiel, genau dies wollte ich anders machen, genau dies wollte ich besser machen. Und das war gar nicht so einfach ohne auch nur einen Buchstaben, denn auch die unzähligen Harry Potter- Fans wollte ich nicht enttäuschen. Es war etwas, was es so noch nicht vorher gab und genauso wenig was ich jemals tat. Meine Lieblingsstelle aus dem 1. Teil, war die, als die Schüler*innen ihre erste Flugstunde wagten. Wow! Dass es dermaßen viel Arbeit und Geduld kostete wollte man kaum glauben. Aber der Aufwand war es definitiv wert. Nach nur einem Tag, zwar ohne Schlaf, war die Grafik vollendet. Noch früh am Morgen schickte ich müde mein digitales Werk. Nur wenige Tage danach, bekam ich eine Rückmeldung vom Verlag, die so viel Zuspruch enthielt, welcher mich natürlich sehr positiv beeinflusste um weiter zu machen. Sie fragten mich, ob ich vielleicht mit Ihnen kooperieren wolle. Daraufhin holte ich mir die Erlaubnis meiner Eltern ein. Ich konnte es kaum glauben und bekam nur ein einfaches „ ja“ auf meine Tastatur getippt.

Ich war so motiviert wie noch nie. Ich setzte mich sofort an die Arbeit, besser gesagt an mein iPad. Nach einigen Wochen war ich bereits fertig, nämlich mit dem ganzen Band 1! Der Verlag war so beeindruckt, dass sie es schnellstmöglich eher schon im Handumdrehen druckten. Das alles ging viel zu schnell für mich. Einerseits öffnete sich auch eine riesige Tür für mich, unter anderem auch um neue Kontakte zu knüpfen. Andererseits war es aber auch ein wirtschaftliches Plus, was für meine jungen Jahren eher ungewöhnlich ist. Für mich spielte dieser Aspekt allerdings keine Rolle, da ich die Sachen liebte, die ich betrieb und wenn es das Schicksal so besagte, dann sollte das auch so sein. Ich bin überaus glücklich und vor allem stolz auf mich, da ich alles mit Liebe, Mühe und Leidenschaft bearbeitete. Bei den Lesern, besser gesagt bei den Personen, die es begutachteten, kam es super gut an. Es dachten aber auch durchaus viele, dass es ein Buch für Kinder wäre, da es ein Bilderbuch ist. Jedoch ist es viel zu modern, um alleine schon darüber nachzudenken. Selbstverständlich ist es auch für Kinder geeignet, doch dieses einmalige Band ist auf jegliche Zielgruppen gerichtet, vielleicht musste man gar kein Harry Potter- Unterstützer sein, es langte eventuell auch nur, neumodische Grafiken zu bevorzugen. Genau das bereitet mir Freude, die Vielseitigkeit eines Bilderbuchs widerzuspiegeln. Im Endeffekt ließ sich mein eigenes Buch ziemlich gut verkaufen, dass ich das ich das mal ausspreche. Wer wohl damit rechnete? Ich wahrscheinlich mit am wenigsten. Es war einfach unglaublich und hat mich quasi über Nacht zur Berühmtheit gemacht.